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AWO Kreisverband Erding:Kalt erwischt

Fritz Steinberger bei der Einweihung des AWO-Kinderhauses.

(Foto: Renate Schmidt)

AWO-Präsidiumsvorsitzender Fritz Steinberger ist abgewählt. Abstimmung muss wohl wegen Formfehler wiederholt werden

Von Regina Bluhme, Erding

Mit einer handfesten Überraschung endete die Delegiertenversammlung beim Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO): Fritz Steinberger, der Vorsitzende des Präsidiums, hat die Wiederwahl deutlich verfehlt. Doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Aller Wahrscheinlichkeit nach muss die Abstimmung wiederholt werden, denn laut AWO-Bezirksvorsitzender Nicole Schley ist nicht satzungskonform geladen worden.

Das Ergebnis der Wahl am vergangenen Freitag war eindeutig: Von den 22 Stimmberechtigten votierten lediglich elf für Steinberger und damit schaffte er es nicht ins fünfköpfige Gremium. Nicole Schley, Vorsitzende des Präsidiums des AWO-Bezirksverbandes Oberbayern und SPD-Bürgermeisterin von Ottenhofen, war an dem Abend im AWO-Kinder- und Jugendhaus zu Gast, "ich dachte,, ich spreche ein Grußwort und das war's", doch dann sei sie zu ihrer völligen Überraschung als Wahlleiterin engagiert worden. Sie habe die Satzung nicht gekannt, "da hat ja jeder seine eigene" und dann versucht, "das Beste draus zu machen". Wie sich jetzt herausstellt, war schon fehlerhaft zur Versammlung geladen worden. Laut Einladung sollte das Präsidium neugewählt werden und dieses sollte dann den Vorsitzenden selbst bestimmen. Laut Satzung aber, das weiß Schley heute, hätten über den Vorsitzenden die Delegierten in einem eigenen Wahlgang abstimmen müssen. Der Vorgang liegt bei der Schiedskommission, Schley hat keinen Zweifel, dass die Wahl wiederholt wird.

Für Kopfschütteln sorgte in der Sitzung aber noch anderes. Zum Beispiel habe es sich laut Schley beim Rechenschaftsbericht eher um "Aufzählungen", denn um "belastbare Zahlen" gehandelt. Dass dann auch noch die Presse nicht zur Versammlung eingeladen worden sei, könne sie nicht verstehen. "Die brauchen wir nicht", habe Fritz Steinberger in der Versammlung erklärt, wegen der Corona-Vorschriften sei ohnehin nicht genügend Platz. "Da hat sich mir der Magen umgedreht", sagt die Bezirksvorsitzende, gerade die AWO setze sich immer für Pressefreiheit ein.

"Mir läuft es immer noch kalt den Buckel runter", so beschreibt SPD-Kreisrätin Gertrud Eichinger aus Finsing ihre Reaktion auf Steinbergers Abwahl. "Das war ja absolut nicht zu erwarten", Schweigen habe im Saal geherrscht. Steinberger habe seine eigene, zuweilen hemdsärmelige Art, "aber wenn man etwas auf die Beine stellen will, dann darf man nicht zu handsam sein". Zur Wahl standen neben Fritz Steinberger die bisherigen Präsidiumsmitglieder Markus Marschall und Beate Sitte. Neu kandidierten der frühere 3. Bürgermeister von Erding, Hans Schmidmayer (SPD), Stadtrat Alexander Gutwill (SPD) sowie Lydia Borsow vom AWO-Ortsverband Isen. Erfreulich an diesem Abend war laut Marschall immerhin, dass sich mehrere auch jüngere Mitglieder zur Verfügung gestellt hätten. Er fände es nicht gut, wenn nun "Knall auf Fall" der Vorsitzende weg wäre. Ein geordneter Übergang sei so nicht möglich. Im Übrigen sei Steinberger ein "super Mensch", der "auch mal draufhalte", aber dafür auch viel bewege. Nicht zuletzt zum Beispiel für die Realisierung des Kinder- und Jugendhaus in den Geislinger Ängern. Bei der Eröffnung im Juli hatte 2. Bürgermeisterin Petra Bauernfeind (Freie Wähler) Steinberger gelobt: "So einen Macher kenn ich sonst nicht."

Fritz Steinberger selbst, seit 1994 bei der AWO, wollte sich am Mittwoch gegenüber der SZ nicht äußern. "Das Schiedsgericht wird entscheiden."

© SZ vom 24.09.2020

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