Asylsuchende in Erding Es wird eng

Die Container für Asylbewerber beim Korbinian-Aigner-Gymnasium

(Foto: Bauersachs)

Der Landkreis bekommt weiterhin viele Asylsuchende zugeteilt, die Aufnahmeeinrichtungen reichen dazu aber langfristig nicht aus. Die Verhandlungen mit Hausbesitzern gestalten sich schwierig.

Von Mathias Weber

27 neue Asylsuchende in nur zwei Wochen, im ganzen Landkreis insgesamt 322 und noch mal 200 Menschen mehr bis zum Ende des Jahres - die Situation bei der Betreuung von Asylsuchenden im Landkreis bleibt weiterhin angespannt.

Derzeit können noch alle dem Landkreis zugeteilten Asylsuchenden untergebracht werden, wie sich die Lage aber in nur wenigen Monaten darstellt, das ist unsicher. In der vom Landratsamt errechneten Zwischenbilanz wird sich der Landkreis bis Ende des Jahres um 512 Menschen kümmern müssen. Die derzeit zwölf Aufnahmeeinrichtungen, die dezentral über den Landkreis verteilt sind, werden dazu nicht ausreichen. Das befürchtet zumindest Maria Brand von der Aktionsgruppe Asyl. Sie hat in ihrer täglichen ehrenamtlichen Arbeit mit den Asylsuchenden das Gefühl, dass es jetzt schon recht beengt in den Unterkünften zugeht. Brand sagt klar: "Ich habe Riesenängste aufgrund der Zahlen, die da im Raum stehen." Wo also hin mit den vielen Asylsuchenden? Vom Landratsamt heißt es, es gebe diverse Planungen für neue Unterkünfte in diversen Umsetzungsstadien, es seien etwa fünf.

Wo sich diese möglichen Unterkünfte befinden, das möchte man im Landratsamt nicht sagen, die Verhandlungen liefen. Und leicht seien die nicht: Hausbesitzen würde immer wieder abspringen. Offensichtlich erzeugen die Zahlen und der Strom an Asylsuchenden eine angespannte Situation.

Über die Frage was passiert, wenn nun alle Plätze belegt sind, beschäftigt man sich am Alois-Schießl-Platz derzeit noch nicht. "Wir haben uns angewöhnt, darüber nachzudenken, wenn es soweit ist", sagt eine Sprecherin des Landratsamtes. Im Notfall müssten die Menschen in Turnhallen untergebracht werden, aber der sei bisher nicht eingetreten.

Noch können die ankommenden Asylsuchenden auf die Einrichtungen verteilt werden. Maria Brand von der Aktionsgruppe Asyl zufolge wird sich die Situation noch verschärfen, wenn im Laufe des Jahres die Asylunterkunft in der Erdinger Schubertstraße verschwindet. "Die Pläne sind fertig, das Haus wird abgerissen." Um die Unterkunft an sich sei es aber nicht schade, sagt Brand. Sie zeigt sich mit den meisten Herbergen im Landkreis zufrieden, mit den sechs in Erding, den zwei in Taufkirchen und den beiden in Grucking bei Fraunberg und Isen. Nur die eine in der Erdinger Schubertstraße und vor allem die Container in Erding, wo Asylsuchende leben müssen, stoßen ihr auf. Dort sei die Platzsituation alles andere als ideal. Sie glaubt nicht, dass alle zukünftigen Asylsuchenden in Erding in angemieteten Häusern unterkommen können. "Man muss neu bauen", fordert sie.

Und am besten keine Container, die sie absolut kritisch sieht. So genannte Wohneinheiten in Modulbauweise könnten eine Alternative sein, leicht zu bauende, ästhetisch ansprechende Einheiten, die hochwertiger als Container seien und eine sinnvolle Nachnutzung ermöglichten. Erst aber sollten sich die Kommunen im Landkreis besser engagieren, sagt Brand: "Ich wundere mich, dass sich zum Beispiel in Dorfen oder Wartenberg nichts finden lässt". Der Dorfener Stadtverwaltung beispielsweise sind aber keine Projekte im Stadtgebiet bekannt. Aus der Stadtverwaltung heißt es, man sehe keinen Grund aktiv zu werden und spielt den Ball in die Große Kreisstadt zurück. Die Suche und das Betreiben von Asyl-Einrichtungen sei Sache des Kreises.

Doch trotz der angespannten Lage der Asylsuchenden im Landkreis gibt es doch auch eine gute Nachricht. Seit dem 1. März gibt es zur Verpflegung der Menschen keine Gutscheine mehr, mit denen sie sich Essen an speziellen Stellen kaufen können. Seitdem gibt das Amt den Menschen nun Bargeld in die Hand, mit denen sie einkaufen können. Als "sehr erfreulich" erlebt Brand diese Neuerung. "Die Leute sind damit glücklich", sagt sie. "Es läuft gut, die Befürchtung, sie könnten sich ihr Geld nicht einteilen, hat sich nicht bewahrheitet. Für die Asylsuchenden ist das eine ganz neue Lebensqualität."