bedeckt München

Englschalking:Nicht zu retten

Dem Bau des neuen Wilhelm-Hausenstein-Gymnasiums stehen 43 Bäume im Weg. Fünf davon werden verpflanzt, acht sind marode und 30 werden gefällt, damit im Boden nach Weltkriegsmunition gesucht werden kann

Von Nicole Graner, Englschalking

Noch stehen die 43 Bäume auf der Grünfläche neben dem Spiel- und Begegnungszentrum an der Fideliostraße. Doch die Bagger warten schon. Denn auf der Fläche im Fideliopark am Salzsenderweg wird das neue Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium (WHG) mit Dreifachsporthalle und Freizeitsportanlagen entstehen. Das "Go" für den Baubeginn des Gymnasiums war nur noch Formsache. Der Stadtrat hatte den Satzungsbeschluss für den erforderlichen Bebauungsplan bereits erlassen und nun auch die Baugenehmigung erteilt.

Es kann also losgehen. Doch da sind die Bäume. Während Baureferat und Firmen noch auf die offizielle Baugenehmigung warteten, hat der Bezirksausschuss (BA) Bogenhausen, der über den Standort des neuen Gymnasiums nie glücklich war, bei einem Ortstermin mit dem Baureferat noch einmal abgeklärt, ob nicht doch noch ein paar Bäume erhalten oder verpflanzt werden können. Gleich vorweg: Fünf können verpflanzt werden, acht sind schon so brüchig, dass eine Verpflanzung nicht möglich ist. Und 30 Bäume stehen auf dem ehemaligen Gelände einer alten Ziegelei. Es gilt als Kampfmittelverdachtsfläche. Was heißt: Mit einer elektromagnetischen Sonde wird geprüft, und dann werden Stück für Stück Erdschichten abgetragen. "Die Bäume müssen daher weg", erklärt Stefan Ballmeier vom Baureferat. "Wir dürfen da kein Risiko eingehen." In den nächsten Tagen werden also die Bäume besonders auf dem Wall des Geländes gefällt, dann wird das Erdreich abgetragen und untersucht.

Auch die Bäume nahe dem Zaun der Dirtbike-Anlage des Vereins Tretlager müssen weichen. Sie stehen im "Zentrum des Sturms" wie Carolin Seidl vom Gartenbaureferat über diese Fläche sagt. Denn zuerst wird dort der Baukran aufgestellt. Und später brauchen viele Fahrradständer Platz - 500 mussten die Planer auf der Fläche unterbringen. Man habe es sich mit den Bäumen nicht leicht gemacht, sagt Seidl. Alles sei genau abgewogen und geprüft worden.

Petra Cockrell (Grüne), Vorsitzende des Unterausschusses Umwelt, Grünplanung und Klimaschutz lobte dann auch, dass die Referate mit "Umsicht" geplant und sich bemüht hätten, Bau und Baustelle sehr "kompakt" zu halten. Trotzdem hatte Cockrell noch ein paar Wünsche: die Blühsträucher und Neupflanzungen in Richtung Spiel- und Begegnungszentrum etwas üppiger ausfallen zu lassen. "Auch mit etwas mehr als nur 20 Zentimetern Baumumfang." Auch habe sich die Schulfamilie des WHG ergänzend zu den Sträuchern Obstbäume auf dem Schulgrund gewünscht. Insgesamt sollen nach Abschluss der Bauarbeiten 76 Bäume neu gepflanzt werden.

Drei Jahre soll der Bau des Gymnasiums dauern. Deswegen wünschte sich Cockrell auch eine Infotafel, die den Bürgern das Bauvorhaben darstellt. Die Stadt versprach nicht nur Flyer für die Anwohner, sondern auch eine Bautafel, die im Juni aufgestellt werden soll. Eine schöne Idee hatte das Baureferat auch: In den hölzernen Bauzaun sollen Gucklöcher geschnitten werden. Damit die Kinder des an die Baustelle angrenzenden Naturkindergartens, aber auch die Anwohner in die große Baugrube lugen und den Fortschritt beobachten können. Der Zaun könne zudem bemalt werden und möglicherweise könnten aus dem Holz der gefällten Bäume auch Kunstwerke entstehen. Doch bis dahin wird es noch dauern. Zuerst kommt großes Gerät - zum Fällen, Sondieren, Schaufeln und Graben.

© SZ vom 25.03.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema