Süddeutsche Zeitung

Englischer Garten:Neue Nacktbader gesucht

Die FKK-Szene auf der Schönfeldwiese hat Nachwuchssorgen. Ein Franzose will diese nun lindern - mit einer ungewöhnlichen Idee.

Glosse von Viktoria Spinrad

Für Freunde der Freikörperkultur sind es im Englischen Garten einsame Zeiten geworden. Während die progressiven Protagonisten der Siebziger noch in Scharen an den Schwabinger Bach strömten und sich notfalls auch mit der katholischen Kirche anlegten, gibt es entlang der Schönfeldwiese heutzutage mehr enttäuschte FKK-Paparazzi als freudige Verfechter der Freizügigkeit. Die wenigen verbliebenen sind meist braun gebrutzelte Altachtundsechziger. Nach jungen, antiautoritär aufstrebenden Ganzkörper-Sonnenanbetern suchen die durch ihre Stadtführer angefixten Touristen mittlerweile oft vergeblich.

Doch nun gibt es offenbar Entwicklungshilfe von außerhalb. In einer englischsprachigen Facebook-Gruppe für Zugezogene hat ein junger Franzose namens Antony kürzlich einen Aufruf zum gemeinsamen FKK-Baden im Englischen Garten gestartet. Er sei erst seit einem Monat in der Stadt und habe noch nicht viele Gelegenheiten gehabt, neue Leute zu treffen, berichtete er - und fragte, ob jemand an einer gemeinsamen FKK-Session Interesse hätte.

Die Reaktionen auf das spezielle Kennenlernen fielen gespalten aus. Ein Mazedonier postete ein kotzendes Smiley. Ein Kalifornier lehnte dankend ab, es reiche ihm, seine Affären mit seiner Nacktheit zu beeindrucken. Ein Engländer ließ wissen, dass er den Blick auf sein Adamskostüm exklusiv seinen Eltern vorbehält. Doch es gab auch andere Stimmen. "Das ist super, Leute!", applaudierte ein Inder. "Willkommen in Deutschland. Das ist hier total normal!", behauptete ein Türke. Und Antony? Der wollte auch noch mit den Stichworten "Toleranz", "Selbstbewusstsein", "Abwenden von sozialen Zwängen" überzeugen.

Vielleicht glückt es ihm ja, mit vollem Körpereinsatz internationale Neu-Münchner für die Pflege der ganz eigenen Kultur der Schönfeldwiese zu begeistern. Bei ihrer Motivjagd im Englischen Garten bekämen die Gäste aus aller Welt dann wirklich Überraschendes zu sehen: nackte Landsmänner und -frauen.

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Quelle:
SZ vom 29.07.2019
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