Süddeutsche Zeitung

Autonomes Fahren:Forschen für das Auto der Zukunft

BMW eröffnet Datenzentrum in Unterschleißheim, um die Serienentwicklung voranzutreiben

Beim Stichwort BMW zuckt in Unterschleißheim derzeit mancher etwas zusammen. Nach dem Eklat um einen öffentlichen Brief der örtlichen CSU, in dem diese möglichen Plänen des Autobauers für einen neuen Standort für seine Motorradsparte bei Mittenheim zwischen Unter- und Oberschleißheim eine Absage erteilt hat, schlagen die Wellen in der Kommunalpolitik hoch. SPD-Bürgermeister Christoph Böck kritisierte die CSU scharf, sie habe Informationen aus nicht-öffentlichen Sitzungen verbreitet und damit eine mögliche Ansiedlung von BMW torpediert. Ob der Standort für eine mittlere fünfstellige Zahl von Mitarbeitern nun tatsächlich gar nicht im nördlichen Landkreis verwirklicht wird oder ob sich womöglich die Nachbarn in Oberschleißheim allein über den willkommenen Gewerbezuwachs freuen dürfen, darüber schweigen sich Politiker und Konzernspitze noch aus.

Wesentlich erfreulichere Nachrichten aus Unterschleißheimer Sicht gab es in dieser Woche zu melden: BMW hat dort am vergangenen Mittwoch für einen bereits bestehenden Standort ein neues Datenzentrum eröffnet. Und ein besonders zukunftsweisendes noch dazu. Erst vor wenigen Wochen hat sich der bayerische Autobauer zu einer Zusammenarbeit mit dem Konkurrenten Daimler aus Stuttgart bekannt. Um mit der Konkurrenz aus Asien und den USA mithalten zu können, wollen die beiden süddeutschen Großkonzerne gemeinsame Sache machen bei der Technik der Zukunft, insbesondere beim autonomen Fahren. Da trifft es sich gut, dass BMW nun sein neues "Autonomous Driving Data Center" eröffnet. Das Datenzentrum ist sozusagen der neue Motor für den Autonomous Driving Campus an der Landshuter Straße, auf dem BMW seit einigen Monaten seine ganze Innovationskraft in Sachen selbstfahrende Autos bündelt. 2016 fiel die Entscheidung für den Standort auf dem Unterschleißheimer Business Campus, wo BMW zum Teil Gebäude der Airbus-Tochter Cassidian übernahm und eine eigene Zentrale neu gestaltete.

Im April 2018 wurde der Campus dann offiziell eröffnet - ein "Leuchtturmprojekt", wie es Bürgermeister Böck damals stolz nannte. Auf dem 23 000 Quadratmeter großem Areal arbeiten derzeit knapp 1300 Mitarbeiter aus verschiedenen Disziplinen an der Entwicklung von Assistenzsystemen, die in naher Zukunft voll automatisiertes Fahren möglich machen sollen. Bis 2020 werden es den Planungen zufolge bis zu 1800 Mitarbeiter sein. Neben Ingenieuren sind insbesondere Softwareexperten gefragt. Sie sollen in Unterschleißheim die Assistenzsysteme perfektionieren. Dafür sammeln Testfahrzeuge täglich Kilometer - und mit ihnen Millionen von Daten. Diese müssen natürlich gespeichert und verarbeitet werden. Dazu dient das neue Datenzentrum, das BMW einige Kilometer vom Campus entfernt in einem sogenannten E-Shelter eines externen Betreibers eingerichtet hat.

Die Eröffnung des neuen Autonomous Driving Data Centers sei ein weiterer Schritt hin zur Serienentwicklung des voll automatisierten Fahrzeugs, heißt es von BMW. Die Entwicklungsarbeit am autonomen Fahren wird immer intensiver - insbesondere in Unterschleißheim. Auch personell gibt der Münchner Autobauer eine Veränderung bekannt: Der bisherige Verantwortliche für autonomes Fahren, Elmar Frickenstein, übergibt seinen Aufgabenbereich an Alejandro Vukotich, der die Entwicklung weiter vorantreiben soll.

Unabhängig von der Frage, wie die Diskussion über eine weitere Ansiedlung ausgeht, ist das Zentrum für autonomes Fahren nicht der einzige Standort von BMW in der größten Kommune des Landkreises München. Auch die Trainingsakademie der Gruppe steht in Unterschleißheim, außerdem das Recycling- und Demontagezentrum sowie das Tochterunternehmen Alphabet, das auf Fuhrparkmanagement spezialisiert ist.

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Quelle:
SZ vom 30.03.2019
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