Bayerisches Rotes Kreuz in Erding:Politprofi oder Ehrenamtlicher

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Zweiter BRK-Shop im Landkreis eröffnet

Taufkirchen (Vils) -  Seit 2014 betreibt das Rote Kreuz in Erding einen Shop. Jetzt kam ein zweiter in Taufkirchen (Vils) dazu. Seit der feierlichen Eröffnung kommen viele Kunden.

Profis: OB Max Gotz (r.) will Bürgermeister Franz Hofstetter als Nachfolger. Hier zusammen mit Geschäftsführerin Gisela van der Heijden (2.v.li.) und Shop-Managerin Brigitte Götz bei der Eröffnung des Taufkirchener BRK-Kleiderladens.

(Foto: OH)

Wahl des BRK-Chefs wird zur Grundsatzfrage: Soll ein Kommunalpolitiker oder einer aus den eigenen Reihen an die Spitze?

Von Florian Tempel, Erding

In zwei Wochen wählt der Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuz' (BRK) einen neuen Vorsitzenden. Jedes der mehr als 10 000 Mitglieder im Landkreis Erding ist stimmberechtigt. Doch wenn zur Versammlung am 7. April nach Lengdorf 200 Rot Kreuz-Mitglieder kommen, wäre das schon viel. Es werden also relativ wenige entscheiden, wer Nachfolger des Erdinger Oberbürgermeisters Max Gotz (CSU) als BRK-Kreisvorsitzender wird: Der Taufkirchener Bürgermeister Franz Hofstetter (CSU) oder Siegfried Ippisch, bis vor kurzem Vorsitzender der Wasserwacht Erding - ein Politprofi oder ein Ehrenamtlicher aus den eigenen Reihen.

Die BRK-Kreisverbände in Bayern wurden lange Zeit traditionell von hochrangigen Kommunalpolitikern geführt. In Erding war das nicht anders. Als Gotz 2009 zum ersten Mal Kreisvorsitzender wurde, geschah das nicht so sehr, weil er seit einem Jahr Bürgermeister war, sondern weil er stellvertretender Landrat war. Gotz folgte als BRK-Kreisvorsitzender auf den ehemaligen Landrat Xaver Bauer (CSU), der seinerseits das Amt von seinem Vorgänger als Landrat, Hans Zehetmair (CSU), übernommen hatte. Vor diesem stand dessen Landratsvorgänger, Simon Weinhuber (Bayernpartei), an der Spitze des Roten Kreuzes im Landkreis. Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) konnte nicht BRK-Kreisvorsitzender werden, weil er Vorsitzender des Rettungszweckverbands wurde. Man kann nur eines der Ämtern haben, auf keinen Fall aber beide gleichzeitig. Da das BRK professionell im Rettungsdienstgeschäft ist, besteht ein möglicher Interessenskonflikt.

Gotz hat nach acht Jahren als Kreisvorsitzender - ein Wahlperiode dauert erstaunlich lange vier Jahre - nun den 62-jährigen Hofstetter vorgeschlagen. Mit ihm soll die Tradition eines herausragenden Kommunalpolitiker an der Spitze des Roten Kreuzes offensichtlich fortgeführt werden sollte. Hochrangiger geht es kaum. Hofstetter ist nicht nur Bürgermeister der drittgrößten Kommune im Landkreis, sondern auch Bezirks- und Kreisrat. Zudem ist er als sozial engagierter Politiker bekannt. Und er hat in seiner Gemeinde mit dem größten aktuellen BRK-Projekt zu tun: Dem Bau einer neuen Rettungswache.

Der 44 Jahre alte Ippisch ist kein unpolitischer Mensch, aber eben nur einfacher Stadtrat, für die CSU in Erding. Im Hauptberuf ist er organisatorischer Leiter der Taskforce Infektionsschutz am Flughafen München, früher hat er am Landratsamt Erding gearbeitet. Ippisch ist vor allem aber seit mehr als 30 Jahren aktives Mitglied im Roten Kreuz und war 16 Jahre Vorsitzender der Wasserwacht Erding.

Während die einen weiterhin der Auffassung sind, ein profilierter Kommunalpolitiker sei erste Wahl für den Kreisvorsitz beim BRK, sehen andere diese Tradition als überkommen an. Die Zeiten haben sich tatsächlich geändert: Seit einigen Jahren haben die hauptamtlichen Geschäftsführer - in Erding ist das seit 2012 Gisela van der Heijden - mehr Kompetenzen als in früheren Jahren. Das Argument der Ippisch-Befürworter lautet: man sollte nun wieder die Ehrenamtlichen stärken, indem einer aus ihren Reihen Kreisvorsitzender wird. Zudem gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Kritik von Ehrenamtlichen an Geschäftsführerin van der Heijden. Auch Ippisch kritisierte sie mehrmals, was dem Vorsitzenden Gotz gar nicht gut gefiel. Er stellt sich stets hinter sie, da sie den Verband aus einer massiven Verschuldung geführt hat.

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