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Entscheidung über Große Koalition:Ein Grokomat für die Genossen

Erste Regionalkonferenz der SPD-Führung

In Hamburg findet die erste Regionalkonferenz der SPD-Führung zur Abstimmung über die große Koalition statt: Ein SPD-Mitglied markiert mit Klebepunkten ihre Meinung zur Wichtigkeit von Fragen die sich auf die Große Koalition beziehen - der Grokomat wirkt da verlockend überschaubar, oder?

(Foto: dpa)

In München können SPD-Mitglieder per Mausklick erfahren, ob sie in die Regierung wollen. Das verwirrt selbst erfahrene Politiker.

Kolumne von Dominik Hutter

Man hat es nicht leicht. Eine anstrengende Entscheidung folgt auf die andere, und wenn ein Münchner auch noch SPD-Mitglied ist, muss er sich zusätzlich und pausenlos Gedanken über die große Koalition machen. Da bleibt kaum noch Zeit für anderes. Wie gut, dass es den früheren SPD-Bundestagskandidaten Bernhard Goodwin und den Ortsvereinsvorsitzenden vom Bavariaring, Marian Misch, gibt. Aufgrund eigener Ratlosigkeit haben die beiden an zwei Abenden mit Hilfe einer Open-Source-Software für Wahlomaten den Grokomaten programmiert. Unter www.grokomat.de kann auch der Nicht-Sozialdemokrat Thesen wie "Der Kompromiss zur sachgrundlosen Befristung ist nicht ausreichend" zustimmen, sie ablehnen oder neutral bewerten. Zum Schluss wird die Groko-Tauglichkeit des Eintippers bewertet.

Technik soll dem Menschen helfen, und für die Münchner Sozialdemokraten ist ein solches Hilfsmittel besonders wichtig, weil Andrea Nahles und Olaf Scholz zwar mit Werbung aus erster Hand durch die Republik touren. In München aber kommen die beiden nicht vorbei. Stattdessen wollen sie im Namen des Koalitionsvertrags in Ulm auftreten, was man im Billigflieger-Jargon wahlweise als Munich-West oder Stuttgart-East bezeichnen würde. So ist es wohl auch gemeint.

Diese räumliche Distanz aber ist gefährlich, da Kevin Kühnert, der Groko-Fresser von den Jusos, nicht ruht und anders als die Parteispitze keinen Bogen um München macht. Er kommt nächste Woche ins Steinheil in der Maxvorstadt. Allerdings ist die Zuhörerschaft an dieser Location ganz natürlich begrenzt: Denn es handelt sich nicht um eine Halle oder zumindest einen Saal, sondern schlicht um eine Kneipe, die für riesige Schnitzel bekannt ist. Die brauchen dann auch noch Platz.

Es läuft also doch auf den Grokomaten hinaus, den man bequem von jedem Sofa aus um Rat bitten kann. Zugegeben: Man merkt recht schnell, welche Antworten für und welche gegen eine große Koalition sprechen, dem Selbstbetrug ist somit Tür und Tor geöffnet. Der tendenziell eher Groko-skeptische Goodwin hat sich bemüht, mit professionellem Abstand zum eigenen Werk ein Grokomaten erzeugtes Bild seiner eigenen Meinung zu bekommen. Anschließend war er noch ratloser als zuvor. Da hilft dann nur noch eins: So lange rumprobieren, bis das gewünschte Ergebnis rauskommt.

Hinweis: Der Veranstaltungsort wurde mittlerweile verlegt. Das Treffen soll nun in den Münchner Stubn in der Bayerstraße stattfinden.

© SZ vom 19.02.2018/infu

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