Süddeutsche Zeitung

Antrag abgelehnt:Verordnung in den Reißwolf

Erdinger Stadtrat vertraut auf Verantwortung der Baumbesitzer

"Wo kein Baum mehr Platz hat, weil, ihm die Lebensgrundlagen entzogen werden, hat irgendwann auch der Mensch keinen Platz mehr." So besorgt hatte sich die CSU vor wenigen Monaten geäußert, daran erinnerte das Rathaus in ihrer Vorlage die Stadträte, als sie das Thema Baumschutzverordnung auf die Tagesordnung setzte. Die CSU hatte im April gleich einen Antrag formuliert, der zum Ziel hatte, dass sich die Stadtpolitik über eine Baumschutzverordnung Gedanken macht. Jetzt hat man sich offenbar wieder beruhigt: Schon im Juli hatte die CSU erklärt, dass sie eine solche Verordnung doch nicht so wichtig findet. Sie und auch die Vertreter anderer Fraktionen vertrauen lieber auf die Eigenverantwortlichkeit der Grund- und Baumbesitzer. Am Dienstag hat der Stadtrat daher den Antrag auf Erlass einer Baumschutzverordnung mit breiter Mehrheit abgelehnt - gegen acht Stimmen von SPD, Grünen, ÖDP und Piraten.

Hubert Niestroy (SPD) betonte vergebens, dass die Bäume "vor Gedankenlosigkeit" geschützt werden müssten. Damit erinnerte er auch an den Auslöser der Debatte: die Abholzaktionen sowohl in einem Garten in der Dr.-Henkel-Straße als auch in noch größerem Stil an der Haager Straße neben dem Grund der Fischers Wohltätigkeitsstiftung, die viele Menschen tief verstört hatten. Schon 1992 hätte die SPD eine noch schärfer gefasste Verordnung beantragt, sagte Niestroy, dennoch wundere er sich nicht, dass die jetzt vorliegende Version abgelehnt werde. Er wundere sich allenfalls, dass sie vom Antragsteller - der CSU - abgelehnt werde. Und er fürchte sich vor dem Tag, an dem die Bäume auf dem Gelände des ehemaligen Pilzsubstrats geopfert würden. Doch OB Max Gotz (CSU) konnte den besorgten Mann beruhigen: Diese Bäume seien im Bebauungsplan festgeschrieben, sie seien geschützt. Für die Freien Wähler sagte Petra Bauernfeind, dass sich Wissen und Gewissen so weit verbessert habe, dass Erding keine Verordnung brauche. Sie fürchte zudem den bürokratischen Aufwand, wenn doch jemand einen Baum umlegen lassen wolle. Und sie beobachte, dass häufig Obstbäume nachgepflanzt würden. Für die Grünen sprach sich Hermann Meier für eine Baumschutzverordnung aus - vergebens.

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SZ vom 30.09.2017 / ts
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