Bockhorn:Staatsmedaille für Bernadette Lex

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Bockhorn: Der Chef des Landesamtes Hubert Bittlmayer und Bernadette Lex mit ihrer Auszeichnung.

Der Chef des Landesamtes Hubert Bittlmayer und Bernadette Lex mit ihrer Auszeichnung.

(Foto: Seyfarth/STMELF/oh)

Pionierin im ökologischen Landbau erhält Auszeichnung für langjähriges vorbildliches und ehrenamtliches Engagement

Von Antonia Koch, Bockhorn

Mehr als 25 verschiedene Kulturen, darunter Wildblumenvermehrungen, Quinoa, Sojabohnen, Hirse, Buchweizen, Dinkel oder Emmer, baut der Familienbetrieb Lex in Emling in der Gemeinde Bockhorn an. Die Familie Lex gilt als Pionier auf diesem Feld. Diese Vielfalt sorge nicht nur für Abwechslung, sondern diene auch dazu, das Risiko zu verteilen, sagte Bernadette Lex. Ihr Vater hat schon 1979 den Betrieb auf ökologischen Landbau umgestellt, mittlerweile verwaltet Bernadette Lex den Familienbetrieb mit ihren Eltern und Schwestern. Dafür gab es nun die Staatsmedaille für langjähriges vorbildliches und ehrenamtliches Engagement.

Die Ehrung komme zum richtigen Zeitpunkt, sagt Bernadette Lex: "In diesem Sommer braucht man auch positive Überraschungen, wir haben mit dem Wetter wirklich ganz schön gekämpft." Die extremen Wetterverhältnisse der vergangenen Monate ließen das Unkraut wachsen, und das hat viel Handarbeit auf dem Feld mit sich gebracht: Unkraut jäten, striegeln und hacken. Weil das Klima sich verändert, sei Anpassung wichtig, sagt Lex, auch um das Risiko von Missernten zu senken. Die Felder des Hofs befinden sich an unterschiedlichen Standorten, so konnte der Hagel in diesem Jahr nicht alle Felder zerstören. Auch die Entscheidung, Hirse anzubauen, ein sehr trocken- und hitzeresistentes Getreide, das vor allem in Nordafrika angebaut wird, sei eine Reaktion auf den Klimawandel, so Lex.

Die Bioprodukte finden heute einen guten Absatz - das war aber auch schon einmal anders: Ende der siebziger Jahre stellte der Familienbetrieb um. "Damals waren wir gesellschaftlich alles andere als anerkannt, und wirtschaftlich war die Umstellung im Grunde eine Katastrophe." Heute, sagt Lex, seien Bioprodukte in der breiten Öffentlichkeit angekommen. Über diesen gesellschaftlichen Wandel ist sie froh, wobei sie betont, dass man als Biobauer trotzdem weiter Probleme habe. Von einem idyllischen, ruhigen Landleben könne keine Rede sein. Maschinen brummen, die Anlage läuft, und dazu krähen vierzig Hähne. "Man hört immer was", sagt Lex. Dazu leiden auch die Biobauern unter der Bürokratie. Ein vielfältiger Betrieb wie ihrer sei sehr arbeitsaufwendig, auch im Büro, sagt Lex. Und der Druck sei hoch, weil der Biohof Saatgut für andere Landwirtschaften herstellt. "Das Saatgut muss einfach keimen, ansonsten ist alles für die Katz."

Im ehemaligen Kuhstall steht heute die Getreideanlage und der Verpackbereich. Im Nebenraum finden sich mehrere Industriemühlen und eine Siloanlage. Ein Hauptaugenmerk in der Getreideherstellung liegt auf glutenfreien Produkten: Buchweizen, Hirse, Hanfprodukte, Sojabohne. Außerdem gibt es selbstgemachte Haferflocken und Müslimischungen..

Eine Neuerung ist die Eiermitnahmebox, die rund um die Uhr zugänglich ist. Innovativ auch die "neue alte" Getreidereinigungsanlage: Vater Lorenz Lex hatte sie in den 1980er-Jahren angefangen zu bauen. Zusammengewürfelt aus Maschinenteilen, die teilweise mehr als hundert Jahre alt sind, ausgebaut aus anderen Anlagen, restauriert und mit neueren Teilen wieder eingebaut, arbeitet die Maschine Tag und Nacht. Programmiert von Schwester Rafaela fotografiert die Anlage das durchlaufenden Getreide und sortiert mit Druckluft schlechte Körner aus.

Der Schwerpunkt im Getreideanbau des Biohofs ist Dinkel. Wichtig ist jedoch der Wechsel im Anbau. Die Fruchtfolge soll die Fruchtbarkeit des Bodens schonen und erhalten. Eine "perfekte Pflanze" sei dafür der Buchweizen, sagt Lex: Der Inhaltsstoff Rutin sei gegen Krampfadern, die lange Blütezeit biete auch noch im Herbst Futter für Fluginsekten und die Wurzeln der Pflanze sorgen für Bodenaufschluss, was die Erde für die nachfolgende Pflanze vorbereitet. Gerade beginnt der Buchweizen, seine Bucheckern zu bilden, daher wird er erst im November gedroschen: "Heuer dauert's länger, weil heuer alles enorm spät dran ist".

Und da bleibt dann offenbar auch noch Zeit für ehrenamtliche Tätigkeiten, auf die das Landwirtschaftsministerium in seiner Laudatio verweis: Lex ist in der Naturland-Gremienarbeit engagiert, betreibt Öffentlichkeitsarbeit für Landwirtschaft und Ökolandbau, ist seit 2005 Mitglied und heute zweite Vorsitzende im Verein zur Förderung des ökologischen Landbaues. "Als Biobauer möchtest du deine Sache voranbringen. Es ist halt einfach so, dass du nicht für alles Geld bekommst."

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