bedeckt München

Bildung:Angespannte Situation an den Schulen

Grund- und Mittelschullehrer werden knapp, da die komplette Mobile Reserve schon im Einsatz ist. Laut Schulamt sollen nach den Herbstferien Teamlehrer und Studenten das Kontingent aufstocken

Von Dan Urner, Erding

- "Sehr angespannt" ist die Lehrersituation in den Grund- und Mittelschulen des Landkreises, wie Marion Bauer, Vorsitzende des Schulamts, verlauten lässt. Insgesamt fast 20 Lehrkräfte könnten in Verbindung mit Corona nicht im Unterricht eingesetzt werden, erklärt sie. Das betreffe vor allem schwangere Lehrerinnen, die nicht mehr eingesetzt werden dürften. Hinzu kämen sonstige krankheitsbedingte Ausfälle, "die sich entsprechend der Jahreszeit momentan häufen". Engpässe gebe es vor allem beim Fachlehrerpersonal. Die gesamte Mobile Reserve sei im Einsatz, könne den Bedarf aber nicht decken. Die Schulamtsdirektorin stellt aber Maßnahmen in Aussicht: So erwartet sie eine zeitnahe Aufstockung durch Teamlehrkräfte und Studenten.

Ernst ist die Lage an der Grundschule Walpertskirchen. Rektorin Birgit Hipper erklärt zwar, dass der Unterricht vorerst wie auf dem Stundenplan vorgesehen stattfinden könne, aber "natürlich gibt es Engpässe", etwa weil Lehrer mit Erkältungssymptomen zu Hause bleiben müssten. Es gebe auch keine Mobile Reserve mehr, auf die die Schule zurückgreifen könne.

Die gesamte mobile Reserve ist im Einsatz. Doch der Bedarf wird damit nicht gedeckt

An der Mittelschule Erding bestehen demgegenüber lediglich punktuelle Probleme. Es habe mal einen Tag gegeben, wo vier Lehrkräfte ausgefallen seien, "so was gibt es aber jedes Jahr um diese Jahreszeit", sagt Schulleiter Stephan Treffler. Im Moment gebe es einen Ausfall, die Mobile Reserve sei aber eingesprungen. Er merkt mit Blick auf die Unwägbarkeiten gleichwohl an: "Ich weiß nicht, wie die Lage morgen aussehen wird." Heuer finde der Unterricht aber planmäßig statt. Seitens der Grundschule Langengeisling heißt es indessen gar, es bestünden gar keine Probleme.

Auch an der Altenerdinger Carl-Orff-Grundschule finden die Unterrichtsstunden wie vorgesehen statt. "Wir sind bisher ganz gut davongekommen", befindet Rektorin Christine Triska-Kowol. Die Mobile Reserve sei bislang zur Stelle gewesen. Die Schulleiterin macht allerdings auf einen zentralen Unterschied zum Normalbetrieb aufmerksam: Die Schule könne keine Gruppen mehr mischen. "Normalerweise werden Kinder bei Unterrichtsausfall auf andere Klassen verteilt, das können wir momentan nicht machen." Man sei "auf Kante genäht", gibt sie zudem zu bedenken.

Hervorheben will Marion Bauer die große individuelle Bereitschaft der Kolleginnen und Kollegen vor Ort, "plötzlich auftretende Ausfälle an ihrer Schule zu kompensieren", etwa durch Erhöhungen der Teilzeitstunden. Um potenzielle ebenso wie bereits bestehende Engpässe zu überwinden, habe man bei der oberbayerischen Bezirksregierung beantragt, drei Teamlehrkräfte einzustellen, "die in Zusammenarbeit mit den Klassenlehrern den Unterricht durchführen".

Darüber hinaus plant das Schulamt, studentische Unterstützung zu akquirieren. "Durch die enge Zusammenarbeit mit der Ludwig-Maximilians-Universität München gelingt es auch immer wieder, Studentinnen und Studenten im höheren Semester oder mit erstem Staatsexamen für einen Einsatz als Mobile Reserve zu gewinnen", berichtet Bauer. "Nach den Herbstferien erwarten wir durch diese Maßnahme eine, wenn auch moderate, Aufstockung unseres Lehrerstundenkontingents." Die Rückmeldungen der Schulen über deren Tätigkeit in den Klassen seien durchweg positiv.

© SZ vom 26.10.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite