FSME-Infektion:Erhöhtes Zeckenrisiko durch die Pandemie

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Zecke

Viele Zeckenarten sind bedeutende Krankheitsüberträger.

(Foto: dpa)

Fast alle Landkreise in Bayern sind Risikogebiete für Zeckenbisse. Es gäbe eine Impfung gegen die von ihnen übertragene Krankheit. Doch immer weniger Menschen schützen sich.

Von Gerhard Wilhelm

Auch wenn man bei dem aktuellen Aprilwetter im Mai in der Regel wenig Lust verspürt, sich länger im Freien aufzuhalten, steigt spätestens mit jedem wärmeren Tag die Gefahr von Zeckenbissen. Ab etwa acht Grad werden die Tiere nämlich schon aktiv und können bei einem Biss die gefährliche Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) oder Borreliose übertragen. Im Gegensatz zur Borreliose, die mit Antibiotika behandelbar ist, kann man sich gegen FSME impfen lassen. Die Krankenkassen schlagen aber jetzt Alarm: Zum einen würden sich die Menschen in der Corona-Pandemie mehr im Grünen aufhalten und zum anderen gebe es eine "Impfmüdigkeit" bei den bei den 25- bis 44-Jährigen. Auch das Erdinger Gesundheitsamt stellt dies fest.

Bayern gehört neben Baden-Württemberg zu den Bundesländern mit einem erhöhten Risiko für eine FSME-Infektion. Vom Robert-Koch-Institut sind mittlerweile fast alle bayerischen Landkreise und kreisfreien Städte als FSME-Risikogebiet eingestuft. Der Landkreis Erding ist schon seit 2007 mit dabei. Die Zahl der jährlichen Fälle von Borreliose-Erkrankungen sind dabei stark schwankend: Wie das Landratsamt mitteilt, wurden im Jahr 2016 lediglich 27 Fälle im Landkreis gemeldet. 2018 stieg die Zahl auf 47, im Jahr 2019 waren es 33 Fälle und im vergangenen Jahr 66 - heuer sind es bisher fünf. Wohl auch dem Wetter geschuldet. Nur vereinzelt treten indes Fälle von FSME im Landkreis auf. 2017 gab es drei Fälle, 2018 einen, im Jahr 2019 ebenfalls einen Fall und 2020 zwei. In diesem Jahr ist dem Gesundheitsamt Erding bislang eine FSME-Erkrankung im Landkreis gemeldet worden. In ganz Bayern bislang drei - im Vorjahr waren es fünf.

"Es ist bekannt, dass das Risiko, an FSME zu erkranken, mit dem Aufenthalt im Freien korreliert", teilt das Gesundheitsamt Erding mit. 2020 seien so viele FSME-Fälle in Bayern gemeldet wie noch nie seit Beginn der Meldepflicht. Es sei davon auszugehen, dass sich aufgrund der ausgeprägten Schönwetterperioden die Menschen vermehrt im Freien aufgehalten haben und damit einer höheren Gefahr an Zeckenstichen ausgesetzt waren. Wie die Corona-Pandemie das Freizeitverhalten der Menschen im Landkreis beeinflusst habe, sei dem Gesundheitsamt aber nicht bekannt, wie es schreibt. "Allerdings erscheint es durchaus vorstellbar, dass sich die Menschen im letzten Jahr unter anderem wegen der Corona-Maßnahmen mehr im Freien aufgehalten haben."

Eine Impfung wird vor allem denjenigen empfohlen, die sich viel in Wäldern, Wiesen, Gewässernähe, Parks und Gärten aufhalten - was 2020 und 2021 durchaus öfters der Fall sein könnte, da während der Corona-Pandemie viele in Deutschland zum Beispiel Urlaub machen oder Wochenenden mit Ausflügen verbringen. Wer sich gegen Covid-19 impfen lassen möchte, sollte laut RKI aber mindestens 14 Tage vorher keine andere Impfung wie zum Beispiel gegen FSME erhalten haben.

Entwarnung gibt es vom Amt was die Hyalomma-Zecke betrifft, die bislang vor allem in Nordafrika, Südeuropa und dem Nahen Osten vorkommt und 2018 erstmals in Deutschland gesichtet wurde und 2019 erneut gefunden wurde. Eingeschleppt wird sie wohl von Zugvögeln laut Gesundheitsamt. Erkennbar ist die Hyalomma-Zecke durch ihre auffällige Größe. Viele Exemplare können bis zu zwei Zentimeter groß werden. Außerdem haben die Zecken hell gestreifte Beine.

Ob eine Ansiedlung in Deutschland möglich ist, muss laut Amt noch weiter untersucht werden. "H. marginatum", so der lateinische Name der Zecke, könne Krankheitserreger übertragen wie das Krim-Kongo-hämorrhagisches-Fieber-Virus oder Rickettsia aeschlimannii, einen fieberhaften Infekt mit Kopf- und Muskelschmerzen und extremen Gelenkschmerzen. Die Hyalomma-Zecke gehört zudem zu den sogenannten "Jagdzecken": Sie hat gute Augen, sie ist schnell und verfolgt ihre Opfer über mehrere Hundert Meter hinweg. Sie befällt vor allem größere einheimische Säugetiere wie Pferde oder Rinder, und eben auch Menschen.

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