Nördlich des Ortsteils Flaring möchte die Gemeinde Taufkirchen neues Bauland schaffen. Dafür kaufte sie bereits 2021 eine knapp fünf Hektar große landwirtschaftliche Fläche. Doch das Vorhaben ist hoch umstritten. Flaringer Landwirte fürchten um den Fortbestand ihrer Höfe, weil sie durch neue Wohnbebauung Klagen wegen der Emissionen ihrer Ställe erwarten. Mit einem Bürgerbegehren setzten sie sich gegen die Pläne der Gemeinde durch. Nun entscheiden die Bürgerinnen und Bürger am Sonntag, 19. April, über die Zukunft des Projekts. Wird der Bebauungsplan abgelehnt, muss das Verfahren eingestellt werden. Die Gemeinde hat bereits angekündigt, in diesem Fall ihre Baulandpolitik restriktiver zu gestalten – mit Folgen vor allem für 247 gelistete Interessenten, darunter viele junge Familien.
Ursprünglich sollten auf dem Areal 138 Wohneinheiten entstehen. Die beiden Flaringer Landwirte Thomas Hupfer und Christian Lohner organisierten daraufhin Widerstand gegen das Vorhaben. In mehreren Schritten reduzierte die Gemeinde die Planungen: zunächst auf rund hundert Wohneinheiten und schließlich – im Zuge eines Ratsbegehrens – auf 34 Doppel-, Reihen- und Einfamilienhäuser auf einer Fläche von 2,75 Hektar. Dieser Kompromissvorschlag steht ebenfalls beim Bürgerentscheid zur Abstimmung.
In der vergangenen Gemeinderatssitzung suchte die Gemeinde den Dialog: Landwirt Thomas Hupfer erhielt die Möglichkeit, seine Position darzulegen, zugleich warben Bürgermeister und Gemeinderäte für den von ihnen vorgeschlagenen Kompromiss. Hupfer ließ seine Präsentation von Michael Hamburger vortragen, dem oberbayerischen Bezirksvorsitzenden des bäuerlichen Arbeitskreises Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.
Hamburger kritisierte, das Baugebiet liege im Einflussbereich eines hundertjährlichem und sogar eines extremen Hochwassers: „Wiederkehrende Überflutungen sind reale Schadensereignisse.“ Außerdem befinde sich das Areal nur rund 200 Meter von einem Trinkwasserschutzgebiet entfernt. Durch zusätzlichen Verkehr drohten zudem mehr Lärm und Nutzungskonflikte, der dörfliche Charakter könne verloren gehen. „Alternativen sind kaum geprüft worden, wesentliche Risiken nicht vollständig geklärt. Es besteht ein potenzielles Haftungsrisiko“, sagte Hamburger.
Bürgermeister Stefan Haberl (CSU) entgegnete, an der Entwicklung der Pläne seien mehr als 40 Fachbehörden beteiligt gewesen. Dabei seien auch die Hochwasser- und Starkregengefahren umfassend geprüft worden. „Es gab keine grundsätzlichen Einwände“, sagte Haberl. Auch die Nähe zum Trinkwasserschutzgebiet sei vom Wasserwirtschaftsamt untersucht worden. Diese sei demnach „zulässig und nicht unüblich“. Zudem habe die Gemeinde die ursprüngliche Planung deutlich überarbeitet und das Baugebiet auf 2,75 Hektar reduziert.
„Wollen wir jungen Menschen ermöglichen zu bleiben?“, fragt der Bürgermeister
Haberl bezeichnete das Ratsbegehren als eine grundlegende Entscheidung für die Gemeinde: „Wollen wir jungen Menschen ermöglichen, hier in Taufkirchen zu bleiben, oder sehen wir zu, wie diese Perspektive zunehmend verloren geht?“, fragte der Bürgermeister. Er habe Verständnis für die Anliegen der Landwirtschaft, sagte Haberl. Aber als Gesellschaft profitiere man davon, wenn junge Familien bleiben könnten. Landwirt Thomas Hupfer hatte in der Presse betont, das geplante Baugebiet sei ihm insgesamt zu groß. Einige Bauflächen für Einheimische halte aber auch er für vertretbar. Auf dieses Kompromissangebot zielt nun das Ratsbegehren der Gemeinde ab.
Auch der stellvertretende Bürgermeister Manfred Slawny (SPD) betonte den Kompromisscharakter des Ratsbegehrens: Er räumte ein, dass die ursprünglichen Planungen überdimensioniert gewesen seien. „Aber wir haben sie verkleinert, verträglich gemacht. Und die Bauwünsche sind immer noch da, aber die Gemeinde Taufkirchen hat nichts vorzuweisen.“
Slawny warnte zudem vor der Signalwirkung des Bürgerentscheids. Ein knappes Ergebnis oder gar eine Ablehnung mit Einstellung des Verfahrens werde die Gemeinde in den kommenden Jahren prägen, sagte er. Der Kauf des Gebiets in Flaring habe sich ursprünglich durch den Verkauf der Baugrundstücke zumindest refinanzieren sollen. Sollte dies nicht gelingen, werde sich die Gemeinde künftig deutlich restriktiver verhalten, was ihre Baulandpolitik angehe.

