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Ausstellung:Seltene Gelegenheit

Im Park der Taufkirchener Klinik hat Geiger 1991 eine "Meditationsraum" genannte begehbare Skulptur geschaffen.

(Foto: Klinikum Taufkirchen)

Der kommende Freitagnachmittag ist Rupprecht Geiger und seinen Werken in Taufkirchen gewidmet

Von Florian Tempel, Taufkirchen

Für Kunstfreunde bietet sich an diesem Freitag, 23. Februar, die selten Möglichkeit, die wunderbaren Kunstwerke des Malers, Bildhauers und Architekten Rupprecht Geiger (1908 - 2009), die sich in der psychiatrischen Klinik Taufkirchen finden, überhaupt einmal und vor allem mit fachkundiger Begleitung zu besichtigen. Am Freitagvormittag findet im Wasserschloss zunächst ein Fachsymposium mit dem zwar interessanten Titel "Genderspezifische Aspekte in der psychiatrischen Versorgung". Doch die Referate dazu sind nur etwas für Fachleute. Der Nachmittag ist hingegen für jeden Kunstliebhaber offen und alle Interessierten sind ausdrücklich eingeladen, sich ungezwungen um 14 Uhr im Wasserschloss einzufinden.

Zur Einführung gibt Reinhard Engelbrecht, der langjährige Leiter der Bauverwaltung des Bezirks Oberbayern, eine Einführung und Einordnung zum Künstler. Rupprecht Geiger ist ein herausragender und weltweit bewunderter Vertreter der gegenstandslosen Malerei Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg, an dem er als Kriegsmaler eingesetzt war. Geiger war später unter anderem viermal bei der Documenta in Kassel mit Werken vertreten.

Einfache geometrische Formen und die Konzentration auf die Kraft der Farben sind seine nur scheinbar simple und in ihrer Wirkung und Ästhetik tief berührenden Ausdrucksmittel. Geiger hat sich jahrelang vor allem mit der Farbe Rot beschäftigt. Ein oft zitierte Satz von ihm lautet: "Rot ist Leben, Energie, Potenz, Macht, Liebe, Wärme, Kraft."

Im Park der Taufkirchener Klinik ist das zu erleben. Hier hat Geiger 1991 eine "Meditationsraum" genannte begehbare Skulptur geschaffen. Von außen sieht man etwas mehr als zwei Meter hohe Betonmauen, die oval und rechteckig ineinander verbunden sind. Im Inneren leuchten die Wände in einem intensiven, strahlenden Rot. Die Simultanität eines Aufenthalts im Innen und Außen, in realer Natur und abstraktem Farbraum, ist nur eines der scheinbar paradoxen Erlebnisse, die Geigers Werk möglich macht.

Die Enkelin des Künstlers, Julia Geiger, die das umfangreiche Archiv ihres Großvaters betreut, wird über den zentralen Aspekt seiner Arbeit sprechen: "Farbe tanken" war zudem der Titel einer großen Rupprecht Geiger-Ausstellung in Bochum im vergangenen Jahr.

Brigitte Schlachter, die Witwe des früheren Ärztlichen Direktors der Klinik, wird berichten, wie Geigers Kunst in der 1990er Jahren nach Taufkirchen kam. Der "Meditationsraum" ist nicht das einzige Werk in der Klinik. Im Casino und in der Bibliothek schmücken eine schöne Reihe von Grafiken die Wände.

© SZ vom 22.02.2018

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