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Auch die Grundwassersituation wurde untersucht:Hochwasserrisiko abseits der Isen

Beim Hochwasser 2013 konnte eine weitgehende Überschwemmung der Stadt nur mit zahlreichen Schlauchableitungen verhindert werden.

(Foto: Renate Schmidt)

Ein Gutachter legt dar, dass Dorfen von Süden Gefahr droht. Bei starkem und anhaltenden Regen könnte Wasser vom Isentalhang die Stadt überschwemmen. Eine Flutmulde westlich der Isener Siedlung löse das Problem

Das Isental ist ein breites Flusstal, und wenn es regnet, kommt so einiges zusammen. Deshalb ist Dorfen in seiner Geschichte auch immer wieder von Hochwasser überschwemmt worden. Seit von 2004 bis 2009 an der Isen umfangreiche Hochwasserschutzmaßnahmen realisiert wurden, ist die Stadt zwar relativ sicher vor Überschwemmungen durch den Fluss. Beim Pfingsthochwasser im Juni 2013 zeigte sich jedoch, dass Dorfen von einer anderen Seite Gefahr droht. Durch den damals starken und anhaltenden Regen drohte das Rückhaltebecken am südlichen Stadtrand überzulaufen, weil über die Bäche Moosgraben und der Hausmehringer Graben Unmengen Wasser vom südlichen Isentalhang Richtung Innenstadt floß. Eine Überschwemmung Dorfens konnte vermieden werden, indem Feuerwehren in aller Eile mehr als ein Dutzend, mehrere hundert Meter lange Schlauchleitungen verlegten, um kontrolliert Wasser abzupumpen. Ein Gutachten hat nun gezeigt, dass die Gefahr von Überschwemmungen weiterhin besteht. Der Experte Florian Pfleger empfahl als Abhilfe eine Flutmulde westlich der Isener Siedlung aufzugraben, in die im Extremfall das Wasser vom Südhang des Isentals bis zur Isen abgeleitet werden kann.

Neben dieser Erkenntnis hatte Pfleger aber noch einen zweiten Gutachterauftrag. Er hat auch die Grundwassersituation südlich der Isener Siedlung untersucht, wo die Stadt ein großes neues Wohngebiet ausweisen möchte. Schon der Flurname "Obere Mooswiesen" lässt erahnen, dass es hier potenziell feucht sein könnte. Die Wiesen waren frühere einmal tatsächlich ein Niedermoor. Davon ist freilich nichts geblieben. Ein Moorexperte hat schon vor Monaten klar darlegt, dass von Moor keine Rede mehr sein kann.

Dennoch ist das etwa 16 Hektar große Gebiet, das zu zwei Dritteln mit Wohnhäusern bebaut werden soll - das Drittel neben den Bahngleisen soll gewerblich genutzt werden -, laut der Expertise des Gutachters ein problematischer Bereich. Unter einer dünnen Schicht Erde liegt eine kaum mächtigere Sperrschicht unter der das Grundwasser fließt. Das Grundwasser stehe unter Druck. Wenn es nicht von der tonhaltigen Sperrschicht aufgehalten würde, würde es weiter nach oben steigen. Es sei in keinem Fall ratsam, in so einem Gebiet Häuser mit Kellern zu bauen. Da der Boden oberhalb des Grundwassers nicht sehr tragfähig sein, müssten Häuser ohne Keller jedoch wohl auf Pfahlgründungen stehen. Solche punktuellen Durchstoßungen der Grundwassersperrschicht könnte man mit einigem Aufwand abdichten. Es gibt aber noch einer weitere Idee, wie man in dem Gebiet bauen könnte: Indem man die Bauflächen großzügig aufschüttet.

Klarheit darüber, was sich wie machen ließe, kann erst ein weiteres Gutachten geben. Ein Bodengutachter muss untersuchen, was geht. Der Stadtrat sah das aber mehrheitlich nicht als Hinderungsgrund, zunächst einmal das betreffenden Gebiet im Flächennutzungsplan als potenzielles Wohn- respektive Mischgebiet auszuweisen. Nur die vier Stadträte der SPD-Fraktion im Stadtrat stimmten geschlossen schon gegen die Aufnahme des Areals in den Flächennutzungsplan.

Bewohner der Isener Siedlung haben Bedenken, dass eine Bebauung der"Oberen Mooswiesen" ihre bestehenden Gebäude gefährden könnte. Der Grundwassergutachter hatte allerdings erklärt, dass selbst bei Bau von Kellern - den er freilich ablehnt - der Grundwasserspiegel in der Umgebung nur um wenige Zentimeter steigen würde. Der Bau von Häusern ohne Keller erscheint somit weniger bis völlig ungefährlich. Nicht wenige Stadträte waren zudem der Auffassung, dass alles halb so schlimm sei. Die Boden- und Grundwasserverhältnisse in der seit langem bestehenden Isener Siedlung und anderen Teilen Dorfen seien auch nicht besser - aber man habe trotzdem gebaut. Das wichtigstes Ergebnis sei in jedem Fall, dass man nun wisse, wie der Überschwemmungsgefahr durch Starkregen zu begegnen sei.