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BMW :Aus Freude am Fahrplan

Vaterstetten debattiert über Logistikzentrum in Parsdorf

Die mögliche Ansiedlung eines Logistikzentrums der Firma BMW in Parsdorf stößt auf Kritik. Ende vergangener Woche hatte die Vaterstettener Gemeindeverwaltung verkündet, der Autobauer sei möglicherweise an einem Grundstück neben der Autobahn 94 interessiert. Im Schnellverfahren sollen an diesem Donnerstag die Voraussetzungen dafür geschaffen werden. Sowohl aus Parsdorf als auch aus dem Vaterstettener Gemeinderat gibt es kritische Stimmen, die vor einer zu schnellen Entwicklung warnen.

"Das eine Gewerbegebiet ist noch nicht fertig, da wird schon am nächsten herumgedoktert", sagt Johann Gunszt, Sprecher der Arbeitsgruppe Orts- und Verkehrsentwicklung Parsdorf. Weder seien alle Flächen im Gebiet südlich der Autobahn vergeben, noch sei die versprochene Umgehungsstraße fertig. Stattdessen werde es zusätzlichen Verkehr geben. Man sei nicht grundsätzlich gegen die Entwicklung des Gebietes nördlich der Autobahn, betont Gunszt, nur nicht sofort.

Die gleiche Forderung erhebt die SPD-Gemeinderatsfraktion: "Aus unserer Sicht sollten keine überstürzten Aktivitäten gestartet werden", so Fraktionschef und Ortsvorsitzender Sepp Mittermeier. Eine Ausweisung von Gewerbeflächen an dem Standort solle - falls es überhaupt eine Mehrheit im Gemeinderat gebe - nach einem "Fahrplan" erfolgen. Erster Schritt sei die Erstellung eines von den Genossen bereits im Juli geforderte Kriterienkataloges. Einen Entwurf hat die SPD bereits erarbeitet. Darin wird unter anderem gefordert, nur Betriebe anzusiedeln, "bei denen nachweislich hohe Gewerbesteuereinnahmen zu erwarten sind". Für die SPD sind das mindestens zwei Millionen Euro pro Jahr und zehn Hektar Fläche. Es sollen 500 Ausbildungs- und Arbeitsplätze entstehen. Dabei solle der Flächenverbrauch gering gehalten, also möglichst in die Höhe gebaut werden. Außerdem wichtig für die SPD ist eine Anbindung an den Nahverkehr, etwa den S-Bahnhof Grub.

Hierfür könnte man mit Poing zusammenarbeiten, überhaupt wünscht sich die SPD einen "interkommunalen Ansatz". Neben einer gemeinsamen Verkehrserschließung könnte dies auch im Bereich der Energieversorgung sinnvoll sein, etwa durch einen Anschluss ans Poinger Nahwärmenetz. Auch habe man im Verbund mit den Nachbarn eine bessere Verhandlungsposition gegenüber dem Investor, "der im Besitz wichtiger Tauschflächen ist". Denn derzeit gehören einige Flächen nördlich der Autobahn noch dem Freistaat, während der Investor, eine belgisch-luxemburgische Firma, die vorwiegend mit Gewerbegrundstücken spekuliert, einige Flächen östlich von Parsdorf besitzt. Wenn ein solcher Katalog verabschiedet sei, könne man nach Firmen suchen, welche die Kriterien erfüllen - laut SPD alle außer Logistik. Erst ganz zuletzt solle man sich an die Aufstellung von Bebauungsplänen machen.

Doch genau dies wäre nach dem Fahrplan der Verwaltung einer der ersten Schritte. Sollte der Gemeinderat am Donnerstag einen Grundsatzbeschluss zur Entwicklung des Gewerbegebietes fällen, trifft sich anschließend der Bauausschuss, um zu einem einzigen Tagesordnungspunkt zu beraten: der Aufstellung eines Bebauungsplanes für das Logistikzentrum. Die Eile sei nötig, so Vaterstettens Wirtschaftsförderer Georg Kast, da BMW einen engen Zeitplan vorgegeben habe. Bereits im Herbst 2019 solle das Logistikzentrum den Betrieb aufnehmen. Wobei noch nicht sicher ist, dass BMW wirklich nach Vaterstetten zieht, die Firma prüft noch andere Standorte in der Region. Trotzdem ist für Kast die Aussicht auf einen derart potenten Gewerbesteuerzahler wie BMW das Risiko einer vielleicht am Ende nutzlosen Planung wert.

In einer zuvor nichtöffentlich stattfindende Beratung geht es zudem um eine Beteiligung der Gemeinde an dem neuen Gewerbegebiet. Das Ziel ist es laut Kast, dass die Gemeinde bei der Vergabe der Grundstücke mehr Mitspracherechte habe als beim Gewerbegebiet südlich der Autobahn. Dass zu diesem Zweck auch Geld aus der Gemeindekasse an den Investor fließt, indem sich Vaterstetten in eine gemeinsame Entwicklungsgesellschaft einkauft, will Kast nicht dementieren. Dies sei eines von mehreren Szenarien, die der Gemeinderat debattieren werde. Wieland Bögel