Bahnlinie München-Mühldorf-Freilassing Ringschluss rückt in weite Ferne

Die Fronten verhärten sich: Erdings Bürgermeister beharrt auf der Nordeinführung der Walpertskirchener Spange. Der Bund will eine billigere Lösung.

Von Florian Tempel

Die Realisierung des Erdinger Ringschlusses rückt in immer weitere Ferne und droht im schlimmsten Fall zu scheitern. Zum einem fehlt dem Bund auf unabsehbarer Zeit das Geld für den Ausbau der Bahnstrecke München-Mühldorf-Freilassing, eine wesentliche Voraussetzung für den Ringschluss. Zum anderen verhärten sich die Fronten zwischen der Stadt Erding und dem bayerischen Verkehrsministerium zusehends.

Streit um Bahnverbindungen. Kommt nun die Walpertskirchener Spange doch?

(Foto: ddp)

Bürgermeister Max Gotz (CSU) beharrt auf der so genannten Nordeinführung der Walpertskirchener Spange und einem neuen Bahnhof auf dem Fliegerhorstgelände. Das Ministerium ist dagegen vehement für eine billigere Südeinschleifung bei Aufhausen und der Beibehaltung des alten Bahnhofstandorts.

Gotz will das mit allen Mitteln verhindern. Er hat sogar bereits prüfen lassen, welche rechtlichen Schritte gegen eine gegen den Willen der Stadt festgelegte Streckenführung möglich wären. "Ich möchte mich nicht überraschen lassen, ich will für alles gewappnet sein."

Gotz ist dabei klar, dass eine Klage womöglich maximales Risiko bedeutet: Geht der Widerstand der Stadt Erding so weit, dass sie tatsächlich gegen Entscheidungen des Freistaats vor Gericht zieht, könnten das letztlich die Einstellung jeder weiteren Planungen zur Folge haben. Gotz sieht die Gefahr durchaus, glaubt jedoch, dass eine unnachgiebige Haltung gegenüber dem Verkehrsministerium mehr Chancen als Gefahren birgt.

"Ich bin der Meinung, dass wir eine außerordentlich starke Position haben. Wir müssen uns nicht den Schwarzen Peter zuschieben lassen." Er glaubt, der Druck aus Erding werde das Ministerium dazu bewegen, von seiner Position abzurücken. Eines ist Gotz damit jedoch klar: "Vom Ringschluss sind wir wieder sehr, sehr weit weg."

Wer sitzt am längeren Hebel?

Die Nachricht, dass der Bund wohl bis mindestens 2020 schlicht kein Geld hat, die Bahnlinie München-Mühldorf-Freilassing auszubauen und zu elektrifizieren, bedeutet auch für den Erdinger Ringschluss "nichts Gutes", weiß Gotz. Denn wenn es auf der Bahnstrecke von München Richtung Osten keinen Strom gibt, wie sollen dann Regionalbahnen aus Salzburg und Südostbayern zum Flughafen fahren?

Dass Dieselloks den Flughafen ansteuern, ist unvorstellbar. Wenn aber nicht mit einer Regionalbahnanbindung über die Walpertskirchener Spange geplant würde, sänke der Nutzen des Ringschlusses drastisch. Die Kosten einer reinen S-Bahnverlängerung blieben hingegen gleich hoch.

Der Ringschluss kann also - Geldmangel hin oder her - nur mit Walpertskirchener Spange geplant werden. Und Einsparpotenzial, das hat das bayerische Verkehrsministerium erkannt, gibt es nur im Zusammenhang mit dieser. Die Südeinschleifung käme nach den von Ministerialdirigent Hans Peter Göttler Ende Juli im Stadtrat vorgelegten groben Zahlen 70 Millionen Euro günstiger als die "Variante der Nordeinführung".

Gotz sagt hingegen, es gebe für ihn gar keine "Varianten". Die Stadt Erding habe sich längst festgelegt. Er sieht keinen Diskussionsbedarf, dafür aber die Bereitschaft zur Konfrontation. Wer sitzt am längeren Hebel? Göttler sagte Ende Juli, es "wäre schön, wenn wir eine gemeinsame Lösung finden". Aus dem Ministerium hieß es auf Nachfrage noch einmal, man werde eine Entscheidung "möglichst im Konsens" treffen. Nach Nachgiebigkeit hört sich das nicht an.