Bahnstrecke Freilassing-München Auftakt der technischen Planung

150 Mitarbeiter arbeiten bis Mitte kommenden Jahres Varianten für den Ausbau der Bahnstrecke München-Mühldorf-Freilassing aus. Dorfen gilt dabei als "Brennpunkt".

Von Florian Tempel, Schwindegg

Tagungen zum Ausbau der Bahnstrecke München-Mühldorf-Freilassing gab es schon viele. Spürbar getan hat sich in der Vergangenheit danach jedoch stets gar nichts oder nur sehr wenig. Die Skepsis, dass die Informationsveranstaltung der Deutschen Bahn in Schwindegg nun echte neue Erkenntnisse bringen sollte, war bei den eingeladenen Vertretern aus Politik und Wirtschaft deshalb entsprechend groß. Erdings Oberbürgermeister Max Gotz (CSU) sprach es am deutlichsten aus: "Ich ärgere mich, das wir seit Jahrzehnten rumtun. Ich gehöre auch zu denen, die es satt haben."

Team von 150 Mitarbeitern

Und doch markierte der Freitagvormittag in Schwindegg einen tatsächlichen Schritt nach vorne, beim lange erwarteten Ausbau und der Elektrifizierung einer der letzten weitgehend eingleisigen und nur von Dieselzügen befahrbaren Bahnstrecken in Deutschland. "Heute beginnt die technische Planung", versicherte Robert Hanft, der bei der Deutschen Bahn für das Großprojekt verantwortlich ist. Die Deutsche Bahn hat ein Team von 150 Mitarbeitern zusammengestellt, das bis Mitte kommenden Jahres mehrere Varianten ausarbeiten wird, wie die Bahnstrecke konkret ausgebaut werden kann.

In etwa neun Monaten beginnt dann die für die Bevölkerung und die Kommunen entlang der Strecke entscheidende Phase. Die Ausbauvarianten sollen ein Jahr lang gemeinsam besprochen werden. "Unser Ziel ist es, Betroffenen zu Beteiligten machen", gelobte Klaus-Dieter Josel, der Konzernbevollmächtigte der Bahn für Bayern, "nur im Dialog kommen wir weiter". Mitte 2015 soll der Diskussionsprozess mit der Festlegungen einer "Vorzugslösung" möglichst "in breitem Konsens" für die verschiedenen Abschnitte abgeschlossen sein.

Josel räumte ein, dass insbesondere der Abschnitt in Dorfen ein Brennpunkt der Diskussionsphase sein wird. Dort fordern eine Bürgerinitiative mit mehr als 3000 Unterstützern und der Stadtrat eine Tieferlegung der Gleise. Aus zwei Gründen: Um riesige Straßenbrücken über die Bahnstrecke und kilometerlange hässliche Lärmschutzwände im Stadtbereich überflüssig zu machen. Josef und die Bahnplaner versicherten, dass auf alle Fälle eine Tieferlegung der Gleise mitgeplant werde. Von Sommer 2014 an werde dann eben auch darüber diskutiert.

"Da wird es schon richtig rauchen"

Entscheidend sei dabei jedoch, wie eine Tieferlegung anhand von "Kriterien und Bewertungen", aus denen sich "Kosten und Termine" ableiten ließen, im Vergleich mit anderen Möglichkeiten abschneiden werde, sagte der Chefplaner des Streckenausbaus Herwig Ludwig. Sein Kollege Hanft wiederholte noch einmal die altbekannte Vorgabe des Bundes, dass nur "das funktional Notwendige" geplant werden sollte und "der Bund sich nicht in der Pflicht sieht, Sonderwünsche zu bezahlen". Es sei "leider so", dass die Vorzugslösung grundsätzlich "die wirtschaftlichste" sein müsste. Falls eine gewünschte Tieferlegung teurer sein sollte, müssten auf politischem Weg womöglich ein "zusätzlicher Topf" gefunden werden, mit dem das bezahlt werden könne. Erdings OB Gotz prognostizierte, dass die in Dorfen "zu recht" erhoben Forderung nach einer Tieferlegung zu massivem Streit führen werde: "Da wird es schon richtig rauchen."

Ulrich Möhler, ein Experte für Schallschutz, deutete an, dass die grundsätzlich notwendigen Schallschutzmaßnahmen in Dorfen und anderswo, auch milder ausfallen könnten, als zum Beispiel in Ampfing. Seit dort die Strecke zweigleisig ausgebaut ist, zerschneiden meterhohe Lärmschutzwände den Ort. In der Lärmschutzforschung habe sich zuletzt "unglaublich viel getan", sagte Möhler. Durch leisere Güterzugbremsen und andere Innovationen, wie kleine, aber sehr effektive Lärmschutzmäuerchen, die kaum 80 Zentimeter hoch seien, sei man auf dem Weg, von den bislang gebauten hohen Wänden wegzukommen. Er sei zuversichtlich, dass von dieser technischen Entwicklung auch Dorfen und andere Orte profitieren könnten.

Denn bis tatsächlich gebaut wird, werden noch viele Jahre vergehen. Nach der Vorplanung muss sich eine Detailplanung anschließen, für die noch gar kein Geld bereit steht. Dann folgt das Planfeststellungsverfahren beim Eisenbahnbundesamt, das wegen der Größe des Projekts wohl ebenfalls Jahre dauern wird.

In der Gemeinde Tüßling, wo die Bahnstrecke nach Burghausen abzweigt, ist man aktuell schon im letzten Stadium: Hier wird gegen die Ausbaupläne geklagt. Zwei Vertreter aus Tüßling sagten, die genehmigten Pläne hätten "unsere schlimmsten Befürchtungen noch übertroffen" und "die Tüßlinger sind erschrocken und erschüttert".