Entscheidung München bezieht Wasser weiter aus Mangfalltal

Von Jasmin Siebert

Das Wasser, das aus Münchens Wasserhähnen fließt, stammt zu 80 Prozent aus Quellen im Mangfalltal, und das seit mehr als hundert Jahren. Seit mindestens zwanzig Jahren sorgt die geplante Erweiterung des Wasserschutzgebiets rund um die Gewinnungsanlagen für politischen Sprengstoff im Landkreis Miesbach. So durfte zum Beispiel ein Gewerbegebiet nicht vergrößert werden, weil stets die Frage nach einer Wasserschutzzone im Raum stand. Ehe die Erweiterung der Schutzzone von acht auf 16 Quadratkilometer nun endgültig beschlossen werden sollte, verlangte das Umweltministerium vom Landratsamt Miesbach sämtliche Umstände rund um die Wassergewinnung noch einmal eingehend zu prüfen. Die Ergebnisse wurden am Mittwoch vorgestellt. Das Ergebnis: Die Stadtwerke München dürfen ihre Anlagen im Mangfalltal auch weiterhin betreiben.

Es war immer wieder angezweifelt worden, ob die Altrechte, auf die sich die Stadtwerke beziehen, noch gültig sind. Thomas Eichacker, Jurist und Leiter der Abteilung Umwelt im Landratsamt Miesbach, hat Akten im Stadtarchiv gewälzt und ist zu dem eindeutigen Ergebnis gekommen, dass München tatsächlich das unbefristete Recht hat, Wasser aus dem Mangfalltal zu gewinnen. Allerdings darf nicht mehr Wasser abgeleitet werden, als die Anlagen 1907 hergegeben haben. Und das Recht ist weder unbeschränkt noch unwiderrufbar: Falls die Wasserversorgung privatisiert werden sollte oder die Versorgung von Nachbargemeinden einen zu großen Umfang einnehmen sollte, wären die Altrechte aufgehoben. Im Streit der vergangenen Jahrzehnte fiel wiederholt das Argument, München könnte sich mit Trinkwasser aus der sehr viel näheren südlichen Schotterebene versorgen. Doch Eichhacker stellte fest: "Andere Gewinnungsgebiete kommen nicht in Betracht." Aus der Schotterebene ließe sich nicht genug Wasser gewinnen, um München konstant zu versorgen. Auch Alternativen mussten verworfen werden. So wird aus Münchens Wasserhähnen auch künftig das extrem reine Wasser aus dem etwa vierzig Kilometer entfernten Mangfalltal fließen.