Süddeutsche Zeitung

Alle wollen Ski fahren:Wintervergnügen

Auch in Zeiten des Klimawandels ist das Interesse an Skikursen konstant. Es ist nicht nur der Spaß am Sport, sondern die Möglichkeit, überhaupt noch Winter zu erleben

Mit dem Winter bieten Vereine und Skiclubs im Landkreis wieder Skikurse für Anfänger an. Das Interesse ist weiterhin da, sagen die Vereine, obwohl in den vergangenen Jahren einige von ihnen mit Problemen gekämpft hatten. Auch Christian Loy, der Vorsitzende des etwa 850 Mitglieder starken Skiclubs Erding, freut sich über eine "erstaunlich hohe Nachfrage" in diesem Jahr. "Es ist schon bemerkenswert, dass konstant 130 bis 150 Kinder und Jugendliche teilnehmen", sagt Loy. Dies sei umso erstaunlicher, da der Aufwand für die Kursteilnehmer mit einer langen Busfahrt enorm hoch sei: "Wir starten um halb sieben in der Früh und kommen erst gegen sechs Uhr abends zurück." Er vermutet, dass die hohe Nachfrage mit dem Zuzug in die Region Erding zusammenhängen könnte.

Ein Risiko aufgrund mangelnden Schnees gibt es bei den Ausflügen des Skiclubs Erding kaum. Man fahre seit mehr als zwanzig Jahren nach St. Jakob im Pillerseetal. Dort gibt es Bescheinungsanlagen, sagt Loy. "Das ist für uns super. Auch für die Kursteilnehmer ist das Skigebiet bestens geeignet, da es einen großen Park für Kinder gibt." Das Interesse am Rennteam sei ebenfalls konstant, versichert Loy. "Seit etwa 15 Jahren haben wir eine Gruppe von zehn bis 15 Jugendlichen, die regelmäßig an den Trainings teilnehmen und Rennen fahren." Der Aufwand ist für die Teammitglieder aufgrund des weniger werdenden Schnees nicht größer als früher. Weil das Training bereits im Herbst beginne, sei man es gewohnt, ins Stubaital auf den Gletscher zu fahren.

Für den Skiclub Dorfen geht es ebenfalls nach St. Jakob im Pillerseetal. Die Nachfrage ist von Kursgruppe zu Kursgruppe verschieden, wie der Vorsitzende Rudi Braun sagt. "Vor allem im Kleinkinderbereich ab drei Jahren haben wir viele Anmeldungen." Bei den etwas älteren Gruppen sei die Tendenz eher rückläufig. "Das kann auch daran liegen, dass die Älteren schon Skifahren können und dann keine Kurse mehr belegen", so Braun. Ein finanzielles Risiko bestehe, wenn wie vor zwei Jahren ein Kurs wegen zu wenigen Anmeldungen abgesagt werden müsse. "Wir bezahlen die Ausbildung der Lehrer. Da ist es für uns natürlich nicht optimal, wenn sie dann nicht zum Einsatz kommen", sagt Braun.

Mit etwa 1500 Mitgliedern ist der Skiclub Dorfen nicht mehr so groß wie in der Vergangenheit. Vor einigen Jahren waren es schon einmal 1700 Mitglieder, sagt Braun. Viele ältere Mitglieder treten aus, wenn sie keine Skikurse mehr benötigen. Auch die sommerlichen Angebote wie Bergwandern erfreuen sich nicht mehr so großer Beliebtheit. "Viele Menschen schauen da lieber spontan in der Früh, ob sie zum Wandern gehen. Die wollen keine festen Termine", meint Braun. Mit ähnlich Problemen kämpft auch Christian Loy vom Skiclub Erding: "Die Menschen sehen den Verein mehr als Dienstleister. Meiner Meinung nach bleibt die Vereinsmentalität da etwas auf der Strecke."

1500 Mitglieder

hat der Skiclub Dorfen, eine enorm große Zahl. Der Dorfener Verein ist damit der größte Skiclub im Landkreis - und war sogar schon mal noch größer. Etwa 1700 Mitglieder waren es vor einigen Jahren.

Georg Kreuzer, der Vorsitzender des Ski-Clubs Buch, hofft, dass es zu Beginn der Weihnachtskurse genügend Schnee in den Bergen gibt. In der Regel geht es für die Skifahrer aus Buch nach Wildschönau. Sollte es aber nicht genügend geschneit haben, sei Scheffau das Ziel, so Kreuzer. Finanziell sei das Ausweichziel für den Skiclub eine Belastung. "Wir bieten Festpreise für unsere Kurse an. Bei einem großen Skigebiet wie Scheffau sind aber die Skipässe teurer. Das bleibt dann an uns hängen", sagt Kreuzer. Das Interesse an den Skikursen ist ihm zufolge ebenso wie die Mitgliederzahlen in den vergangenen Jahren "relativ konstant" geblieben. Derzeit zählt der Ski-Club Buch rund 450 Mitglieder. Im Sommer setzt der Verein inzwischen auf Bergtouren. "Wir müssen langfristig planen. Man kann nicht sagen, ob das Ganze in zehn Jahren mit den schwierigen Schneeverhältnissen noch so leicht zu bewerkstelligen ist", meint Kreuzer.

Auf eine lange Tradition blickt die Sektion Taufkirchen des Deutschen Alpenvereins (DAV) zurück. Seit mehr als vierzig Jahren bietet der Verein nun schon Skikurse für die Mitglieder an, auch wenn es in den vergangenen Jahren nicht mehr so gut gelaufen sei, wie der zweite Vorsitzende Hans Eisgruber mitteilt. "Die Anmeldezahlen waren schon bedenklich gering." In diesem Jahr sei es aber wieder deutlich besser gewesen. Es gebe viele junge Familien mit sportlichen Eltern, die zudem die finanziellen Möglichkeiten hätten, um ihr Kind zu einem Kurs anzumelden.

Laut Eisgruber will die rund 1200 Mitglieder starke DAV Sektion Taufkirchen kein Geld mit den Kursen verdienen. "Das ist halt ein Angebot an unsere Mitglieder. Wenn die Nachfrage zurückgeht, dann werden wir die Kurse eben nicht mehr machen", sagt er. Auch die Skigebiete würden je nach Wetterlage relativ spontan gewählt werden. Zudem werden häufig die Skipässe erst vor Ort gekauft. "Somit haben wir kein finanzielles Risiko", sagt Eisgruber.

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Quelle:
SZ vom 22.12.2018
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