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Biergarten lief, Disco floppte:"Erding ist nicht München"

Wieder scheitern Pächter in der ehemaligen Schiaßn am Erdinger Volksfestplatz: Die Geschäftsführung des Hunter hat Insolvenz angemeldet. Mit einem neuen Team soll der Betrieb aber bald weitergehen

Nach fast einem Jahr ist wieder Schluss: Das Lokal Hunter, die ehemalige Schiaßn am Volksfestplatz, macht aller Voraussicht nach in den kommenden Monaten wieder zu, nachdem drei Gesellschafter im Frühjahr 2016 mit viel Elan und einem guten Plan das Traditionslokal wieder zu alter Größe führen wollten. Sie sind gescheitert: Die Hunter Gastro & Event GmbH hat Ende März einen Insolvenzantrag beim Landshuter Amtsgericht gestellt.

Immer wieder Pech

Mit dem einst guten Ruf des Lokals am Schießfeld, in dem jahrelang die Kleinkunst beheimatet war und die Erdinger im schönen Biergarten verweilten, ist es jetzt wohl endgültig vorbei. Bevor es vor einem Jahr zum Hunter wurde, sind einige Gastronomen am Betrieb der ehemaligen Schiaßn gescheitert. Im Jahr 2010 wollten es der Erdinger Künstler Harry Seeholzer, Börnie Sparakowski von der Sinnflut GmbH und der Gastronom Uwe Pianka mit anspruchsvoller Kleinkunst versuchen. Das hat nicht so richtig geklappt, Pianka stieg aus (aus persönlichen Gründen, wie es damals hieß), später haben Seeholzer und Sparakowski ganz aufgegeben.

Ihnen gefolgt sind 2013 Markus Weber und Matthias Stangier. Weber allerdings verließ auch bald die gemeinsame GmbH, Stangier wollte alleine weitermachen, ist aber mehr als spektakulär gescheitert. Ende 2015 wurde bekannt, dass Stangier über Monate hinweg der Vermieterin, der Fischers Stiftung, keine Pacht mehr überwies und ihr fast 30 000 Euro schuldete. Die strengte schließlich eine Räumungsklage an, Stangier zeigte sich aber renitent und forderte, dass die Stiftung ihm einen Teil des Inventars abkauft - was Matthias Vögele, Geschäftsführer der Fischers Stiftung, kategorisch ausschloss. Man traf sich daraufhin am Landgericht Landshut, es wurde eine hitzige Verhandlung. Am deren Ende wurde ein Vergleich geschlossen, Stangier durfte den Großteil seines Inventars verkaufen und so die Schulden abzahlen, einen Teil übernahmen die Nachpächter, einen Teil die Stiftung. Auch wenn Stangier der Fischers Stiftung bis heute Verbindlichkeiten schuldig ist, im Frühjahr 2016 war schließlich der Weg frei für die neuen Pächter - denen es am Ende nicht anders erging als ihren Vorgängern. webe

Kalt erwischt aber hat das Matthias Vögele, den Geschäftsführer der Fischer Stiftung, der das historische Gebäude aus dem frühen 20. Jahrhundert gehört, nicht. Es habe sich abgezeichnet, dass der Betrieb nicht läuft wie erhofft. Vögele hat bemerkt, dass zwar der Biergarten vergangenen Sommer gut angenommen wurde, der "Hunter Club", also die Disco, aber wohl nicht die Erwartungen erfüllen konnte. Geplant war neben dem Biergartenbetrieb und dem Club auch Gastronomie, "bodenständige bayerische Küche" wollte man anbieten. Von den ursprünglich drei Pächtern, von denen zwei aus München und einer aus dem Landkreis Erding stammen, ist nur noch einer übrig, mit dem Vögele derzeit Kontakt hat: Thorsten Neumann, der als Geschäftsführer der GmbH angegeben ist und in München eine Eventagentur und Clubs betreibt. Matthias Vögele sagt: "Erding ist nicht München", vielleicht hätten die Betreiber falsche Vorstellungen gehabt. Die Pachten sind günstiger als in der Hauptstadt, der Gewinn im besten Fall größer; aber das Publikum sei eben auch ein anderes in Erding. Das müsse man kennen.

Bis nach Ostern soll der Betrieb im Hunter am Schießfeld noch weitergehen.

(Foto: Renate Schmidt)

Der Betrieb im Hunter soll erst einmal bis Ostern weitergehen, wie der vom Amtsgericht vorläufig bestellte Insolvenzverwalter, Anwalt Andreas von Gleichenstein, bestätigt. Auf der Facebook-Seite sind allerdings keine weiteren Veranstaltungen mehr eingetragen. Die vor einem Jahr geschaltete Homepage gibt es nicht mehr, die Domain leitet auf die Facebookseite weiter. Das Amtsgericht in Landshut hat Anwalt Gleichenstein ermächtigt, eine so genannte Insolvenzgeldvorfinanzierung durchzuführen. Es geht um 16 000 Euro, die von einer Bank vorgestreckt werden und mit denen für die Monate April und Mai die Gehälter der Angestellten bezahlt werden. Später, nach einer Bearbeitungszeit, übernimmt die Arbeitsagentur diese Kosten. Gleichenstein sagt, dass derzeit 17 Kräfte auf 450-Euro-Basis im Hunter beschäftigt seien; viele von ihnen nur einige Stunden im Monat. Um den Betrieb weiterführen zu können, stehen Gleichenstein schmale 6000 Euro zur Verfügung, etwa für Telefon, Strom, Wasser und Versicherungsbeiträge. Der Rechtsanwalt erstellt nun in den kommenden Wochen ein Gutachten, das über den weiteren Verlauf des Insolvenzverfahrens entscheiden wird. Dass es wohl zu einem solchen Verfahren kommt, davon geht Gleichenstein "nach derzeitigem Stand" aus. Am Montag hat er mit Vögele das weitere Vorgehen besprochen.

Eine lange Zeit ohne gastronomischen Betrieb wird es aller Voraussicht nach nicht geben. "Wenn alle Beteiligten mitspielen", sagt Fischers-Geschäftsführer Vögele, soll schon in wenigen Wochen ein neuer Pächter den Betrieb am Schießfeld weiterführen. Vögele will noch nicht verraten wer es ist, aber er habe schon einen Interessenten an der Hand. Nach Ostern soll es weitere Details geben.