Süddeutsche Zeitung

Bayerns Best 50:Von Taufkirchen an die Ostsee

Die Spedition Fürmetz ist eines der größten inhabergeführten Transportunternehmen Süddeutschlands. Es ist mit seinen Kunden gewachsen und beschäftigt heute mehr als 200 Lastwagenfahrer

Von Nils Westerhaus, Taufkirchen

Beständigkeit, kontinuierliches Wachstum und die wachsame Beobachtung des Marktes haben dem Taufkirchener Unternehmen Fürmetz nicht nur einen Preis beschert, sondern schüren auch positive Erwartungen an die Zukunft. Die Unternehmen, die das bayerische Wirtschaftsministerium zu den "Best 50 Bayerns" kürt, müssen vom Inhaber geführt sein und nachhaltiges Wachstum aufweisen. Ansprüche, die das Wirtschaftsministerium bei der Spedition zu erkennen schien, als es das Unternehmen zunächst um die Teilnahme bat und die daraufhin eingesandten Unternehmenszahlen und Bilanzen mit der Einladung in das Schloss Schleißheim und der dortigen Verleihung des bayerischen Löwen - Symbol des Preises - bedachte.

"Unter den Preisträgern haben wir Weltmarktführer, Hidden Champions, hoch innovative Dienstleister, auf allen Vertriebskanälen erfolgreiche Händler, High-Tech-Unternehmen aus der Industrie genau so wie aus dem Handwerk. Eines jedoch ist ihnen gemein: Sie sorgen bayernweit für zukunftsfähige Arbeits- und Ausbildungsplätze und tragen damit entscheiden zu unserem Wohlstand bei", sagte Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger bei der Preisverleihung.

194 Lastkraftfahrzeuge zählt der Hauptgeschäftsführer Anton Fürmetz junior zu seiner Flotte. Noch vor zehn Jahren waren es lediglich 28 Laster. Ein großer Sprung, der sich nicht etwa durch große Übernahmen oder Investitionen ergeben habe, sondern viel mehr durch die gestiegenen Anfragen der Kunden entstanden sei. "Wir sind mit unseren Kunden gewachsen", sagt Anton Fürmetz junior, für den Größe aber keine Maxime ist. "Für mich ist Wachstum nicht alles. Wichtig ist, dass das Unternehmen gesund ist. Ob das mit zwanzig oder fünfzig Mitarbeitern geschieht, ist mir erst mal egal." Und trotzdem: Etliche Kunden aus der Baubranche, aus der ein Hauptanteil der rund 500 Kunden kommt, hätten in den vergangenen zehn Jahren Übernahmen durchgeführt, seien so gewachsen und deshalb auf ihn zugegangen: "Fürmetz, wir brauchen mehr Transporte, bist du bereit? Und ich war bereit. Und so sind wir eben mit unseren Kunden gewachsen."

Neben den Umsatzzahlen wächst auch die Zahl der Mitarbeiter. 205 Lkw-Fahrer sind mittlerweile für die Spedition unterwegs, wovon 30 in einer Zweigstelle in Nürnberg angestellt sind. Eine hohe Zahl, wenn man berücksichtigt, dass es in der Speditionsbranche als nicht so einfach gilt, überhaupt Lkw-Fahrer zu finden. Für Fürmetz sind professionelles Marketing, eine gute Außendarstellung und der Besuch von Ausbildungsmessen eine Garantie dafür, gutes Personal akquirieren zu können. Die restlichen Mitarbeiter sind entweder als Mechaniker in der hauseigenen Werkstatt, in der Disposition oder kaufmännisch im Büro angestellt.

Der Speditionsmarkt ist umkämpft. "Die ausländischen Mitbewerber drücken den Preis", sagt Fürmetz. Deswegen konzentriert er sich auf inländische Fahrten, die 85 Prozent ausmachten. "Da fahren wir bis an die Ostsee und nach Hamburg", sagt Fürmetz. Ausländische Fahrten gingen überwiegend nach Österreich und Italien. So befinden sich in Modena und Bologna Fliesenhersteller, die schon seit 20 Jahren zu Fürmetz Kunden zählen. Besonderes Merkmal der Spedition sind aber die hundert Kran-Lkw, die den auftraggebenden Bauunternehmen Zeit und Aufwand sparten, weil es nur einen Arbeiter brauche, der die Transportgüter mit Hilfe des Krans vom Lkw ablade.

Das Unternehmen zeichnet eine große Familientradition aus. 1948 vom Großvater gegründet mit einem Lkw, den seine Frau mit in die Ehe brachte, habe sich der Bestand über dessen Sohn Anton Fürmetz senior sukzessive erweitert. Der heute 69- Jährige ist noch im Unternehmen aktiv und berät seine beiden Söhne. Anton Junior leitet das Unternehmen seit zwölf Jahren hauptgeschäftlich und ist davor selbst Lkw für das Unternehmen gefahren. Dass sein jüngerer Bruder Michael Fürmetz einmal in die Firma eintreten würde, war nicht immer abzusehen. "Und der hat auch heute nicht wirklich Ahnung von Volvo und Scania", sagt Anton Fürmetz. Aber als sein Bruder Michael gesehen habe, wie kontinuierlich das Unternehmen wachse, habe er seine Stelle in einer Münchner Bank aufgegeben und sei seitdem für Controlling und Marketing im Familienunternehmen zuständig. "Das Größte, was mir in meinem Arbeitsleben passiert ist", so glücklich schätzt sich Anton Junior über die Zusammenarbeit mit seinem Bruder. Zur Erweiterung des Unternehmens besteht ein Plan, der baurechtlich aber noch nicht abgesichert ist - und auch auf die nächste Ehrung der "Best 50 Bayerns" schielen die Taufkirchener.

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Quelle:
SZ vom 27.07.2019
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