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Blumenwiese bei Wildenthal:Bedrohtes Paradies

Dorfens Stadtrat will die wegen ihrer Vielfalt einzigartige Blumenwiese bei Wildenthal zum Naturdenkmal erklären lassen.

Dorfen - Letztlich ist es nur eine Wiese. Doch solch eine Wiese wie bei der Einöde Wildenthal am südlichen Hang des Goldachtals gibt es sonst nicht mehr im ganzen Landkreis: Sie ist die wohl letzte große Blumenwiese, auf der von Frühling bis Herbst in großer Artenvielfalt zahlreiche und zum Teil höchst selten gewordene Blumen blühen. Weil diese Blumenwiese so einzigartig geworden ist, soll sie nun als Naturdenkmal dauerhaft unter Schutz gestellt werden.

Blumenwiese Wildenthal, Trollblume

Auf der Blumenwiese bei Wildenthal wachsen höchst selten gewordene Blumenarten wie die Trollblumen.

(Foto: Hartl (oh))

Der Leiter der Stadtverwaltung Dorfen Andreas Hartl ist als Beamter ein sehr nüchterner Mensch. Wenn er in einer Stadtrats- oder Ausschusssitzung einen sogenannten Sachvortrag hält, lässt er sich keinerlei Emotionen anmerken. Das war auch so, als er dem Dorfener Bau- und Umweltaussschuss über den von der Stadtverwaltung ausgearbeiteten "Antrag auf geeignete Schutzmaßnahmen für die Blumenwiese bei Wildenthal" darlegte. Dabei darf man annehmen, dass das Thema den großen Naturfreund Hartl wohl mehr als manchen anderen tief bewegt hat.

Hartl baute seinen Sachvortrag geschickt auf. Zunächst wies er die Mitglieder des Dorfener Bau- und Umweltausschusses darauf hin, dass und wie sich die Stadt Dorfen in den vergangenen Jahren lohnenswerterweise und erfolgreich mehrmals um Naturschutzbelange gekümmert hat. Erst nachdem er von ihm selbst aufgenommene Fotos von Eisvögeln, Kiebitznestern und Laubfröschen gezeigt hatte, leitete er zur Blumenwiese über. Über das Jahr hinweg blühten bei Wildenthal etwa 50 verschiedene Blumenarten, von Schlüsselblumen bis zu Herbstzeitlosen. Im Mai finden sich dort die letzten Trollblumen weit und breit. Ein "Highlight" auf der Wiese seien fraglos jedoch zwei selten gewordene Arten des Knabenkrauts, einer heimischen Orchideenart. Alles in allem sei die Vielzahl der Blumen auf der Wiese einzigartig. Nicht nur im 99 Quadratkilometer großen Dorfener Stadtgebiet, sondern im ganzen Landkreis.

Die Blumenwiese, die von ihren Pächtern bislang geschont worden sei, indem sie nur einmal im Herbst gemäht wurde, sei nun jedoch "in großer Gefahr". Denn im vergangenen Jahr hat einer der Pächter seinen Teil der Wiese eben doch im Frühjahr abgemäht und anschließend auf ihr Gülle ausgefahren. Mit verheerenden Folgen. Auf diesem Teil der Wiese wachsen die Blumen nur noch "sehr ausgedünnt", sagte Hartl.

Bürgermeister Heinz Grundner (CSU) sagte, man habe sich "mehrfach und länger darüber unterhalten", wie man die Blumenwiese bei Wildenthal - "die wirklich einmalig ist" - besser und dauerhaft schützen könne. Auch wenn der eine Pächter, der seinen Teil abmähte und mit Gülle düngte, dies fortan nicht mehr tun wolle, sei es angebracht, die Wiese als "flächenhaftes Naturdenkmal" unter Schutz zu stellen. Grundner verwies darauf, dass die Wiese zudem auch ein "Kulturdenkmal" sei, das an vergangene ZeIten erinnere, in denen Landwirtschaft "noch stärker im Einklang mit der Natur" betrieben worden sei.

Der einstimmig gefasste Beschluss, das Stückchen blühende Landschaft zum Naturdenkmal erklären zu lassen, wird nun ans Landratsamt Erding weitergeleitet. Als Untere Naturschutzbehörde muss das Landratsamt die Schutzwürdigkeit der Wildenthaler Blumenwiese bestätigen. Der Schutzstatus soll, weil ein Teil bereist zerstört ist, nur für den bislang unangetasteten Bereich der Wiese gelten.