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B 15 NEU:Mobilität neu denken

Die Haltung der christsozialen Chefstrategen zur B 15 neu erweist sich als Flopp. Ohnehin ist die Strategie längst überholt, mit dem Bau immer größerer Straßen ließen sich aktuelle und künftige Verkehrsprobleme lösen

Kommentar von Florian Tempel

In der Heimatzeitung war zu lesen, dass die Mühldorfer Ablehnung einer B 15 neu der Erdinger Politik "sauer aufstößt". Der Dorfener Bürgermeister Heinz Grundner habe geschimpft und Landrat Martin Bayerstorfer habe sich geärgert. Man fragt sich allerdings, was haben die beiden christsozialen Chefstrategen denn erwartet? Dass die Mühldorfer eine Monster-Bundesstraße quer durch ihren Landkreis zumindest zähneknirschend akzeptieren würden? Dass die Mühldorfer letztlich einsehen würden, dass es schon okay und nur gerecht ist, wenn bei ihnen eine Monster-Bundesstraße durch die Landschaft betoniert wird, weil im Landkreis Erding ja auch schon so viel zubetoniert ist?

Bayerstorfer und Grundner ärgern sich, weil ihre eigene ebenso überkommene wie taktisch unkluge Haltung zur B 15 neu sich als Flopp erweist. Als vor fünf Jahren die Pläne für eine gelbe Autobahn senkrecht durch den Landkreis Erding bekannt wurden, hatte die lokale CSU die drohenden Katastrophe mit Vehemenz und schnell abgewehrt. Doch die Christsozialen haben aus ihrem erfolgreich geführten Abwehrkampf nichts gelernt. Die konservativen Besserwisser im Landkreis Erding blieben stur dabei, dass eine unzumutbare Straße ein paar Kilometer weiter östlich völlig in Ordnung gehe und für die Nachbarn in Mühldorf genau das Richtige sei.

Im April dieses Jahres hatten die Erdinger Gelegenheit, es besser zu machen. Der Kreistag hätte mit Vehemenz einen Stopp der B 15 neu an der A 92 und somit ihr Ende fordern müssen. Die Zustimmung, ruhig über die Isar nach Süden weiterzubauen, nur um sie den Mühldorfern aufs Auge zu drücken, war grundfalsch. Der Glaube, mit dem Bau immer größerer Straßen ließen sich aktuelle und künftige Verkehrsprobleme lösen, ist gestrig. Die fixe Idee, Straßenbau bringe uns in irgendeiner Weise vorwärts, muss aus den Betonköpfen raus. Mobilität muss ganz neu und anders gedacht werden.

© SZ vom 28.07.2020
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