Entlassungen bei Hypo-Vereinsbank:Banker in Aufruhr

Zwei Einheiten hat die Hypo-Vereinsbank komplett geschlossen - aber das ist erst der Anfang: Bis 2015 will die Bank bis zu 1000 Jobs abbauen. Betroffen sind vor allem Mitarbeiter zentraler Stabsfunktionen wie Kommunikation oder Wertpapiergeschäft. Der Betriebsrat spricht von einem "Tiefpunkt der Unternehmenskultur".

Michael Tibudd

Die Münchner Bankenszene ist in Aufruhr, und vor allem bei der größten Privatbank der Region spitzt sich die Konfrontation zwischen Geschäftsleitung und Mitarbeitern zu: Die zur italienischen Unicredit gehörende Hypo-Vereinsbank (HVB) sei an einem "Tiefpunkt in Sachen Unternehmenskultur" angelangt.

HypoVereinsbank

HVB-Zentrale in München: Bis 2015 sollen unternehmensweit bis zu 1000 Jobs wegfallen.

(Foto: ddp)

Das schreibt Betriebsratschef Roland Pauli an die Mitarbeiter und klagt über das brüske Abservieren von 30 Investmentbankern am Montagnachmittag (die SZ berichtete). Der Bankvorstand hatte beschlossen, deren Einheiten Cash Equity und Equity Research aufzulösen. Sie wurden freigestellt und mussten überwacht vom hauseigenen Sicherheitspersonal sofort ihre Schreibtische räumen. "Wir halten dieses Vorgehen für ungeheuerlich", sagt Betriebsrat Pauli.

Aus Sicht von Mitarbeitervertretern ist dieser Vorgang dabei nicht der schlimmste Missstand bei der HVB. Denn insbesondere Mitarbeiter von zentralen Stabsfunktionen in München müssen sich mit einem großen Sparprogramm abfinden: Bis 2015 sollen unternehmensweit bis zu 1000 Stellen wegfallen, "überwiegend in München", teilt die Bank mit. Es geht hier um Posten etwa in der Kommunikation oder im Wertpapiergeschäft; das Filialgeschäft mit den 76 Niederlassungen in München und knapp 100 weiteren im restlichen Oberbayern ist davon nicht betroffen.

Darüber hinaus klagt die Gewerkschaft Verdi über mangelnde Bezahlung von Leiharbeitern und Behinderung der Betriebsratsarbeit. Schon seit Jahren unterhält die Hypo-Vereinsbank eine hauseigene Leiharbeitsfirma, die HVB Profil. Bundesweit hat diese nach Angaben von Verdi 500 bis 600 Mitarbeiter, die meisten davon in München. "Viele arbeiten schon viele Jahre lang in der Leiharbeitsfirma", sagt Verdi-Finanzfachfrau Siegrid Stenzel. "Es geht da also offensichtlich nicht darum, Auftragsspitzen abzufedern, sondern damit werden Personalkosten gespart."

Besonders gravierend findet sie indes das Vorgehen gegenüber gewählten Mitarbeitervertretern: Nach zähem Kampf konnten die Beschäftigten der HVB Profil im Frühjahr einen Betriebsrat wählen. "Jetzt werden die Verträge der Betriebsräte der Reihe nach nicht verlängert", sagt Stenzel. Von vier Betriebsräten habe sich das Unternehmen schon auf diese Weise getrennt.

Die HVB dementiert, "das müssen wir klar zurückweisen", sagt deren Sprecherin Claudia Bresgen. Bei der HVB werde anhand des Bedarfs entschieden, ob Verträge verlängert werden - und dieser Bedarf stehe eben oft erst sehr kurzfristig fest. Die knapp 1000 Stellen aus dem Sparprogramm würden ohne betriebsbedingte Kündigungen gestrichen, etwa indem ausscheidende Mitarbeiter nicht ersetzt werden.

Vorgänge wie die kurzfristige Kündigung und das sofortige Freistellen von Investmentbankern sind in der Branche nicht unüblich - als zu groß gilt das Risiko, dass verdrossene Wertpapierhändler noch Entscheidungen tätigen, die dem Arbeitgeber schaden. Weil aber eine Kündigungsfrist besteht, werden die Mitarbeiter arbeitsrechtlich in der Regel freigestellt, ihr Geld bekommen sie weiter.

Ärger gibt es darüber hinaus auch bei der Postbank: Das zur Deutschen Bank gehörende Institut will bei der Bezahlung von Mitarbeitern "auf Marktstandards kommen", wie ein Sprecher es ausdrückt. Neue Mitarbeiter sollen deswegen nach Verdi-Angaben für bis zu 30 Prozent weniger Geld arbeiten, zum Paket soll auch der Verzicht auf Urlaubstage und eine höhere Wochenarbeitszeit gehören. Verhandlungen darüber stehen an. Sollten sie sich nicht einig werden, könnten Münchner Postbanker in den kommenden Wochen streiken.

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