Süddeutsche Zeitung

65 neue Wohnungen:Mieter im Anmarsch

Mit ihrer neuen Anlage lindert die Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises die Not in der Region wenigstens ein Stück weit. Auf staatliche Förderung wurde verzichtet, weil die vielen Vorschriften das Bauen noch teurer macht

Von Antonia Steiger, Erding

Wer eine der 65 neuen Wohnungen besichtigen wollte, musste seine Schuhe ausziehen: Am Mittwoch hat die Wohnungsbau- und Grundstücksgesellschaft des Landkreises Erding, an der neben dem Landkreis 21 Gemeinden beteiligt sind, zur Einweihung der neuen Wohnungen eingeladen. Sie sind verteilt auf sieben Häuser im Baugebiet Südlicher Thermengarten in Erding. Die ersten sind schon fertig, 45 bereits vermietet. Die ersten Mieter wurden schon am Mittwoch erwartet. Bis zum Jahresende sollen alle belegt sein, erklärte Jakob Schwimmer (CSU) den Gästen. Schwimmer war Bürgermeister in St. Wolfgang, Landtagsabgeordneter und Fraktionssprecher der CSU im Kreistag. Jetzt ist er seit 1. September Aufsichtsratsvorsitzender der Wohnungsbaugesellschaft und durfte zur Einweihung laden.

Die Gesellschaft hat für die Anlage 14,5 Millionen Euro investiert, wie Schwimmer sagte, davon waren 13,5 Millionen reine Baukosten, der Rest fiel für die Erschließung, Gebühren, Notariatskosten und anderes an. Die Miete liegt bei 9,50 Euro pro Quadratmeter, die Baukosten bei 3000 Euro pro Quadratmeter. Man habe auf eine staatliche Förderung verzichtet, sagte Schwimmer mit Blick auf die CSU-Landtagsabgeordnete Ulrike Scharf. Alle Vorschriften zu beachten, die mit einer staatlichen Förderung einhergehen, mache das Bauen nur noch teurer, sagte er. Scharf gab er mit auf den Weg, sich für eine Entbürokratisierung einzusetzen, damit die öffentliche Hand sich leichter tue, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Nicht ohne Stolz verwies Schwimmer auf die Erfolge der Wohnungsbau- und Grundstücksgesellschaft, die vor dreißig Jahren von Xaver Bauer gegründet wurde, dem Vorgänger von Martin Bayerstorfer, beide CSU, im Amt des Landrates. Mittlerweile besitze die Gesellschaft 214 Wohnungen in Erding, Isen, Taufkirchen und Dorfen mit einer Fläche von insgesamt 15 500 Quadratmeter. In den sieben Gebäuden am Thermengarten wurden 65 Wohnungen mit zwei, drei oder vier Zimmern geschaffen. Sie haben laut dem Geschäftsführer Mathias Vögele Grundflächen zwischen fünfzig und neunzig Quadratmeter. Am Südlichen Thermengarten wurde damit auf 4500 Quadratmeter neuer Wohnraum geschaffen. Den Grund hat die Gesellschaft von der Stadt Erding zur Verfügung gestellt bekommen.

Wer in eine der Wohnungen einzieht, hat die Möglichkeit, sie später auch zu kaufen. Das Modell des Mietkaufs sieht laut Schwimmer vor, dass der Bewohner nach 15 Jahren seine Wohnung kaufen kann, und zwar zum jetzigen Preis und unter Anrechnung der bis dahin gezahlten Mietkosten. Auch so ließe sich die Altersarmut eingrenzen in einem Land, in dem die Eigentumsquote besonders niedrig sei, wie Bayerstorfer sagte, der frühere Vorsitzende der Gesellschaft.

Das Modell habe Pilotcharakter, "aber das sind wir in Erding ja gewohnt". Die Wohnungsbaugesellschaft will weiteren Wohnraum schaffen. Für ein Projekt in Wartenberg seien die Verträge unterschriftsreif, dort entstehen demnach sechs bis acht Einheiten. Es sollen weitere hinzukommen, spruchreif sei das aber noch nicht. Zuletzt hat die Gesellschaft in Taufkirchen 18 Einheiten geschaffen.

Etliche Gäste ließen sich dann die neuen Häuser zeigen. Alle haben Terrasse oder Balkon, die Böden sind mit PVC belegt und die Tiefgarage ist gepflastert, weil Probleme mit dem Grundwasser nicht erwarten werden.

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Quelle:
SZ vom 01.10.2020
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