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An jeder Tür lassen sie sich auf einen Plausch ein:Zwischen Tür und Tonangel

Per Anhalter durchqueren die "Woidboyz" des Bayerischen Rundfunks auch den Landkreis Ebersberg - immer auf der Suche nach Gesprächspartnern, Zahnbürsten und Träumen

Wenn morgens um zehn Uhr ein Kamera-Team an der Haustür klingelt, würden manche die Jogginghose schnell gegen etwas Gesellschaftsfähiges tauschen. "Oder andersrum", sagt Basti Kellermeier, der die Klingel gedrückt hat. "Manch eine ziagt sich ihr scheens G'wand aus und d'Jogginghose an, wenn sie hört, dass es mia san. Des lässt drauf schließen, dass sie in den Chill-Modus geht." Also ist auch die Dame, die jetzt in Jogginghose im Türrahmen erscheint, dem Anlass entsprechend gekleidet. Denn die drei "Woidboyz" vor ihrer Tür, selbst ganz im Chill-Modus, wollen sich eine Zahnbürste von ihr borgen. Andi Weindl, Uli Nutz und Basti Kellermeier sind an diesem Morgen den dritten Tag per Anhalter unterwegs - da kann die Körperpflege schon mal ins Hintertreffen geraten.

Leider kann die Fremde ihnen in puncto Mundgeruch nicht weiterhelfen. Das tut dem Interesse der drei Jungs aber keinen Abbruch. Wie an jeder Tür lassen sie sich auch hier auf ein Gespräch ein: Lässig, boarisch und per du. Über die USA-Reise der Frau wird geplaudert und darüber, wie es ihr in Ebersberg gefällt. Außerdem macht man Bekanntschaft mit dem Hund Wuschel. In jedem Vorgarten entdecken Kellermeier, Nutz und Weindl noch etwas Kurioses, das zur Nachfrage einlädt.

Das Einzige, was einer herzlichen Verständigung manchmal im Weg steht, ist dieser Name, den sie sich gegeben haben. Die Woidboyz - das sind Jungs, also englisch Boys, die ursprünglich aus dem Bayerischen Wald, also Woid, kommen. Beim Studium der Medientechnik haben die drei sich kennengelernt, seitdem ist der Name ihre Marke. Youtube-Kurzfilme haben sie darunter schon produziert, als Jungreporter "in town" Interviews geführt - nun sind sie bereits zum siebten Mal "on the road" unterwegs, für das junge Programm "Puls" des Bayerischen Rundfunks. Am Samstag hat die Reise-Reportage in Wasserburg begonnen, von dort ging es nach Pfaffing, Grafing und Ebersberg. Bloß eine Zahnbürste fehlte noch.

Michaela Riederer lässt sich von den Woidboyz filmen.

(Foto: Christian Endt)

Gut, dass es Michaela Riederer gibt. Die Altenpflegerin aus Ebersberg macht ihre Tür weit auf und lässt die drei Reporter zu sich herein. "Wir wollen die Leute kennenlernen", sagt Andi Weindl. "Mir bringt das persönlich was. Ich reise mit meinen zwei besten Freunden - und egal, wo man hinfährt, überall gibt es tolle Menschen in Bayern." Während Kellermeier endlich Zähne putzen darf, erzählt Michaela Riederer frei von der Leber weg: Wie sie als eines von elf Kindern aufgewachsen ist und dass sie ihren Mann in der Eis-Disko kennengelernt hat. Solche Einblicke sind es, die den Woidboyz am Herzen liegen. "Jeder hat eine nie da gewesene Geschichte", so Weindl. Deshalb lassen sie sich auch ganz spontan darauf ein, was ihnen gerade erzählt wird. "Normale außergewöhnliche Menschen und das authentische Bayern" wollen sie so vor die Linse bekommen.

Zusätzlich zu den Begegnungen gibt es Input aus dem Netz: Auf Facebook bitten die Woidboyz um lokale Geheimtipps auf ihrer Route. Die User sagen, wo man vorbeigeschaut und wen man getroffen haben sollte. Dank eines Kommentars waren die Woidboyz etwa in Wasserburg auf "Heinz" gestoßen, eine stadtbekannte Persönlichkeit. Der Herr sei selbst von einem harten Leben geprüft worden, sei aber unter den Leuten dafür beliebt, dass er in seiner Freizeit ihre Straßen sauber halte - "die gute Seele Wasserburgs".

Mit ihrer Gastfreundschaft hat auch Michaela Riederer ihrer Stadt alle Ehre gemacht. Und nachdem alle Badezimmer-Geschäfte verrichtet sind, erfahren die Jungs, dass ihre neue Freundin einen Lebenstraum hat: Einen Lastwagen wolle sie schon immer einmal fahren. "Die Größe g'fallt ma", gesteht sie. Und die Woidboyz würden sich nur zu gern mit einem Gefallen revanchieren. Sofort beginnt ihr Team, sich durch die Ebersberger Fahrschulen zu telefonieren und stößt dabei bald auf die Spedition Reischl. Dort habe man gerade ein paar Laster herumstehen. "Ihr spinnt's ja", sagt Riederer ungläubig. "Ziag' dein schönstes Trucker-Outfit an", erwidert Kellerlmeier. Dann ziehen sie zu viert los, die Zahnbürste noch in der Brusttasche.

Michaela Riederer schenkt eine Zahnbürste her und wird dafür belohnt: Sie darf endlich einmal Laster fahren.

(Foto: Christian Endt)

Georg Reischl ist zunächst skeptisch, aber als sich herausstellt, dass es sich um eine Bekannte handelt, genehmigt er gern eine Ausnahme. "Normal machen wir sowas nicht, aber die Frau Riederer ist ja aus unserer Nachbarschaft", erklärt der Spediteur. "Normal erfüllen wir auch keine Träume", sagt daraufhin die TV-Produzentin Carolin Lorenz. Michaela Riederer traut ihren Augen kaum, als der Laster für sie vorgefahren wird. Die Bedienung des mächtigen Gefährts wird ihr erklärt, die Woidboyz nehmen schon vorsorglich Abschied von ihrer tollkühnen Stuntfrau. Aber Michaela Riederer hat den Brummi ganz im Griff, als sie ihre großen Runden auf dem Parkplatz der Spedition dreht und stetig an Geschwindigkeit zulegt. Immer, wenn sie die Woidboyz sieht, drückt sie kräftig auf die laute Hupe. "Nicht winken, du sollst lenken!", ruft Uli Nutz.

"Zum Probieren war's schee", sagt Riederer danach. "Hat sich rentiert, dass ich eich in d'Wohnung g'lassen hab." Rentiert hat es sich auch für die Woidboyz, die nun um eine Zahnbürste und eine Geschichte reicher sind. Bevor sie aber wieder den Daumen in die Luft recken, wollen sie in Ebersberg noch sehen, was man ihnen auf Facebook empfohlen hat. Im Klostersee hatten sie am Montagmorgen schon gebadet. Die weiteren Vorschläge der Fans: die Hubertuskapelle, der Aussichtsturm - und natürlich der Ebersberger Woid.

"Woidboyz on the Road", ab 11. Mai immer donnerstags, um 23.15 Uhr im BR Fernsehen. Die Ebersberger Folge läuft am 25. Mai.