Bevölkerungsprognose 2037 Die Alten werden immer mehr

Herkommen und für immer bleiben: Wer in den Landkreis Erding zieht, der geht nicht mehr. Die Bevölkerungsfluktuation ist geringer als anderswo. So wird aus einer der jüngsten Regionen eine ältesten

Von Antonia Steiger, Erding

Wenn irgendwann einmal alle Kindergartenkinder einen Platz gefunden haben, wenn es genügend Betreuungsplätze gibt, dann dürfen sich die Kommunen im Landkreis Erding einen Moment zurücklehnen: Diese Hausaufgabe haben sie erledigt. Prognosen des Bayerischen Landesamts für Statistik sagen aus, dass die Zahl der Kinder bis sechs Jahren im Landkreis Erding von derzeit 8700 bis zum Jahr 2037 zurückgeht auf 8400. Dem Landkreis erwächst jedoch eine neue Aufgabe: Platz zu schaffen für die älteren Menschen. Laut den Statistiken sind derzeit 32 500 von insgesamt 139 400 Menschen im Landkreis 60 Jahre und älter. Im Jahr 2037 sind es 47 500 von 153 700 Bürgern. Der Landkreis Erding wird also alt. Das kann er aber nur, weil er im Moment noch ziemlich jung ist. Der drittjüngste in der Region rund um München hinter Freising und der Stadt München.

Der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum trägt regelmäßig große Datenmengen zusammen. Zuletzt hat er Aussagen zur Entwicklung bis 2037 getroffen und nun die Entwicklungen der Jahre 2007 bis 2017 zusammengefasst. Den allerneusten Prognosen zufolge werden bis 2037 in die Region München 320 000 weitere Einwohner ziehen. Etwa die Hälfte zieht nach München, der Rest ins Umland. Ein Zehntel des Zuwachses, den München verkraften muss, muss der Landkreis Erding bewältigen: 16 800 Menschen ziehen demnach bis zum Jahr 2037 in eine der 26 Gemeinden im Landkreis Erding. In absoluten Zahlen ist das kein Spitzenwert in der Region, prozentual allerdings schon: Einen vergleichbaren Zuwachs von deutlich mehr als zehn Prozent müssen in dem gleichen Zeitraum nur die Landkreise Ebersberg, Dachau und München verkraften.

Der Ruf nach mehr Wohnungsbau ist überall laut zu hören. Doch Erdings OB Max Gotz (CSU) hat in der Vergangenheit schon mehrfach gesagt, dass die Kommunen nicht imstande sein werden, diesen Zuzug zu schultern, der auf die Region zukommt. Die aktuelle Bestandsaufnahme des Planungsverbandes Äußerer Wirtschaftsraum, die Anfang dieser Woche bekannt gemacht wurde, besagt jedoch immerhin, dass im Landkreis Erding zuletzt einiges passiert ist, und zwar mehr als anderswo. So wurden im Jahr 2017 im Landkreis Erding 1045 Wohnungen fertig gestellt, mehr waren es in den Landkreisen rund um München nur in Dachau (1092), fast genauso viel im Landkreis München (1042). Im Landkreis Starnberg hält man sich dagegen vornehm zurück: 425 Wohnungen wurden dort im Jahr 2017 fertig, auch die Zahl der Baugenehmigungen mit 656 ist ein Tiefstwert. In Erding waren es 999 Baugenehmigungen und im Landkreis Freising sogar 1069.

Prozentual zur Einwohnerzahl wurden im Landkreis Erding im Jahr 2017 ohnehin die meisten Wohnungen fertiggestellt: Es waren 7,6. Der Wert liegt für Freising bei 5,2 und für Starnberg bei 3,1. Dort möchte man am liebsten unter sich bleiben.

Die Menschen sind mobil, heute mehr denn je. Wer aber im Landkreis Erding angekommen ist, der bleibt vergleichsweise gerne: Mit einem Wert von 13,3 Prozent der Bevölkerung ist die Fluktuation im Landkreis Erding niedriger als in jedem Landkreis rund um München. Am höchsten ist sie im Landkreis München mit 17,5 Prozent, dicht gefolgt vom Landkreis Freising mit 17,2 Prozent. Die Zahlen bilden den Durchschnitt der Jahre 2007 bis 2017 ab, der Durchschnitt in der Region liegt bei 15,2 Prozent, der Durchschnitt in Bayern jedoch nur bei 13 Prozent. Der Wunsch, im Landkreis Erding bleiben zu dürfen, schlägt sich dann auch nieder in den Prognosen für 2037: Wenn alle Jungen bleiben, wird aus einem der jüngsten Landkreise im Jahr 2017 einer der ältesten im Jahr 2037: Das Durchschnittsalter steigt um gut drei Jahre. Der Anteil derjenigen, die 65 Jahre und älter sind, steigt um 66 Prozent, so stark wie in keinem anderen Landkreis.

Bürgerversammlungen nur für Senioren hat Erdings OB Max Gotz (CSU) eingeführt.

(Foto: Renate Schmidt)

Dagegen halten können die Bürger unter anderem mit mehr Geburten: Die Geburtenziffer je Frau lag im Jahr 2017 im Landkreis Erding bei 1,67 Kinder - nicht gerade ein astronomisch hoher Wert, aber ein höherer Wert als in fast allen anderen Landkreisen. Nur Fürstenfeldbruck hat gebärfreudigere Frauen (1,72). In Dachau und im Landkreis München liegt dieser Wert bei 1,56, in Ebersberg und Freising bei 1,58.