Alkoholmissbrauch:Im Vollrausch auf die Intensivstation

Trinken bis zur Bewusstlosigkeit: 60 Kinder und Jugendliche mussten 2010 wegen Alkoholmissbrauchs im Erdinger Krankenhaus behandelt werden.

Thomas Daller

2010 sind 60 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen zwölf und 19 Jahren mit einer Alkoholvergiftung in der Intensivstation des Erdinger Kreiskrankenhauses gelandet. 37 Burschen und 23 Mädchen mussten stationär behandelt werden. Prof. Dr. Hans Peter Emslander, Ärztlicher Direktor des Kreiskrankenhauses, erkennt dennoch einen positiven Trend: Seit 2007, als man begonnen habe, diese Zahlen statistisch zu erfassen, zeichne sich ein leichter Rückgang ab.

Jugendliche saufen sich immer öfter ins Krankenhaus

Die Zahl der Jugendlichen, die im vergangenen Jahr mit einer Alkoholvergiftung ins Erdinger Kreiskrankenhaus eingeliefert wurden, ist im Vergleich zu den Vorjahren leicht gesunken.

(Foto: dpa)

Außerdem habe man es im Jahr 2010 mit keinen Wiederholungsfällen zu tun gehabt. Dennoch gebe es auch einen negativen Trend: Die Altersgrenze der Patienten, die in Zusammenhang mit Komasaufen behandelt werden müssten, verschiebe sich nach unten. Vor einem Jahr hat die Abteilung Gesundheitswesen im Landratsamt zusammen mit der Kreisklinik das Projekt "Halt" gestartet; die Abkürzung steht für "Hart am Limit".

Anlass war die traurige Tatsache, dass nicht nur bundesweit, sondern auch im Landkreis Erding die Zahl der durch Alkohol vergifteten Jugendlichen in den vergangenen Jahren gestiegen ist. Im Jahr 2008 mussten im Landkreis Erding 67 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 14 und 21 Jahren auf der Intensivstation therapiert werden, im Jahr 2009 mussten sogar zwei Zwölfjährige intensivmedizinisch behandelt werden.

Im Rahmen des Halt-Projekts wurde zum einen auf eine konsequente Umsetzung des Jugendschutzgesetzes bei Festveranstaltungen, in Gaststätten und im Handel gedrängt, zum anderen richteten Fachleute einen "Brückendienst" ein: Die betroffenen Jugendlichen sollten, soweit die Eltern die Ärzte von ihrer Schweigepflicht entbinden, noch im Krankenhaus von Sozialpädagogen aufgesucht werden, die dafür in Rufbereitschaft stehen.

Dabei sollte nicht nur den Jugendlichen, sondern auch den Eltern ein Gespräch angeboten werden. Die Sozialpädagogen sollten helfen, das Geschehene zu verarbeiten und ihnen "Risikokompetenz" vermitteln. Bei Bedarf, so die Intention, sollten die Jugendlichen und eventuell ihre Familien in umfassendere Hilfsangebote eingebunden werden.

Dieser Brückendienst ist im Jahr 2010 trotz der 60 Fälle nur dreimal tätig geworden. In zwei Fällen waren auch die Eltern mit dabei. Emslander erläuterte, dass man die Eltern über diese Hilfsangebote auch in allen anderen Fällen informiert habe, " aber nur sehr wenige Eltern haben sie in Anspruch genommen" und die Ärzte von ihrer Schweigepflicht entbunden. Das Halt-Projekt sei aber nicht an einer mangelnden Unterstützung der Eltern gescheitert, betonte Emslander.

Denn insbesondere dieser Brückendienst richte sich an Kinder, die chronische Alkoholprobleme hätten und schon mehrfach mit einer Alkoholvergiftung auf der Intensivstation gelandet seien. Und weil es in diesem Jahr keine Wiederholungsfälle gegeben habe, hätten auch die meisten Eltern keine Notwendigkeit gesehen, die Hilfe des Brückendienstes in Anspruch zu nehmen.

Darüber hinaus erläuterte Christina Centner, Pressesprecherin des Landratsamtes, es habe im November und Dezember zwei erlebnispädagogische Freizeiten mit Jugendlichen gegeben, die im Rahmen des Halt-Projekts angeboten werden.

Insgesamt sieben Jugendliche habe man in das Indoor-Tauchzentrum Divers eingeladen, um zu erfahren, wie man Spaß und kontrolliertes Risiko ohne Alkohol erleben könne. Dabei hätten die Betroffenen auch Freunde mitbringen können, die ebenfalls gefährdet seien, sagte Centner.

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