Landkreis Erding:Viel Arbeit für die Biberberater

Landkreis Erding: Rund 400 Biber soll es im Landkreis Erding geben.

Rund 400 Biber soll es im Landkreis Erding geben.

(Foto: Marco Einfeldt)

Sein Fleisch war essbar, sein Fell sehr begehrt: Der Biber ist in Bayern im 19. Jahrhundert von den Menschen ausgerottet worden. Über eine Wiederansiedlung in den 1960er und 1980er Jahren kehrte er zurück. Rund 400 dieser Nager soll es im Landkreis Erding geben, und die richten erhebliche Schäden an.

Von Thomas Daller, Erding

Seit zehn Jahren betreibt der Freistaat ein Bibermanagement. Der bayerische Biberbestand wird derzeit auf rund 22 000 Tiere in etwa 6000 Revieren geschätzt. Ausgleichszahlungen für Schäden in der Land-, Forst- und Teichwirtschaft tragen dabei entscheidend zur Akzeptanz des Bibers bei. Das Umweltministerium hat den Entschädigungsfonds aktuell um 20 Prozent erhöht. Für Schäden aus dem Jahr 2021 stehen somit 660 000 Euro zur Verfügung. Auch im Landkreis Erding kommt der Biber flächendeckend vor. Man geht von etwa 400 Tieren aus. Die Zahl der Biberberater ist erst im Mai dieses Jahres von ursprünglich drei auf neun aufgestockt worden. Jährlich müssen etwa 70 bis 80 Tiere entnommen werden, wenn der von ihnen verursachte Schaden zu groß wird.

Sein Fleisch war essbar, sein Fell sehr begehrt: Der Biber ist in Bayern im 19. Jahrhundert von den Menschen ausgerottet worden. Über eine Wiederansiedlung in den 1960er und 1980er Jahren kehrte er zurück. Natürliche Feinde haben nur junge Biber, große Greifvögel wie Seeadler oder Uhu zählen dazu, aber auch große Raubfische wie Hecht oder Wels sowie der Fuchs. Erwachsene Tiere hätten nur Wölfe oder Luchse zu fürchten, sie spielen aber zahlenmäßig als Beutegreifer keine nennenswerte Rolle.

400 ehrenamtliche Biberberater

So konnte sich der Biber in ganz Bayern schnell wieder ausbreiten, weil es auch nicht zulässig ist, Biber generell zu bejagen oder beispielsweise den Bestand auf eine feste Obergrenze zu regulieren. Um durch Biber verursachte Konflikte und Schäden so gering wie möglich zu halten, hat das Umweltministerium vor zehn Jahren das bayerische Bibermanagement etabliert. Die Zuständigkeit liegt bei den Kreisverwaltungsbehörden, unterstützt werden sie von einer Bibermanagerin für Nord- und einem Bibermanager für Südbayern sowie rund 400 ehrenamtlichen lokalen Biberberatern.

Bislang gab es im Landkreis Erding drei Biberberater, deren Zahl im Mai dieses Jahres auf neun aufgestockt wurde. Die drei Berater waren nach Angaben des Landratsamtes "sehr stark gefordert", weil jedoch noch mehr Aufklärungsarbeit erforderlich sei, hat der Landkreis sechs weitere beschäftigt. Denn zudem sei auch der Bestand der Biber "rapide angestiegen".

Lösungsorientiert bei Konflikten handeln

Um als Biberberater tätig zu sein, muss man über Ortskenntnis verfügen, einen Führerschein der Klasse B, einen Waffen- und Jagdschein sowie über Kenntnisse im Fallenfang. Erforderlich ist auch Wissen über die Biologie des Bibers sowie der rechtlichen Grundlagen und die Fähigkeit, lösungsorientiert bei Konflikten zu handeln. Auch Einfühlungsvermögen ist gefragt.

Die Zahl von 400 Bibern im Landkreis beruht auf Schätzungen, da keine flächendeckende Biberkartierung vorliegt. Aufgrund der Meldungen über Biberkonflikte und der Schäden geht man im Landratsamt davon aus, dass der Bestand rapide gestiegen ist. 2019/2020 gab es 81 Entnahmen, 2020/2021 waren es 73 und 2021/2022 dann 74 Entnahmen. Schwerpunkte der Zugriffsmaßnahmen sind die nördlichen Gemeinden, vor allem die Gemeinde Eitting. Die entnommenen Tiere werden getötet. In den Anfangsjahren der Bestandsregulierung wurden Biber auch innerhalb Europas in geeignete Naturschutzgebiete wie das Donaudelta umgesiedelt. Diese Reservate haben die Tiere aber längst erobert, eine Fortsetzung dieses Programm gilt als unnötig.

Der Biber mag Zuckerrüben, Mais und Raps

Die gemeldeten Schäden im Landkreis Erding sind hauptsächlich landwirtschaftliche Schäden. Beim Anbau von Feldfrüchten nahe am Gewässer nutzt der Biber sie als Nahrung. Beliebt sind Getreide, Zuckerrüben, Mais und Raps sowie verschiedene Gemüsesorten. Auch Gehölze werden vom Biber als Nahrung und Baumaterial herangezogen. Der Biber fällt neben weniger interessanten Baumarten auch wertvolles Nutzholz, wie Obstbäume und Ziergehölze. Bei dichten Baumbeständen oder großen Bäumen kommt es auch vor, dass der Biber lediglich die Baumrinde abschält, was dazu führen kann, dass Bäume geschädigt werden oder absterben.

Die gefällten Bäume gefährden teilweise Straßen, Stromleitungen und Gebäude oder können Kleinkraftwerke verstopfen, wenn sie Gewässer hinuntertreiben. Biberbaue und -röhren können unter Nutzflächen wie Wegen und Äckern oder in Dämmen und Deichen zu Problemen führen, indem Fahrzeuge oder Menschen einbrechen können, wodurch Sachschäden oder ernste Verletzungen entstehen können. Dämme können brechen beziehungsweise bei erhöhtem Wasserstand durchnässte Ufer abbrechen. Auch durch gelegentlich verstopfte Durchlässe und Röhren unter Wegen und Straßen oder Zu- und Abläufe von Fischteichen kommt es zu Rückstaueffekten. In etwa 90 Prozent aller Fälle treten die Probleme im Bereich von weniger als zehn Metern vom Gewässer entfernt auf. Der Biber nutzt hauptsächlich einen schmalen Streifen entlang der Gewässer.

Im Landkreis Erding wurde 2019 eine Schadenssumme in Höhe von 7680 Euro ausgezahlt, 2020 waren es 3750 Euro und für 2021 wurden 7100 beantragt. Mitunter kommt es auch zu Konflikten zwischen Biberberatern und Tierschützern. So wurden in Dorfen immer wieder Fallen ausgelöst, die zeitweise an der Isen aufgestellt waren. Das ist jedoch selten, so das Landratsamt. Fallen werden meist dort aufgestellt, wo nicht allzu viele Menschen unterwegs sind.

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