Entwicklungshelferin Maria Dillmann:"Der richtige Weg für mich"

sueddeutsche.de: In Deutschland wurden Sie wieder in eine andere Welt katapultiert. Wie haben Sie Ihr Engagement aufrecht erhalten?

Massaisiedlung

Die Studentin Maria Dillmann hilft in einer Massaisiedlung.

(Foto: Foto: oh)

Dillmann: Ich hatte mit dem anderen deutschen Helfer Florian Schneider einiges geschafft während unserer Zeit in Tansania. Die Idee mit dem Verein ist uns schon in Endulen gekommen. Es war klar, dass wir das Krankenhaus gerne weiter unterstützen würden. Seit der Vereinsgründung im Februar 2008 sind wir in regelmäßigen Abständen immer wieder selbst in Endulen. Vor Ort können wir die Projekte, die wir anstoßen, besser verfolgen. Wir möchten selbst beurteilen, wo Not am Mann ist und Handlungsbedarf besteht. Wir möchten mit wenig Geld möglichst viel erreichen. Da wir selbst entscheiden, können wir auch Transparenz zu unseren Sponsoren aufbauen. Außerdem erzählt man von den einzelnen Projekten natürlich ganz anders, wenn man selbst Feuer gefangen hat.

sueddeutsche.de: Was waren bislang die größten Herausforderungen?

Dillmann: Viele meiner Freunde haben gedacht, dass ich mir mit dem Verein nur eine Flause in den Kopf gesetzt habe. Es ist mein Wunsch als Ärztin nach Tansania zu gehen und das nicht nur für ein halbes oder ganzes Jahr. Vielleicht für immer.

sueddeutsche.de: Gab es auch Momente, in denen Sie gerne alles hingeschmissen hätten?

Dillmann: Ja, aber diese Momente lassen mich nicht an dem Projekt an sich zweifeln. Das liegt eher daran, dass mir manchmal alles zu viel wird. Aber ich weiß, dass das der richtige Weg für mich ist.

sueddeutsche.de: Sie betonen die kulturellen Unterschiede - gab es auch deutsche Eigenheiten, die Ihnen gefehlt haben?

Dillmann: Ja, die Zuverlässigkeit und die Art zu Arbeiten. Die Geschwindigkeit und Zielstrebigkeit, mit der wir Deutschen arbeiten, die ist eine andere. Da es in Tansania auch sehr viel Korruption gibt, ist es noch schwieriger. Manchmal habe ich mir gedacht: "Jetzt gehen wir bitte nicht noch zum fünften Mal Tee trinken, das ziehen wir jetzt durch."

sueddeutsche.de: Das Erdbeben in Haiti zeigt, dass die Spendenbereitschaft der Deutschen zumindest nach großen Katastrophen sehr groß ist. Ist es schwierig für Sie, in Deutschland Unterstützer zu finden?

Dillmann: Insgesamt ist die Resonanz positiv, weil alle Spenden eins zu eins in unsere Projekte fließen. Es geht nichts verloren für Verwaltung und Bürokratie, wir machen alles ehrenamtlich. Längerfristige Unterstützung aufzubauen ist aber schwer.

sueddeutsche.de: Und wie war die Rückmeldung der Tansanier?

Dillmann: Ich erlebe immer wieder wahnsinnig bewegende Momente, in denen man eine tiefe Dankbarkeit der Massai merkt. Es ist eine andere Dankbarkeit, als wir sie kennen. In Tansania wird einmal Danke gesagt und dann geht die Person wieder. Du merkst aber an ihrem Verhalten in Zukunft oder an den Dingen, die sie ihren Freunden erzählt, wie groß die Dankbarkeit ist. Das zeigt auch der Name, der mir von Massaifrauen gegeben wurde. Er heißt übersetzt: "Das Mädchen, das geliebt wird".

Weitere Informationen unter www.endulen.de.

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