Entwürfe für den Max-Joseph-Platz Piazza statt Verkehrshölle

Alles grün? Oder doch lieber ein aufregendes Lichtkonzept? Studenten haben sich Gedanken über die Neugestaltung des Max-Joseph-Platzes gemacht.

(Foto: TUM)
  • Herrliche Kulisse, triste Fläche: Der Max-Joseph-Platz vor der Oper soll umgestaltet werden.
  • Auf Initiative der Staatsoper haben angehende Landschaftsarchitekten der TU München Ideen für eine Neugestaltung des Platzes entwickelt.
  • Manche sehen Baumbepflanzung vor, andere ein Modell wie am Gartnerplatz. Einig sind sich alle, dass der Platz autofrei werden soll.
  • Wann die Entwürfe besichtigt werden können, lesen Sie am Ende des Textes.
Von Alfred Dürr

Einer der herausragendsten Plätze in der Altstadt mit der Kulisse der Oper, dem Residenztheater, dem Residenzbau selbst oder mit der zum prächtigen Palais modernisierten ehemaligen Hauptpost und der Straßenzeile mit den alten Bürgerhäusern ist zu einer öden Verkehrsdrehscheibe verkommen. Mitten über den Max-Joseph-Platz erstrecken sich die Ein- und Ausfahrt für die Opern-Tiefgarage. Über die Pflasterung mit großen Kieseln rund um das Denkmal kann man kaum laufen. Busse halten direkt vor dem Eingang zur Oper. Seit Jahrzehnten wird der städtebauliche Missstand beklagt, konkret passiert ist nichts. Auf Initiative der Staatsoper haben angehende Landschaftsarchitekten der TU München Ideen für eine Neugestaltung des Platzes entwickelt, die nun vorgestellt wurden.

Wie ein roter Faden zieht sich durch die Arbeiten, dass der Autoverkehr vom Platz verschwindet. Er soll ein attraktiver Ort des Verweilens werden. Verschiedene Entwürfe schlagen eine neue Gliederung der Fläche vor: etwa mit einer erhöhten Platzmitte oder mit Baumreihen. Auch Bänke und Stühle könnten neue Ruhezonen für die Passanten schaffen. Die Elemente müssten beweglich sein, denn auch künftig soll Raum für große Veranstaltungen wie etwa "Oper für alle" vorhanden sein.

Interessante Ansätze gibt es beim Umgang mit der Tiefgarage. Einige Konzepte sehen deren Beibehaltung vor, andere die Beseitigung oder den Umbau zu einer Einkaufspassage, zu Lagerräumen, zu Kultureinrichtungen oder zu Künstlerateliers.

Neugestaltung des Max-Joseph-Platzes - Ein Platz in neun Entwürfen

Grün und parkähnlich, wie der Gärtnerplatz oder in modernem Licht: Der Max-Joseph-Platz vor der Oper soll neu gestaltet werden. Das sind einige der Entwürfe.

Für die Studierenden sei eine Neugestaltung des Areals eine große Herausforderung gewesen, sagt Regine Keller, Landschaftsarchitektin und Inhaberin des Lehrstuhls für Landschaftsarchitektur und öffentlichen Raum an der TU München. Im Umfeld der Oper vollführe täglich eine Vielzahl von Bussen, Taxen, Straßenbahnen und Autos ein "komplexes Verkehrsballett". Es sei bedauerlich, dass der Platz zwar der Auftakt zur Fußgängerzone sei, nicht aber deren Bestandteil.

Das Opernhaus verschwinde geradezu hinter den Touristenbussen, sagt Opernintendant Nikolaus Bachler. Aber das sei nicht nur ein Thema der Besucher von Aufführungen. Die Initiative "Ein Platz für alle" richte sich an alle Bürger. Dazu gibt es nun auch eine Online-Petition, die von dem Geschäftsmann Ferdinand Hirmer angeregt wurde. Stadt und Land sollten sich endlich bewegen, "damit sich der Platz von der Verkehrshölle zu einem belebten, vitalen und sicheren Ort für die Münchner und die Besucher unserer wunderschönen Stadt wandelt".

Wovon die Umsetzung abhängt

Es gibt prominente Unterstützer. Dazu zählen Gerhard Polt, der Tenor Jonas Kaufmann, der Architekt Albert Speer, die Moderatorin Nina Ruge oder der Schauspieler Udo Wachtveitl. Die Gastronomen Michael Käfer und Stefan Kufler sind ebenfalls dabei, genauso wie Herzog Franz von Bayern. Auch Senta Berger, Roland Berger und Marcus H. Rosenmüller setzen sich für die Initiative ein. Nicht zuletzt zählen die Vertreter der Schlösserverwaltung und des Residenztheaters zu den Unterstützern.

Die Vorschläge der Studierenden können freilich nur wesentliche Impulse oder eine Planorientierung für einen schöneren Platz geben. Denn die Umsetzung hängt noch von einer Reihe von Faktoren - zum Beispiel den Forderungen der Denkmalschützer oder Verkehrsplaner - ab.

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Immerhin hat inzwischen ein Gespräch zwischen Nikolaus Bachler und Oberbürgermeister Dieter Reiter stattgefunden. Die beiden waren sich einig, dass etwas mit dem Platz passieren muss. Man wolle die kreativen Ideen der Studierenden nutzen. Das Planungs- und das Baureferat der Stadt sind beauftragt, ein Konzept zu erarbeiten. Dieter Reiter schwebt eine Piazza wie in Italien vor: An einer der schönsten Stellen der Stadt entsteht einer der schönsten Plätze zum Verweilen.

Die Entwürfe werden bis zum 31. Mai im Königssaal des Nationaltheaters gezeigt. Man kann sie mit Eintrittskarte im Rahmen der Vorstellungen besichtigen. Zusätzliche Termine (Eintritt frei): am 14., 21. und 28. März jeweils von 11 bis 14 Uhr sowie am 2. Mai, ebenfalls von 11 bis 14 Uhr.