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Entschleunigung:15 Minuten nichts tun

Entschleunigung ist ein Schlüssel für eine zukunftsfähige Gesellschaft, sagt Katrin Peters. Um einen natürlichen Lebensrhythmus zu finden, müsse man auch mal nichts tun.

(Foto: Stephan Rumpf)

Katrin Peters lädt zu Münchens erstem Slow-Mob ein

Interview von Michael Bremmer

Eine Rückbesinnung auf verloren gegangene Lebensqualität verspricht ein Slow-Mob diesen Freitag, 19. Juni, von 17 Uhr an im Englischen Garten vor dem Monopteros. Wie das geht? Ganz einfach, durch bewusstes Nichtstun. Die Idee dazu hatte der Brasilianer Marcelo Bohrer, Gründer des Nadism-Club. Nada wie nichts. Unterstützt wird die Idee auch von Kommunikationsberaterin Katrin Peters, 38. Sie hat einen "Slow Down"-Stadtführer für München erarbeitet.

SZ: Heute schon mal nichts getan?

Katrin Peters: Ne, heute noch nicht.

Warum nicht?

Es war zu viel los. Nachher kommen auch noch Freunde zu Besuch. Aber vielleicht lässt sich eine Viertelstunde kollektives Nichtstun einrichten.

Eine Viertelstunde also.

Man denkt immer, man hat keine Zeit. Aber 15 Minuten reichen vollkommen aus, um die Gedanken zur Ruhe kommen zu lassen. Es ist eine kleine Auszeit. Und hinterher ist man mit mehr energiegeladen.

Was tut man denn, wenn man nichts tut?

Marcelo Bohrer, Gründer des Nadism-Club, hat das mal so erklärt: in die Luft gucken, Gedanken loslassen. Es geht darum, die Umgebung zwar wahrzunehmen, aber sich bewusst mal dem Sog der Anforderungen zu entziehen.

Ist das nicht fad?

Das Event ist auf eine Stunde ausgelegt, damit auch interessierte Passanten die Möglichkeit haben, mitzumachen. Jeder Einzelne ist eingeladen, mal eine Viertelstunde nichts zu tun. Mal sehen, wie lange die Leute im Endeffekt durchhalten.

Warum fällt es dem Menschen so schwer, mal nichts zu tun?

Dem Nichtstun haftet so ein negatives Schuldgefühl an. Wir sind ständig erreichbar und meinen deswegen, immer noch mehr leisten zu müssen. Auf die Idee, einen Gang runterzuschalten, kommen wir erst, wenn wir krank werden. Wenn wir Magenprobleme bekommen. Oder gleich einen Burn-out. Nichtstun gilt bei uns als Faulheit. Und das bedeutet: nicht gesellschaftsfähig.

Wenn ich meinem Chef mit Entschleunigung komme, reagiert er nicht sonderlich begeistert.

Das kann ich mir vorstellen. Entschleunigung ist in den meisten Unternehmensstrukturen noch nicht denkbar. Der Trend zeigt aber, dass sich viele Unternehmen Gedanken darüber machen, wie sie Burn-out vorbeugen können.

Der Slow-Mob ist ein Event zu Ehren des Offline-Status, heißt es in der Einladung. Ist das Internet an allem schuld?

Diese immerwährende Erreichbarkeit ist natürlich sehr verführerisch. Ständig online, ständig erreichbar, ständig kann man die To-do-Liste erweitern. Das kommt einer Virtualisierung des Lebens gleich, die Qualität der Mitmenschlichkeit leidet darunter. Von daher ist es wichtig, sich ganz bewusst zu entscheiden, offline zu gehen.

Das heißt, es gibt ein Handy-Verbot beim Slow-Mob?

Nein, es gibt bei uns keine Verbote. Aber eine Empfehlung.

© SZ vom 18.06.2015
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