Er spielte den Paul in Katzelmacher:Fassbinders Freund

Lesezeit: 2 min

Rudolf Waldemar Brem, 2015

Rudolf Waldemar Brem starb am Donnerstagnachmittag in München. Er wurde nur 67 Jahre alt.

(Foto: Robert Haas)

Der Schauspieler Rudolf Waldemar Brem ist tot

Von Viktoria Großmann

Zum "Katzelmacher" ins Volkstheater hat es Rudolf Waldemar Brem nicht mehr geschafft. Der "Paul" in Rainer Werner Fassbinders Film von 1969 war seine erste Kinorolle. Während der Premiere der neuen Theater-Inszenierung war Brem in Wiesbaden und präsentierte seinen letzten Kinofilm. Seine Hauptrolle in dem Absolventenprojekt "Trash Detective" war eine späte Emanzipation und zugleich eine weitere Hommage an den Freund Fassbinder, eine Freundschaft, die Brem ein Leben lang nicht losgelassen hat.

"Urknall" nannte Brem den Katzelmacher und meinte damit alles: Fassbinders Karriere, seinen Einfluss auf alle nachkommenden Film- und Theaterautoren und Regisseure. Er meinte auch sich selbst. Auch wenn seine Karriere begrenzt blieb. Im Kellertheater an der Müllerstraße in München lernte Brem Fassbinder kennen. Er ging noch aufs Gymnasium, als er 1966 in der Studentenkneipe auftauchte, um einen Artikel für die Schülerzeitung zu schreiben. Fassbinder gab ihm eine Nebenrolle in "Leonce und Lena" und Rudi als Jüngster wurde Teil der Fassbinder-Clique. Als Fassbinder 1974 München verließ, blieb Brem zurück. Heiratete, bekam einen Sohn, spielte weiter Theater. Bei Peymann in Hamburg, bei Zadek in Bochum, dann wieder in München am Volkstheater und als Ensemblemitglied am Residenztheater. Seit 2007 trat Brem regelmäßig in Wunsiedel bei den Luisenburg-Festspielen auf.

Mit "Trash Detective" wollte er noch einmal auf die große Bühne. Mehr Aufmerksamkeit hatte er nie: Als versoffener, rauchender, fluchender Dorf-Außenseiter unter Mordverdacht ist Brem in jeder Einstellung zu sehen. Akribisch lernte er schwäbische Mundart, ließ sich kopfüber an Fleischerhaken hängen und watete in einen halb zugefrorenen See. Seine Professionalität schrieb er weder den Theaterjahren noch der Schauspiel-Ausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule in den Sechzigern zu. "Die gute Fassbinder-Schule", nannte er das. "Sehr, sehr brav und folgsam sein", habe sie ihn gelehrt. Fassbinder habe er "grenzenlos vertraut". So wollte er auch anderen Regisseuren begegnen.

Während der Dreharbeiten erkrankte Brem an Lungenkrebs. Den Film wollte er unbedingt fertig stellen. Der Dreh, die Premiere, die Nominierung auf dem Fernsehkrimifestival schienen ihm Auftrieb zu geben. In diesem Jahr wollte Brem sein 50. Bühnenjubiläum feiern, mit einer Doppelaufführung von "Trash Detective" und "Katzelmacher" - und einem Vortrag über seine "Urknall-Theorie". Brem wollte eine "Fassbinder-Essenz" hinterlassen: Er wollte noch Stücke von ihm inszenieren, darunter ein unaufgeführtes, das der Freund ihm geschenkt hatte. Noch vergangene Woche redete er in einem Gespräch mit der SZ über "Katzelmacher" den Volkstheater-Regisseur Abdullah Kenan Karaca beinahe an die Wand. Brem lief die Zeit davon. Karacas Inszenierung wollte er unbedingt sehen. Man wunderte sich am Donnerstagabend im Volkstheater, dass Brem und seine Frau ihre Plätze nicht besetzten. Es ging ihm rapide schlechter. Am Donnerstagnachmittag ist Rudolf Waldemar Brem in seiner Wohnung in München im Kreis seiner Familie gestorben. Er wurde 67 Jahre alt.

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