Ein gelungenes Spektakel war am Sonntag die Bauernhochzeit anno 1824 in Erding. Bei strahlendem Sonnenschein erwies sich die traditionell seit 1950 etwa alle zehn Jahre von der Jungbauernschaft Altenerding organisierte Vermählung eines Großbauern - dieses Mal vom "Egglmoar Done von Semptbrugg" alias Georg Bichlmaier mit der "Humpe Trixie aus Niedermoos" (Sophia Wurzer) - als Publikumsmagnet. Geschätzt 3000 Zuschauer und Zuschauerinnen ließen das Brautpaar hochleben.
Beim von der Blaskapelle angeführten Festzug zweimal rund um die Altenerdinger Pfarrkirche Mariä Verkündigung zum Hofmarkplatz standen die Zuschauer dicht gedrängt, um einen Blick auf die prächtigen Rösser, Kutschen, Ochsengespanne, auf die "Hochzeitsgäste" in historischen Gewändern, Fahnenschwenker und Vertreter der Altenerdinger Feuerwehr in ihren alten Uniformen mit in der Sonne glänzenden Helmen und der alten Standarte von 1900 zu bestaunen und eifrig mit gezückten Smartphones zu fotografieren.

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Die Vermählung vom "Done" und der "Trixie" ging am Dorfplatz neben dem Maibaum über die Bühne. Der schlagfertige niederbayerische Hochzeitslader "Erdäpfekraut" sorgte im Wechselspiel mit der Blaskapelle mit humorigen Gstanzln beim "Aussinga" für Amüsement. Nach weniger als zwei Stunden und den Tanzeinlagen der Jungbauernschaft war die öffentliche Bauernhochzeit vorbei. Der Hochzeitstross zog weiter zum "Hirschwirt", wo Rindfleisch und Blaukraut, Lüngerl und Knödel zu Bier und Schnaps kredenzt wurden.

Die übrigen Besucher und Besucherinnen konnten sich Bier, Würstchen und Schmalzgebäck am Stand der Langengeislinger Burschen und Dirndl schmecken lassen: "Fantastisch ist, dass es bei uns junge Leute gibt, die so eine Veranstaltung organisieren, und damit zeigen, dass wir eine ganz tolle Geschichte haben und das Brauchtum am Leben halten", sagte der Erdinger Oberbürgermeister Max Gotz (CSU). Der Vorsitzende der Jungbauernschaft Sepp Fehlberger, der mit Franz Fehlberger und weiteren Mitstreitern als Hochzeitslader auf der Bühne stand, zog ebenfalls ein positives Fazit und freute sich über das schöne Wetter und die gute Resonanz der "geschätzt 3000 Zuschauer".


Seit mehr als einem Jahr war an der Organisation gearbeitet worden. In den vergangenen Wochen zogen Hochzeitslader in schwarzen Anzügen, mit schwarzen Zylindern auf dem Kopf und Stecken in der Hand von Haus zu Haus, um die 700 Mitglieder der Jungbauernschaft und Ehrengäste mit Gstanzln persönlich zur Hochzeit einzuladen.
An der Kirchenmauer der Pfarrkirche drängten sich am Sonntag hoch über dem Geschehen auf dem Friedhof ebenfalls dutzende Zuschauer, was "Erdäpfekraut" zum spontanen Gstanzl hinreißen ließ, dass sogar die Toten auferstanden seien, um sich das besondere Ereignis in Altenerding nicht entgehen zu lassen.


Der "Großbauer Egglmoar Done" und die "Humpe Trixie" standen in ihren feschen Gewändern im Mittelpunkt des Geschehens: "In der Gmoa hods wieda zund'n und sich a neis Paar g'funden", rief Hochzeitslader Franz Fehlberger. Der "Standesbeamte" Hans Gruber waltete seines Amtes und vermählte auf der zur Altenerdinger Amtsstube umfunktionierten Bühne im Beisein von "Gmoadiener" Georg Bichlmaier und "Gmoaschreiber" Josef Rottmeier die Brautleute: "Wuist du da mit dera da und du da mit dem da?"- "Ja I wui", war zweimal zu hören. Die Zuschauer jubelten. Die Hochzeit war perfekt. Zum dreifachen "Vivat - hoch sollen sie leben" und Böllerschüssen waren die Hochzeiter verheiratet. Allerdings sind sie das nur für närrisch kurze Zeit, bis der Aschermittwoch sie scheidet.
Moderator Alfons Bauschmid erläuterte, dass bei den Bauern früher "Schmuser" Hochzeiten einfädelten und - wie beim "Done" - geeignete Heiratskandidaten wie die "Trixie" nach Aussteuer und Heiratsgut ausgewählt wurden. Es folgte das monatelang geübte "Auftanzen" mit den von Kathie Kalckner und den Vortänzern Florian Bergweiler und Christian Weißacher geleiteten Tanzgruppen. "Dass die Jungbauernschaft das Brauchtum wieder aufleben lässt, ist eine schöne Geschichte", sagte Landrat Martin Bayerstorfer, der das Engagement der 2015 mit dem Kulturpreis ausgezeichneten Jungbauern lobte.
Auch das Fernsehen war vor Ort. Kommenden Sonntag läuft die Bauernhochzeit im BR
Auch das Fernsehen war mit einem Team vertreten. Der Beitrag soll am kommenden Sonntag, 4. Februar, im BR "Schwaben und Altbayern" zwischen 17.45 und 18.30 Uhr zu sehen sein. Die 1950 gegründete Jungbauernschaft hat die Bauernhochzeit bereits 1952, 1974, 1986 und seitdem meist im Turnus von zehn Jahren veranstaltet. Eigentlich war der Termin 2025 geplant, doch vom 15. bis 22. Juni soll nächstes Jahr das 75-jährige Bestehen gefeiert werden, weswegen die Bauernhochzeit auf 2024 vorgezogen wurde.

