Isentalautobahn A 94:Nach uns die Sintflut!

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Planer, Genehmiger und Erbauer der Autobahn haben alle Hinweise auf den Entwässerunsgmurks beiseite gewischt - und werden es bei Beschwerden wieder so machen.

Kommentar von Florian Tempel

Der neuerliche A-94-Skandal macht einmal mehr die Rücksichtslosigkeit deutlich, mit der die Isentalautobahn geplant, durchgesetzt und gebaut wurde. Nach willkürlichen Planänderungen, die den Lärmschutz von A-94-Anwohnern einer angeblich schöneren Optik von Betonbrücken opferten, schlägt die freche Nulllösung bei der Entwässerung in Kaidach dem Fass den Boden aus. Es ist schockierend, mit welcher Ignoranz die Planer, Genehmiger und Erbauer der A 94 hier vorgegangen sind. Wohin mit dem Wasser von der Autobahn? Egal! Lass es laufen, wohin es will, über private Grundstücke und Äcker, ab in den nächsten Bach und rein nach Schwindkirchen. Nach uns die Sintflut!

Ein derart zynisches Vorgehen macht einen fassungslos. Aber man versteht schon, warum alle Warnungen und Hinweise beiseite gewischt wurden. Wäre man darauf eingegangen, hätte man ja eine Lösung finden müssen. Wer solchen Murks verantwortet, kann das nur nach dem Motto "Augen zu und durch" machen.

Genauso schlimm ist, dass kaum Hoffnung auf Besserung besteht

Genauso schlimm wie der bereits passierte Pfusch ist jedoch, dass kaum Hoffnung auf Besserung besteht. Heiner Müller-Ermann hat es im Dorfener Umwelt- und Klimaausschuss blitzschnell analysiert. Die Isentalautobahn ist als sogenanntes ÖPP-Projekt realisiert worden. Die Abkürzung steht für öffentlich-private Partnerschaft. Ob ÖPP-Projekte, wie vor allem CSU-Politiker behaupten, der öffentlichen Hand tatsächlich Geld sparen, ist äußerst fraglich. Wahrscheinlicher ist, das so vor allem Billiglösungen gebaut werden. Doch es geht bei ÖPP eben nicht nur ums Geld. Ein unguter Aspekt ist, dass die öffentliche Kontrolle ausgehöhlt wird. Es gibt keinen funktionierenden Beschwerdeweg.

Planer, Genehmiger und Erbauer haben leichtes Spiel, sich immer mit Hinweis auf einen anderen rauszuhalten. Das läuft so: Die Genehmiger sagen, wir haben darauf vertraut, was die Planer vorgelegt haben. Die Planer sagen, die Ausführung lag nicht in unserer Hand. Die Erbauer verweisen auf die genehmigte Planung, an die sie sich gehalten hätten. Auf diese Weise lässt der Staat seine Bürger im Regen stehen.

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