bedeckt München

Bauernhausmuseum Erding:Es wird ernst

Magdalena

1980 hat die Volksspielgruppe Altenerding das Stück zum ersten Mal aufgeführt, mit Elfriede Döllel in der Hauptrolle. 1989 gab es eine weitere Inszenierung des Dramas.

(Foto: Volksspielgruppe Altenerding)

Die Volksspielgruppe Altenerding zeigt zu ihrem 100-jährigen Bestehen "Magdalena" von Ludwig Thoma. Das schon zweimal inszenierte Drama ist aktueller denn je: Es geht um die tödlichen Folgen von Verleumdung und Hetze

Von Regina Bluhme, Erding

Leni ist für einen Job in die Stadt gezogen, jetzt kehrt das junge Mädchen zurück zu seinen Eltern auf den kleinen Hof, misstrauisch beäugt von den Dorfbewohnern. Bald beginnt die Gerüchteküche zu brodeln. Vorurteile, Verleumdungen, Mobbing und Fake News schaukeln sich immer mehr hoch - mit schrecklichen Folgen. "Magdalena" von Ludwig Thoma wurde 1912 uraufgeführt und hat heute nichts von seiner Aktualität verloren. Zum ihrem 100-jährigen Bestehen bringt die Volksspielgruppe Altenerdinger dieses Jahr also einen ernsten Stoff auf die Bühne. Die Regie teilen sich wieder Manuela Schieder und Renate Eßbaumer. Sie setzen dabei eigene Akzente, haben eine neue Figur ins Spiel integriert und eine kleine Rolle mit dem Erdinger Stadtpfarrer Martin Garmaier besetzt. Premiere ist am 26. Juni.

"Eine dörfliche Hetzjagd nach Motiven von Ludwig Thoma" steht im Sommer auf dem Programm im Bauernhofmuseum. Keine leichte Kost: Magdalena ist eine junge Frau, noch minderjährig. Sie verspricht sich in der Stadt bessere Verdienstmöglichkeiten. Doch dann bringt sie ein Heiratsschwindler um ihr ganzes Geld, sie gerät auf die schiefe Bahn und ein Polizist bringt sie zu ihren Eltern zurück. Die Leute beginnen zu reden, die schon längere kränkelnde Mutter stirbt, der Vater weiß nicht, wie er mit der Tochter umgehen soll. Zum Schluss ersticht er Madalena, bevor sie aus dem Dorf gehetzt werden kann.

Das klingt so gar nicht nach den zuletzt humorvollen Stücken wie "Ladies Night" oder "Eine ganz heiße Nummer". Es sei doch "ein sehr gehaltvolles, sozialkritisches Drama", beschreibt Manuela Schieder das Stück. Und sie findet Magdalena durchaus passend zum Jubiläum der Volksspielgruppe. Das Thema sei absolut aktuell, "gerade in Zeiten von Social Media". Und es ist auch ein dramatisches Stück, wie die Bilder der früheren Inszenierungen aus dem Jahr 1980 und 1989 zeigen.

Für die Schauspieler ist eine Herausforderung, nach gefälligen Komödienrollen nun harte Charaktere darzustellen. Reinhold Neugebauer, der den Vaters von Magdalena (Anna-Lisa Burgmair) verkörpert, habe sich schon beschwert, er sei "nicht einmal nett", sagt Renate Eßbaumer.

Die aktuelle Inszenierung halte sich an den Grundfaden des Stücks, setze aber durchaus eigene Akzente, erklärt Eßbaumer. Die beiden Regisseurinnen haben zum Beispiel die Rolle des Gustl hinzugefügt. Moritz Zech spielt den "netten Lausbub", der in Leni verknallt ist. Trotz all der Schwere des Stoffs, werde für den einen oder anderen Lacher gesorgt sein, versichern Schieder und Eßbaumer.

Seit dieser Woche laufen die Proben. Eine kleine Nebenrolle hat der Erdinger Stadtpfarrer Martin Garmaier. Er spielt einen der Nachbarn, "aber er ist einer, der bei all den Gerüchten versucht, den Ball flach zu halten", sagt Renate Eßbaumer. Die Rolle des bigotten Pfarrers in dem Stück wiederum hat Gerhard Zech übernommen. Im Rahmenprogramm treten die Teneriffa Tanzlmusi und ein Chor auf.

Die Volksspielgruppe Altenerding wurde 1920 gegründet. In ihrer bewegten Geschichte stand sie schon mehrmals vor der Auflösung, "aber immer wieder ging es dann doch weiter", sagt Erich Peinelt, der technische Leiter der Theatergruppe. Waren es zu Beginn bayerisch-ländliche Stücke, die in Nebenzimmern von Gaststätten oder Schulbühnen aufgeführt wurden, entwickelte sich in den 1970er Jahren eine Theaterkultur mit Freilichtspielen und Aufführungen in der 1984 neu eröffneten Stadthalle, die einen starken Bezug zur Stadt oder dem Landkreis Erding hatten, wie zum Beispiel "Die letzten Tage des Pointner Sebastian" oder die Schwedenspiele. Mit "Madame Bäurin" kam 2017 erstmals das Bauernhausmuseum als Kulisse ins Spiel. Auch dieses Jahr wird dort wieder unter freiem Himmel gespielt. "Wir hoffen natürlich auf gutes Wetter", sagt Peinelt. Die Zuschauertribüne wird aber überdacht.

Insgesamt hat der Verein 250 Mitglieder, zum aktiven Kern gehören etwa 60. Gerne könnten sich Interessenten melden, gerne auch junge Männer, "die täten uns abgehen", so Renate Eßbaumer. Zum Jubiläum wird es an einem Nachmittag eine Sondervorstellung für geladene Gäste geben. Laut Schieder und Eßbaumer werden Bewohner von Seniorenheimen und Behinderteneinrichtungen eingeladen, sowie "Ehrenamtliche, die sonst öffentlich kaum in Erscheinung treten", wie zum Beispiel Mitarbeiter der Tafel oder Hospizbegleiter. Ein Fahrdienst über ein lokales Busunternehmen ist bereits organisiert.

Jetzt hoffen die beiden Regisseurinnen neben regenfreien Aufführungen auf einen guten Kartenverkauf. Dieser laufe bislang schon recht gut. "Wir haben ein treues Stammpublikum", betonen Schieder und Eßbaumer, "und die haben das Vertrauen, dass es auch dieses Jahr wieder eine gute Aufführung wird, dass wir zwei das können."

"Magdalena", Volksstück von Ludwig Thoma, Bauernhausmuseum Erding, Premiere Freitag, 26. Juni, weitere Vorstellungen: Samstag und Sonntag, 27. und 28. Juni, Freitag bis Sonntag, 3. bis 5. Juli, Freitag und Samstag, 10. und 11. Juli, Freitag und Samstag, 17. und 18. Juli. Vorverkauf über die Stadthalle, Telefon 08122/990712 oder ticket@stadthalle-erding.de. Das Rahmenprogramm beginnt ab 18 Uhr, das Theaterstück um 20 Uhr.

© SZ vom 05.03.2020
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema