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Arbeiter findet 55.000 Euro:Banknoten im Sperrmüll

Beim Sperrmüllschreddern findet ein 31-Jähriger ungefähr 55.000 Euro. Nun wurde der vermeintliche Glückspilz wegen Diebstahls zu einer Geldstrafe verurteilt.

Florian Tempel

Im Müll Geld zu finden, viele tausend Euro - ein Traum. Für einen 31-jährigen Mitarbeiter eines großen Entsorgungsunternehmens aus dem Landkreis Erding wurde er wahr, zerplatzte jedoch auch wieder mit einem großen Knall. Im März 2010 hatte er mit Kollegen beim Spermüllschreddern Dutzende zerfledderte 500 Euro-Noten entdeckt.

Einen Teil der kaputten Scheine lieferten die Männer bei ihrem Chef ab, einen Teil behielten sie für sich. Der Angeklagte steckte 15.000 Euro ein. Dann flog die Sache auf und der vermeintliche Glückspilz wurde nun am Amtsgericht Erding zu 4800 Euro Geldstrafe verurteilt. Sein 27-jähriger Bruder, der die zerstückelten Banknoten zum Umtauschen bei der Bundesbank eingereicht hatte, erhielt eine Geldstrafe von 3150 Euro.

Woher das Geld stammte, weiß niemand. Es muss wohl in irgendeinem Möbelstück, das nach einer Wohnungsräumung bei der Entsorgungsfirma landete, versteckt gewesen sein. Als der Angeklagte und zwei Kollegen Sperrmüll in einem so genannten Brecher zerkleinerten, trauten die Männer ihren Augen nicht. Plötzlich sahen sie in dem zerquetschen Müll immer mehr 500er-Scheine, durch das Schreddern halbiert oder gedrittelt, aber noch kein Konfetti.

Zunächst meldeten sie den Fund ihrem Vorarbeiter. Der besah sich die Entdeckung, gab Anweisung alles einzusammeln und bei ihm abzuliefern. Der Angeklagte und seine Kollegen reichten knapp 20.000 kaputte Euro weiter. Etwa 35.000 Euro behielten sie in unterschiedlich großen Mengen für sich. Das war Diebstahl. Denn das Geld war Teil des Mülls - und der gehörte nunmal ihrem Arbeitgeber.

Kaputte Geldscheine werden, sofern mehr als die Hälfte noch erkennbar ist, von der Bundesbank gegen vollständige Scheine umgetauscht. Der Angeklagte ging nicht selbst zur Filiale der Bundesbank in München, sondern schickte seinen Bruder mit dem Bündel hin. Seine beiden Kollegen lieferten ihre Geldfunde ebenfalls in München ab.

Versuchung "außergewöhnlich groß"

Und da flog alles auf. In der Bundesbankfiliale wunderte man sich nämlich, dass drei verschiedene Männer ganz ähnliche, kaputte und verdreckte 500er zum Umtauschen brachten. Die Polizei wurde eingeschaltet. Da jeder Mann einen andere Geschichte über die Herkunft der zerschnipselten Geldscheine erzählte, war der Fall nach einer Nachfrage bei ihrem Arbeitgeber schnell geklärt.

Das Geld stand zwar theoretisch ihm zu. Doch auch er ging leer aus. Vor Gericht berichtete er, mittlerweile sei festgestellt worden, dass das Geld aus einer Straftat stamme. Die kaputten Scheine liegen nun in einer Asservatenkammer. Seinen Mitarbeiter ist er nicht böse. Er hat sie alle behalten, "das sind gute Leute und gute Leute bekommt man heute schwer".

Die Verteidiger Stefan Davidson und Kathrin Erhart betonten, dass die Versuchung für ihre Mandanten doch "außergewöhnlich groß" war und letztlich niemand einen Schaden hatte. Mit, wenn auch herben Geldstrafen, kamen die sichtlich geknickten Angeklagten schließlich sogar vergleichsweise billig davon.

© SZ vom 03.03.2011/ves

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