Bayernkaserne:Zu voll für ein eigenes Frauen-Haus

Flüchtlinge in der Bayernkaserne

Die Bayernkaserne in Freimann ist die größte Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber im Freistaat.

(Foto: Tobias Hase/dpa)

Frauenorganisationen beklagten, dass weibliche Flüchtlinge in der Bayernkaserne belästigt werden. Doch die Regierung lehnt eine spezielle Schutzeinrichtung ab.

Von Sven Loerzer

Ein eigenes Haus zur Unterbringung nur von Frauen, die mit oder ohne Kinder als Flüchtlinge nach München kommen - diesem Wunsch vieler Flüchtlingsaktivisten will die Regierung von Oberbayern nicht nachkommen. Die Behörde halte daran fest, dass vor dem Hintergrund des "aktuellen Unterbringungsdrucks" Häuser und Betten nicht für eine Personengruppe allein reserviert und vorgehalten werden können, teilte Sozialreferentin Brigitte Meier zu einem entsprechenden Antrag mehrerer SPD-Stadträte mit. Ihnen war es darum gegangen, weibliche Flüchtlinge besser vor Belästigungen und möglichen Übergriffen zu schützen.

"Mit einer spezifischen Widmung von Gebäuden in der Bayernkaserne für gesonderte Personenkreise ist die Regierung von Oberbayern zurückhaltend, da je nach Zugang immer wieder Änderungen in der Belegung erforderlich sind", erklärte die Sozialreferentin. Die Bayernkaserne in Freimann ist die größte Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber im Freistaat.

Frauenorganisationen hatten Alarm geschlagen

Vor drei Monaten hatten mehrere Frauenorganisationen Alarm geschlagen und von "tagtäglichen Vergewaltigungen" und Übergriffen in der Bayernkaserne berichtet - belegt wurden diese Gerüchte allerdings nie. Laut Meier hat sich die Regierung bemüht, die Sicherheit von Frauen zu verbessern. In der Kurzaufnahme würden diese jetzt nur mehr im Haus 58 der Bayernkaserne untergebracht - in Zimmern direkt neben der Wache im Erdgeschoss, wo sich auch die Toiletten und Duschen für Frauen befinden.

Zudem werde darauf geachtet, nachts in allen Gebäuden mehr weibliches Personal einzusetzen. Im Haus 18 der Bayernkaserne, wo Frauen mit Kindern untergebracht sind, und im Erdgeschoss des Hauses 58 seien die Zimmer abschließbar, berichtet Meier.

Die Nachfrage nach Plätzen in der Notunterbringung ist groß

Besonders traumatisierte und schutzbedürftige Frauen und Mütter erhalten überdies die Genehmigung zum Auszug und werden seit Anfang 2015 in einem Projekt untergebracht, wo sie von Fachkräften beraten und betreut werden. Derzeit handelt es sich um zwölf Fälle aus sieben Nationen. Außerdem hat der Sozialausschuss des Stadtrats gerade beschlossen, die Zahl der Notunterbringungsplätze im Haus Tahanan zu erhöhen. Dort kümmert sich der Katholische Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit In Via um Frauen mit Flucht- und Migrationshintergrund, wenn sie wegen schwerer Krisensituationen Hilfe benötigen.

Bis zu vier Frauen wurden bislang aufgenommen. Die Nachfrage ist viel größer: Im vergangenen Jahr wurden 35 Frauen und 17 Kinder abgewiesen, deren Aufnahme eigentlich angezeigt gewesen wäre. Nach einem ohnehin erforderlichen Umzug in neue Räume sollen künftig wenigstens bis zu zehn Frauen Platz finden. Das Sozialreferat erhöht deshalb seinen Zuschuss um etwa 100 000 Euro jährlich auf 145 000.

© SZ vom 27.07.2015/gna
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