Amazon kommt ins Gewerbegebiet bei Moosburg Amazon darf bauen

Eine Logistikhalle samt Büro, Technikgebäude und Parkdeck will der Internetversandhändler Amazon im Gewerbegebiet Degernpoint errichten und darf das auch.

(Foto: Uwe Zucchi/dpa)

Der Moosburger Bauausschuss hat dem Antrag des Internetversandhändlers zugestimmt, der in Degernpoint eine Logistikhalle samt Büro und Technikgebäude errichten will. Doch das Projekt ist nicht unumstritten

Von Alexander Kappen, Moosburg

Der Internetversandhändler Amazon darf im Moosburger Gewerbegebiet Degernpoint eine Logistikhalle samt Büro, Technikgebäude und Parkdeck errichten. Der Bauausschuss stimmte in seiner Sitzung am Montagabend einem entsprechenden Antrag zu, auch wenn das Projekt nicht unumstritten ist. Dritter Bürgermeister Michael Stanglmaier, Evelin Altenbeck (beide Grüne) und Stefan John (Linke) votierten gegen das neue Verteilerzentrum des Internet-Riesen.

Die klare Mehrheit des Gremiums folgte der Auffassung von Bürgermeisterin Anita Meinelt (CSU), die sagte: "Baurechtlich ist das dort schlicht und ergreifend richtig angesiedelt." Das betreffende Quartier ist als Industriegebiet ausgewiesen. Auf dem insgesamt rund 30 600 Quadratmeter großen Grundstück soll laut Planung eine 65 mal 103 Meter große Halle mit einer Wandhöhe von knapp zwölfeinhalb Metern entstehen. Im Osten schließt ein Bürogebäude mit einer Breite von rund 13 Metern an, im Westen der Halle sind die Techniknebengebäude geplant. Im nördlichen Bereich des Grundstücks wird ein Parkhaus mit vier Ebenen gebaut. Es hat eine Grundfläche von 39 mal 121 Metern und ist genauso hoch wie die Halle. In dem Parkhaus haben 281 Kleintransporter Platz. Zwischen Parkhaus und Halle ist eine Fläche zum Verladen der Vans vorgesehen, vor dem Bürogebäude sind 88 Auto-Stellplätze geplant. Laut Bauverwaltung ist das Vorhaben mit dem Landratsamt abgestimmt, das auch die erforderlichen Befreiungen vom Bebauungsplan mittragen will. So werden etwa die Baugrenzen und die zulässigen Wandhöhen geringfügig überschritten und ein Gehölzstreifen an die östliche Grundstücksgrenze verschoben.

In dem Verteilerzentrum, von dem aus Amazon in Eigenregie Waren zum Kunden ausliefern möchte, soll an sechs Tagen pro Woche je 24 Stunden gearbeitet werden - nicht zuletzt nachts. In der Nachtschicht sind 103 Mitarbeiter im Einsatz, in der Frühschicht 85 und in der Spätschicht 23. Amazon plant, das Verteilerzentrum bereits am 4. November 2019 in Betrieb zu nehmen.

"Auch wenn das Vorhaben baurechtlich, bis auf die Befreiungen, so möglich ist, sehen wir das nicht so positiv", sagte Michael Stanglmaier im Namen seiner Grünen-Fraktion. "Parkplätze für knapp 300 Sprinter und die meisten Aktivitäten in der Nacht - das bedeutet nachts eine große Verkehrs- und Lärmbelastung. Wir stehen dem ablehnend gegenüber", sagte Stanglmaier. Auch dass man noch einmal extra eine Fläche für 88 Auto-Stellplätze versiegele, wenn man eh schon ein Parkhaus baue, "ist nicht zeitgemäß". Die zu erwartende Gewerbesteuer sei vergleichsweise minimal. Seinen Recherchen zufolge dürfte es "nicht mehr als ein hoher fünfstelliger oder ein niedriger sechsstelliger Betrag sein", rechnete Stanglmaier vor: "Die Stadt hat nur Nach- und keine Vorteile." An anderen Standorten von Amazon gebe es Probleme mit zugeparkten Straßen, gab Stefan John zu bedenken. "Und die Entscheidung von Amazon, von DHL wegzugehen und selbst auszuliefern, bringt nur Lohn-Dumping, da draußen entstehen prekäre Arbeitsverhältnisse."

Sie verstehe das alles, "aber für uns zählt nur das Baurecht", entgegnete die Bürgermeisterin. SPD-Sprecher Gerd Beubl hatte zwar ebenfalls Bedenken, führte aber wie Meinelt das Baurecht ins Feld: "Wenn wir das Einvernehmen verweigern, ersetzt es das Landratsamt." Und die entstehenden Jobs "sind vielleicht nicht die besten Arbeitsplätze, aber es sind wenigstens Arbeitsplätze". Karin Linz(CSU) stellte die Frage in den Raum: "Wollen wir in Moosburg wirklich immer alles verhindern?" Wenn Amazon nicht in Degernpoint baue, "dann bauen die halt woanders - ich finde, da passt das genau hin".