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Sensationsfund?:Römische Therme in der Kiesgrube

Bei einem Ortstermin am Dienstag präsentierte Grabungsleiter Uli Schlitzer (rechts) die Funde in der Kiesgrube Kaiser in Eichenkofen.

(Foto: Renate Schmidt)

Vieles spricht dafür, dass es sich bei den Fundstücken in einer Kiesgrube bei Erding um Überreste aus der Kaiserzeit handelt. Noch müssen die Untersuchungen abgewartet werden

Einen sensationellen Fund vermeldet die Stadt Erding: In der Kiesgrube Kaiser bei Eichenkofen haben Archäologen ein römisches Thermengebäude entdeckt. Nach aktuellem Stand der Dinge weisen Funde eindeutig in diese Richtung.

Einen Haken hat die Sache allerdings, wie sich am Dienstag beim Pressetermin vor Ort herausstellte: Das Ergebnis ist noch nicht in trockenen Tüchern. Es könnte sein, dass bei den Untersuchungen auch herauskommt, dass es sich um eine Art Schuppen handelt, immerhin um einen römischen.

Jetzt gilt es für die Archäologen, zu retten, was zu rettten ist

Mitten im Kiesabbaugebiet der Firma Kaiser Kies und Sand GmbH in Eichenkofen finden derzeit die archäologischen Grabungen statt. Es sind sogenannte Rettungsgrabungen. Die Stelle ist bekannt als Fundstelle für die Römerzeit, und da gilt es zu retten, was zu retten ist, bevor der Kies dort weiter abgebaut wird.

Der archäologische Grabungsleiter Uli Schlitzer berichtete beim Ortstermin, dass zunächst die typischen sogenannten Riegelbruchfragmente aus der römischen Kaiserzeit entdeckt worden waren. Richtig interessant wurde es, als per Drohne Luftbilder in 30 Metern Höhe von der Gegend gemacht worden waren. Auf den Fotos waren mehrere engbeieinanderstehenden Gebäudeumrisse zu sehen.

Die Archäologen entdeckten außer Ziegeln die Grundrisse von steinernen Gebäuden mit Schürkanälen und einer Apsis - alles zusammen typische Indizien für ein römisches Badehaus aus dem 2. bis 3. Jahrhundert nach Christus, wie der Grabungsleiter mitteilte. Mittlerweile konnte der Grundriss von mindestens zwei ehemaligen Steingebäuden erschlossen werden. Zu sehen sind allerdings nur noch die unteren Sohlereste einstiger Mauerzüge.

Die meisten der Fundamente reichen ein bis zwei Dezimeter in den Lehmboden. Weil sie so nahe an der Oberfläche liegen, sind sie schlecht erhalten: "Vieles ist sehr stark zerstört worden", sagte Harald Krause, Leiter des Museums Erding und Vorsitzender des Archäologischen Vereins. Entdeckt wurde an der Stelle neben den Therme-Überresten außerdem ein Brunnen, der nun weiter untersucht wird.

Die Indizien weisen auf ein römisches Badehaus hin - oder doch nur auf einen einfachen Schuppen?

Nach Ansicht von Martin Pietsch, bis vor Kurzem Gebietsleiter vom Landesamt für Denkmalpflege, spreche die entdeckte Apsis auf jeden Fall für eine Therme. Festlegen wollte er sich jedoch nicht. Er sei jedenfalls sehr gespannt auf die Ergebnisse der Untersuchung, sagte er. "Halbe-halbe", so lautete die Prognose, ob es sich hier tatsächlich um eine Therme handelt. Und wenn nicht? Dann könnte es womöglich auch ein einfacher Schuppen sein, erklärte Pietsch auf Nachfrage beim Ortstermin, zu dem sich auch Zweiter Bürgermeister Ludwig Kirmair (CSU) eingefunden hatte.

Harald Krause zeigte sich da schon wesentlich optimistischer. Die Indizien wiesen sehr deutlich auf ein römisches Badehaus hin, betonte er. Und ein solches ist Bestandteil einer sogenannten Villa Rustica, also eines größeren landwirtschaftlichen Anwesens. Genau so eines könnte sich laut Grabungsleiter Uli Schlitzer ein paar Meter weiter östlich in einem Acker befinden.

Es wäre nicht das erste Mal, dass eine solche Villa im Landkreis Erding auftaucht. Immerhin 70 Jahre ist es schon her, dass zuletzt ein Landgut hier ausgegraben wurde. Fundort war eine Kiesgrube bei Langenpreising in Steingrub. Dorthin sind Mitte der Fünfzigerjahre dann zahlreiche Schulklassen über das Grabungsgelände geführt worden, so Krause.

Die Überreste der Therme auf dem Kiesgrubengelände von Josef Kaiser haben nur Schüler des Anne-Frank-Gymnasiums (AFG) Erding zu Gesicht bekommen. Die Schule arbeitet schon seit Jahren in Sachen Archäologie und Römerzeit mit dem Museum Erding zusammen. Drei Klassen durften sich am Dienstag Vormittag mit Schulleiterin Helma Wenzl auf Exkursion in die Kiesgrube begeben. Das war gerade rechtzeitig, denn in einer Woche wird an der Stelle wieder Kies abgebaut.

"Ich finde es schade, dass dann wieder alles verschwindet", erklärte die 14-jährige Mara aus der 9b. Sie und ihre Klassenkameradin Anna fanden die Exkursion "superspannend", vor allem weil sie gerade die Römer im Unterricht durchnehmen und sich dann gleich die Geschichte vor Ort anschauen können.

"Ich bin dafür, dass es eine Therme ist", erklärte Harald Krause zum Schluss unter zustimmenden Nicken der Umstehenden. Ein Name für die Badeanstalt machte am Dienstag die Runde: Kaiser-Therme würde sich aufgrund der Fundstelle auf dem Gelände der Firma Kaiser anbieten - falls es sich nicht doch um einen schnöden Schuppen handelt.