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Allgemeinmediziner Wolfgang Krombholz:Kooperation statt Revolution

"Das ist schon eine Aufgabe": Der Isener Allgemeinmediziner Wolfgang Krombholz ist kommissarischer Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes.

Wolfgang Hoppenthaller ist nach der gescheiterten Revolte der bayerischen Hausärzte in Nürnberg von der Verbandsspitze zurückgetreten. Bis zur Wahl eines neuen Vorsitzenden leitet sein Stellvertreter Wolfgang Krombholz, in Isen niedergelassener Allgemeinarzt, kommissarisch die Geschäfte.

WFH- Ratssaal, CSU, Markus Söder über Gesundheitspolitik

Der Isener Arzt Wolfgang Krombholz ist kommissarischer Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes.

(Foto: Angelika Bardehle)

Hoppenthaller hatte die Hausärzte dazu aufgerufen, aus dem System der Kassenärztlichen Vereinigung auszusteigen. Mit einer Quote von mindestens 60 Prozent wollte er Verhandlungen über längerfristige Verträge für die Hausärzte erzwingen. Bayernweit wollten den Aufstand nur etwas mehr als 42 Prozent der niedergelassenen Hausärzte mittragen, im Landkreis Erding waren es 45 Prozent.

Für Krombholz ein deutliches Zeichen an Politik und Kassen: "Die Hausärzte sind nicht nur sauer auf das System, sondern haben tatsächlich ihre Verzichtserklärung eingeworfen. Wir haben sie nur nicht weitergegeben, weil die 60 Prozent nicht erreicht wurden. Die Abstimmung hat gezeigt, dass etwas passieren muss."

Krombholz hat Verständnis für die Entscheidung Hoppenthallers, für nötig habe er den Rücktritt nicht befunden. Die Mehrbelastung für sich selbst nimmt er bereitwillig in Kauf: "Das ist schon eine Aufgabe." Aber der Bayerische Hausärzteverband sei wohl am besten organisiert und überhaupt ein starker Partner. "Jetzt muss die Verantwortung weitergetragen werden."

Der Protest der Hausärzte richtet sich gegen den Plan der Bundesregierung, das Vergütungsniveau in der hausarztzentrierten Versorgung auf das geltende Honorarniveau im System der Kassenärztlichen Vereinigung abzusenken. Bereits im August hatte der Erdinger Allgemeinarzt Christian Sulger moniert, dass dadurch sein Honorar pro Kassenpatient und Quartal um 30 Prozent sinken würde.

Das Argument, den Kassen würden die Finanzmittel fehlen, lässt Krombholz nun nicht gelten: "Da geht es um ein halbes oder ein Prozent, das die Kassen in die Pleite treiben soll. Das ist nicht nachzuvollziehen." Doch mit der Kürzung würde einer kompletten Versorgungsebene die ökonomische Basis entzogen.

Bei der Suche nach Lösungen gehe es daher um zwei wesentliche Dinge: Zum einen müsse für die Patienten diese Versorgungsebene erhalten bleiben. Zum anderen sollten Praxen von der hausärztlichen Arbeit leben können. Krombholz sorgt sich um den Nachwuchs: "Mit 5000 Euro brutto zum Leben und Tilgen einer Investition für die Praxis in Höhe von 100.000 Euro hält man die jungen Ärzte nicht im Land."

Die Übergabe an die nächste Generation - im Landkreis gehen in absehbarer Zeit 30 bis 40 Prozent der niedergelassenen Hausärzte in Rente - könne durchaus "ins Leere laufen". Krombholz fordert eine Perspektive, mit der sich solche Investitionen tragen ließen.

Grundsätzlich müsse sich die Gesellschaft aber erst entscheiden, ob sie die hausärztliche Versorgungsebene noch wolle. "Ein zugesicherter Bestandschutz von Verträgen sagt nichts aus, wenn für Großinvestoren die Möglichkeit besteht, groß einzusteigen und den Markt zu übernehmen", so Krombholz.

Als eine seiner ersten Amtshandlungen hat Krombholz einen Brief an den Bayerischen Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) verfasst. "Wir haben unsere Kooperation angeboten und hoffen auf ein positives Echo."