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Baupläne:Sportpark nimmt weitere Hürde

Für den TSV Dorfen wird es eng in der Stadt. Wie der ESC und der Tennisclub will man deswegen nach Rutzmoos in einen neuen Sportpark umsiedeln.

(Foto: Renate Schmidt)

Strukturausschuss empfiehlt dem Kreistag, den Dorfener Plänen zuzustimmen: Die Stadt will ihre Sportstätten nach Rutzmoos verlagern und benötigt einen Teil des Landschaftsschutzgebietes

Von Thomas Daller und Florian Tempel, Erding/Dorfen

Kurz vor der Kommunalwahl hat die Stadt Dorfen einen wichtigen Erfolg erzielt: Der Strukturausschuss hat sich mit dem Gebiet Rutzmoos befasst, das auf Antrag der Stadt aus dem Landschaftsschutzgebiet Isental genommen werden soll. Dort soll ein großer Sportpark mit Fußballplätzen, einer neuen Eishalle, Tennisplätzen und einem neuen Freibad entstehen. Der Kreistag hatte diesen Antrag bereits 2017 gebilligt, unter der Bedingung, dass die Bauleitplanung ökologisch ausgeprägt sein müsse und der Landkreis über den "Bedingungseintritt" auf dem Laufen gehalten werden soll. Der Strukturausschuss hat dem Kreistag nun einstimmig empfohlen, dieser Herausnahme zuzustimmen, wenn die genehmigungsfähige Bauleitplanung vorliege. Dabei soll eine ökologische Ausrichtung beachtet werden.

Das Ergebnis ist aufgrund der Vorgeschichte wenig überraschend: Bei der Ausweisung als Landschaftsschutzgebiet hat seinerzeit die Trasse Dorfen der Autobahn A 94 eine maßgebliche Rolle gespielt. Laut dem Vorlagebericht gibt es dort weder ein gesetzlich geschütztes noch ein von der Unteren Naturschutzbehörde kartiertes Biotop. Außerdem legte Dorfens Bürgermeister Heinz Grundner (CSU) kurzfristig einen neuen Planungsumgriff vor, der gegenüber der bisherigen Fläche etwa 45 Prozent kleiner ist.

In Dorfen ist man sich freilich gar nicht hundertprozentig sicher, ob die geplante Verlagerung der Sport- und Freizeitflächen nach Rutzmoos wirklich sinnvoll ist. Die Grün-Alternative Liste (GAL) hat beantragt, "im Rahmen der kommunalen Sportentwicklungsplanung alternative Standorte ergebnisoffen zu prüfen". Die GAL will das Schwimmbad lieber in der Stadt erhalten. Auch die Dorfener SPD sieht insbesondere einen Neubau des Freibads bei Rutzmoos wegen der bereits bekannten Grundwasserproblematik kritisch. Die SPD wünscht zudem den Bau eines kleinen Hallenbads. Bürgermeister Grundner bekräftigte hingegen im Stadtrat, es sei "nicht zielführend" die Idee eines umfassenden Sportparks aufzugeben. Eine "Zentralisierung" am Stadtrand sei von Vorteil, weil man so Parkplätze sparen und eine zentrale Sportgastronomie schaffen könne. Zudem ist die Verwertung der dann frei werdenden Innenstadtflächen für Wohnbebauung ein wesentlicher Punkt bei der Finanzierung der neuen Sportflächen und Freizeiteinrichtungen am Stadtrand.

Im Strukturausschuss monierte Petra Bauernfeind (FW), dass laut der ursprünglichen Planung nur ein paar Fußballplätze in Rutzmoos entstehen sollten. Nun seien dort auch eine neue Eishalle, ein Schwimmbad, Tennisplätze, ein gemeinsames Vereinsheim und Parkplätze geplant. Nicht zuletzt solle auch noch das Volksfest künftig in Rutzmoos gefeiert werden. Das sei eine "massive Beanspruchung" mit einer "problematisch versiegelten Fläche".

Grundner erläuterte, die Vereine TSV, TC und ESC würden sich diese Verlagerung wünschen, weil an ihren alten Standorten die Wohnbebauung herangerückt sei und es Probleme mit dem Lärm gebe. Auch der Stadtrat habe 2018 diese Gesamtauslagerung nach Rutzmoos beschlossen, weil man hier eine Größenordnung herstellen könne, die auch für die Zukunft ausreichen sollte. Außerdem habe die Stadt keine nennenswerten Alternativen: "Aufgrund unserer bisherigen Standortanalysen würden andere Standorte auch in Landschaftsschutzgebieten liegen."

Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) wies darauf hin, dass die Stadt Dorfen ihre Hausaufgaben gemacht habe: Sie habe dem Wunsch des Kreistags nach Konkretisierung der Fläche entsprochen und somit dem Umgriff um etwa 45 Prozent reduziert. Deswegen werde auch nur diese Fläche aus dem Landschaftsschutzgebiet entnommen, denn eine Flächenbevorratung sei dabei nicht erlaubt.

Der stellvertretende Landrat Jakob Schwimmer (CSU) betonte, er kenne diese Fläche, sie sei seinerzeit nur wegen der A 94 zum Landschaftsschutzgebiet erklärt worden. In Wirklichkeit handele es sich aber nur um ein "stinkordinäres Maisanbaugebiet".

© SZ vom 10.03.2020
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