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Bericht zur Kindertagesbetreuung:Immer mehr Kinder werden betreut

Inklusives Kinderhaus in Taufkirchen/Vils

Zum 1. März 2020 waren 6203 Kinder zumindest stundenweise in Tagesbetreuungseinrichtungen im Landkreis.

(Foto: Stephan Görlich)

Die Zahl der unter Dreijährigen in Tageseinrichtungen hat sich seit 2007 verdreifacht. Nahezu jedes Kind - 92,6 Prozent - ist am Tag zumindest ein paar Stunden in einer Kita. Die Kommunen haben immer mehr Probleme geeignetes Personal zu finden

Von Gerhard Wilhelm, Erding

Im Landkreis Erding werden immer mehr Kinder in Tageseinrichtungen betreut. Seit 2007 stieg die Zahl von 4804 auf 6203, also um rund 50 Prozent. Die Zahl des betreuenden Personals wuchs im gleichen Zeitraum aber nur um rund 30 Prozent. Eine der Ursachen: Qualifizierte Erzieherinnen - Frauen stellen die absolute Mehrheit - sind in einem umkämpften Markt schwer zu bekommen. Vor allem Kinder unter drei Jahren werden immer häufiger von den Eltern in Kitas gegeben. 1024 waren es in diesem Jahr. Damit hat sich die Zahl verdreifacht, wie Petra Aschenbrenner, die Sozialplanerin am Landratsamt jüngst im Jugendhilfeausschuss des Kreistags in ihrem Bericht zur Kindertagesbetreuung im Landkreis vorstellte.

38 Folien umfasste der Bericht, und so manche Zahl überraschte. Zwar obliegt die Planungsverantwortung bei den Kommunen, sie stellen sicher, dass Plätze in den Kindertageseinrichtungen und in der Kindertagespflege zur Verfügung stehen, nachdem sie regelmäßig den Bedarf ermitteln. Die Gesamtverantwortung liegt aber beim Landkreis, sagte Aschenbrenner. Wobei es sehr schwer sei, für den zukünftigen Bedarf eine Prognose abzugeben, da man zwar wisse, wie die Geburtenzahlen aussehen, aber nicht, ob und wohin Eltern ihre Kinder geben würde. Dazu kämen Unwägbarkeiten bei den Zuzügen oder in der Arbeitswelt, wie man jetzt durch die Corona-Pandemie sehe. Eine "vorsichtige Vorausberechnung" auf Basis der Vorausberechnung des Bayerischen Landesamts für Statistik zeige aber, dass sich die Zahl der Kinder in Kitas bis 2035 bei jährlich rund 6450 einpendeln werde. Zum 1. März 2020 lag sie bei 6203.

Enorm gestiegen ist auch die Zahl der Kinder unter drei Jahren, die in Kindertageseinrichtungen sind. 2007 wurden nur 2,5 Prozent der Kinder in der Altersgruppe ganztägig betreut, zum Stichtag 1. März 2020 sind es vier Mal so viele gewesen: zehn Prozent. Die allgemeine Betreuungsquote stieg im gleichen Zeitraum von 8,3 auf 24,1 Prozent, in Zahlen: von 325 auf 1014. Jedes vierte Kind unter drei Jahren ist somit eine Zeitlang am Tag in einer Kita. Vor allem bei den Kindern von zwei bis drei Jahren ist ein Anstieg zu sehen, wie Aschenbrenner erläuterte. Dort ist mittlerweile fast jedes zweite Kind in einer Betreuungseinrichtung. Der Trend setzt sich bei Kindern von drei bis unter sechs Jahren fort - vor allem bei der ganztägigen Betreuung. 2007 waren es 11,9 Prozent, in diesem Jahr schon 31 Prozent. Nahezu jedes Kind - 92,6 Prozent - ist am Tag zumindest eine paar Stunden in einer Kita. Damit liegt der Landkreis in etwa auf dem bayernweiten Niveau (92,3 Prozent). Zum Vergleich: im Landkreis Ebersberg sind es 92,9, in Freising sind es 91,9 Prozent.

Rückläufig ist dafür aufgrund des Ausbaus der Ganztagsschulen die Zahl der betreuten Schulkinder seit 2015. Das kostenfreie Angebot der Ganztagsschulen werde von Eltern gerne angenommen, sagte die Sozialplanerin. Im Schuljahr 2007/2008 hatte es im Landkreis an den Grund- und Mittelschulen nur zwei offene Ganztagsgruppen und vier gebundene gegeben, im aktuellen Schuljahr schon 75 offene und 42 gebundene. Die Nachteile seien laut Aschenbrenner, dass es keine verlässliche Betreuung in der umfangreichen Ferienzeit gebe und die Gefahr der Unterversorgung an Freitag Nachmittagen bestehe. Auch an den Landkreis-Schulen (Gymnasien, Realschulen, Förderzentren) stieg die Zahl der Schüler in den offenen Ganztagsklassen: in den vergangenen sieben Jahren um die Hälfte.

Das pädagogische und Verwaltungspersonal in Tageseinrichtungen wurde zwar ebenfalls mehr, wie die Sozialplanerin mitteilte (von 706 im Jahr 2011 auf 1125 heuer), aber immer mehr Gemeinden würden von Problemen bei der Personalgewinnung berichten. Entgegengesetzt verläuft die Zahl der Auszubildenden: Während sich immer mehr zum Kinderpfleger qualifizieren, ist die Zahl der angehenden Erzieher rückläufig.

Eine Prognose, wie sich die Zahlen weiter entwickeln könnten, wollte Petra Aschenbrenner nicht aktuell abgeben, aber in den Befragungen durch die Kommunen habe sich gezeigt, dass es eine verstärkte Nachfrage nach Krippenplätze gebe und nach längeren Öffnungszeiten, beziehungsweise flexibleren Buchungszeiten. Es gebe auch einen steigenden Bedarf an Integrationsplätzen und an Heilpädagogischen Plätzen in spezialisierten Einrichtungen. Stark zugenommen habe zudem das Interesse an einer Ferienbetreuung der Kinder.

© SZ vom 20.11.2020

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