Süddeutsche Zeitung

Ballungsraumzulage :Hoffnung auf mehr Geld

Landrat Robert Niedergesäß will Beschäftigte besser entlohnen

Die Entlohnung soll künftig für Beschäftigte des Landratsamts kein Grund sein, sich lieber einen Job bei der Landeshauptstadt zu suchen: Denn geht es nach Landrat Robert Niedergesäß (CSU) sollen Angestellte der Behörde auch hier den erhöhten München-Zuschlag erhalten. Beraten sollen die Kreisgremien darüber im Herbst, die finanziellen Auswirkungen wären erheblich: Mit 1,1 Millionen Euro jährlich würde der Zuschlag zu Buche schlagen, das wären gut 900 00 Euro mehr als die Ballungsraumzulage, die die Mitarbeiter jetzt schon erhalten.

Doch selbst Finanzmanagerin Brigitte Keller, die ein strenges Auge auf alle Ausgaben des Kreises hat, befürwortet die Anhebung. "Wenn man gute Leute halten will, muss man in der Region mitziehen", sagte sie bei einem Pressegespräch am Dienstag. Die Erhöhung des Zuschlags sei eine "gute Initiative aus der Landeshauptstadt", unterstrich auch der Landrat. Zwar gebe es derzeit keine massenhafte Abwanderung von Mitarbeitern Richtung München. Aber es gehe auch um die Gewinnung neuer Arbeitskräfte. Und wer beispielsweise in Vaterstetten oder Zorneding wohne, pendle nach Ebersberg oder München in etwa gleich lang - in diesen Fällen könnte die Zulage durchaus Ausschlag geben, für welches Jobangebot man sich entscheidet.

Denn der Zuschlag fällt gerade in den niedrigeren Einkommensgruppen recht üppig aus: 270 Euro monatlich werden ihnen zusätzlich pro Monat überwiesen, für Beschäftigte in höheren Einkommensgruppen beträgt die Zulage immerhin noch 135 Euro. Profitieren würden im Ebersberger Landratsamt 430 Mitarbeiter und 15 Auszubildende. Ein Extra-Zuschlag würde zudem für jedes der 300 Kinder der Landratsamts-Mitarbeiter gezahlt. Es handle sich also durchaus um "ganz erheblich viel Geld", wie die Finanzmanagerin des Landkreises anmerkt. Allerdings sind auch die Lebenshaltungskosten in München und dem Umland erheblich - was im Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst, der für ganz Deutschland gelte, nicht widergespiegelt werde. Die Bezahlung sei überall gleich, ob man nun in der Uckermark oder im Speckgürtel um München wohne, so Keller - die Lebenshaltungskosten seien aber hier mindestens 50 Prozent höher.

Dieses Argument leuchtet auch Udo Ockel (CSU), Bürgermeister von Kirchseeon und Kreisvorsitzender des Gemeindetags, durchaus ein. Gerecht, so sagt er, wäre es auf alle Fälle, wenn die Angestellten im Münchner Umland den Zuschlag erhalten. Das Problem sei die Finanzierbarkeit: Wenn der Landkreis nun vorlege und weitere Gemeinden nachzögen, bleibe langfristig wohl fast nichts übrig, als die Zulage ebenfalls einzuführen, sagt Ockel. Allein für Kirchseeon würde das jährlich 200 000 Euro zusätzlich bedeuten - und darüber hinaus müsse die Gemeinde ja auch das Plus beim Landkreis über die Kreisumlage mitfinanzieren. Im Augenblick, sagt er, wüsste er jedenfalls nicht, wie Kirchseeon das finanzieren sollte.

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Quelle:
SZ vom 18.09.2019
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