Baugenossenschaft Erding Neuer Vorstand gefunden

Holger Bleh war bis zum Oktober 2018 Prokurist bei der Volksbank-Raiffeisenbank Freising. Er löst die frühere VHS-Leiterin Gertrud Scheffelmann ab, die nur interimsweise eingesprungen war

Von Gerhard Wilhelm, Erding

Die Baugenossenschaft Erding hat einen neuen Vorstand. Für Gertrud Maria Scheffelmann ist seit dem 1. März Holger Bleh im Vorstand. Bleh war bis zum Oktober 2018 Prokurist bei der Volksbank-Raiffeisenbank Freising. Dort war Bleh aus privaten Gründen ausgeschieden, wie die Aufsichtsratsvorsitzende Eva Kolenda mitteilt. "Nachdem Frau Scheffelmann immer nur als Zwischenlösung gesehen wurde, sind wir jetzt froh, jemanden gefunden zu haben, der sich in der Branche auskennt", sagt Kolenda. Bleh hatte sich auf eine Stellenanzeige der Genossenschaft im Verband der Wohnungswirtschaft (VDW) beworben.

Doch noch ist Holger Bleh nicht im Genossenschaftsregister eingetragen. Wie beim Übergang von Ex-Vorstandsmitglied Sonja Kienle auf Scheffelmann muss die Genossenschaft erneut mit Problemen kämpfen. Auf Anfrage der Erdinger SZ teilte das zuständige Registergericht, das Amtsgericht München, mit, dass Bleh zwar zur Eintragung in das Genossenschaftsregister angemeldet sei, diese aber noch nicht habe erfolgen können, "da in der Anmeldung Mängel vorlagen, welche mittels Zwischenverfügung gerügt wurden". Kolenda sagte dazu: "Der fehlenden Anhang wird unverzüglich von unserer Notarin dem Gericht übersendet, dann müsste alles seine Richtigkeit haben."

Die Baugenossenschaft Erding, die am 3. März 1922 als gemeinnützige Baugenossenschaft gegründet worden war, hat ein turbulentes Jahr hinter sich. Nicht als Bauträger, Betreuer und Vermieter von rund 370 Wohn- und Gewerbeeinheiten mit etwa 1200 Wohnungen in der Stadt Erding, sondern wegen der Personalfrage in der Geschäftsleitung. Damit verbunden waren unterschiedliche Meinungen über die zukünftige Ausrichtung der Baugenossenschaft. Die Aufsichtsratsvorsitzende Kolenda, die seit Langem auch dem Erdinger Mieterverein vorsteht, hatte angesichts der Misere auf dem Mietwohnungsmarkt den Bau von mehr Wohnungen im Baugebiet Südlicher Thermengarten in Erding angestrebt, auch notfalls mit Krediten. Der Vorstand hatte jedoch entschieden, aus wirtschaftlichen Gründen statt der geplanten 60 nur 16 Wohnungen neu zu bauen. Die Dissonanz zwischen Aufsichtsrat und Vorstand führte bei der Hauptversammlung der Genossenschaft im Juni 2018 zu einem verbalen Schlagabtausch zwischen der Aufsichtsratsvorsitzenden und dem damaligen Vorstandsmitglied Sonja Kienle. Kienles Vertrag lief Ende Juni aus, sie hatte einen Drei-Jahres-Vertrag gefordert, der Aufsichtsrat wollte ihn aber nur für ein Jahr verlängern.

Auch nach Workshops zur "Verbesserung der Zusammenarbeit" zwischen Aufsichtsrat und Vorstand, mit Experten des Verbandes der Wohnungswirtschaft VDW, waren die fünf Aufsichtsratsmitglieder mit der Kommunikation nicht zufrieden. Den ihr angebotenen Jahresvertrag akzeptierte Kienle nicht und kündigte. Auch spätere Gespräche konnten den Konflikt nicht beenden. Bis zur längerfristigen Neubesetzung wurde Gertrud Scheffelmann, die frühere VHS-Geschäftsführerin, als Interims-Vorstand bestellt, um für die erforderlichen zweiten Unterschriften zu sorgen. Nach dem Eintrag von Bleh ins Register kann Scheffelmann zurück in den Aufsichtsrat der Genossenschaft wechseln, sobald sie offiziell entlastet ist und wenn sie von der Mitgliederversammlung wieder gewählt wird.

Bereits im Oktober hatte die Stadt Erding auf einen Sitz im Aufsichtsrat der Baugenossenschaft verzichtet, wie ihn die Stadtratsfraktion Erding Jetzt gefordert hatte. Im Stadtrat gab und gibt es unterschiedliche Meinung darüber, in welchem Umfang sich die Baugenossenschaft im Wohnungsbau engagieren soll. Derzeit plant die Genossenschaft im Südlichen Thermengarten weiterhin die Errichtung von 16 Wohneinheiten. Der Bauantrag ist bei der Großen Kreisstadt aber noch nicht eingereicht, wie Günther Pech von der Pressestelle der Stadt mitteilt.