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Englischer Garten:Mit Tempo zur neuen Tram

Der Stadtrat soll die Planung für die Trasse rasch freigeben - denn wer weiß, ob der Freistaat weiter zu seiner Zusage steht?

Von Dominik Hutter

"Das Eisen schmieden, so lange es heiß ist", das stand Anfang November über einem Stadtratsantrag der Grünen - und vermutlich war der Partei damals nicht klar, wie schnell diese Forderung aktuell werden könnte. Denn mit Markus Söder (CSU) soll nun der Mann Ministerpräsident werden, der jahrelang gegen die Trambahn durch den Englischen Garten war. Und der vom überraschenden Ja Horst Seehofers zu dem Projekt gedemütigt worden war. Offen will das niemand sagen, aber im Rathaus macht man sich durchaus Gedanken darüber, ob der Machtwechsel auf Landesebene vielleicht auch Auswirkungen auf die Trambahnplanung haben könnte - und ob der Freistaat als Eigentümer des Englischen Gartens bald erneut sein Veto einlegt.

Ein begrüntes Gleis, daneben ein Fahrradweg: So stellt sich die Münchner Verkehrsgesellschaft die Trasse durch den Englischen Garten vor. Simulation: Stadt München

Nun will Stadtbaurätin Elisabeth Merk der Forderung der Grünen nachkommen und die Tram-Planung festzurren. Der Stadtrat möge ganz offiziell von der im Juli erfolgten Zustimmung des Ministerrats Kenntnis nehmen und die seit Jahren gestoppten Planungen wieder aufnehmen, steht in Merks Vorlage für den Planungsausschuss an diesem Mittwoch. Ob das so beschlossen wird, ist allerdings unsicher. Die CSU hat sich offiziell noch nicht festgelegt, wie sie abstimmen will - sie will das Thema vertagen, weil es zu kurzfristig auf die Tagesordnung gekommen sei. Bei SPD und Grünen geht man davon aus, dass es auch jenseits der CSU eine Mehrheit gibt für den etwa zwei Kilometer langen Lückenschluss zwischen den bestehenden Gleisen an Elisabethplatz und Tivolistraße. Die Hoffnung der Tram-Fans: Der Ministerrat wird sich nicht die Blöße geben, durch eine neuerliche Kehrtwende in den Ruf eines unzuverlässigen Opportunistengremiums zu geraten. Und natürlich ist auch den Münchner Kommunalpolitikern klar: Auf der Landesebene zählt die Tram-Nordtangente nicht wirklich zu den maßgeblichen Top-Themen.

Hat die Garten-Tram einmal den Stadtrat passiert, beginnen die Planer mit der Aktualisierung der Vermessungen und Baugrunduntersuchungen im Englischen Garten. Die aus den Neunzigerjahren stammende Vorplanung wird überarbeitet, Mitte bis Ende 2019 könnte das Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden, an dessen Ende die Baugenehmigung stünde. Für diesen Prozess müssen die Tram-Planer zwingend auch Alternativen prüfen: einen Betrieb mit Elektrobussen etwa oder eine Anbindung der Neubaustrecke an die Parkstadt-Tram an der Münchner Freiheit. Die CSU reichte am Dienstag schon einmal einen Stadtratsantrag ein, die durch den Englischen Garten rollenden Buslinien 54 und 154 auf Elektroantrieb umzustellen. Erste Untersuchungen zeigen allerdings, dass auf längere Sicht eine Trambahn besser ist als Busse, da sie mehr Fahrgäste mitnehmen kann und eine attraktive Verbindung zwischen Neuhausen, Schwabing und Bogenhausen schafft. Zudem käme sie mit einer begrünten Gleistrasse von 6,05 Meter Breite aus, während die Busse eine sieben Meter breite Asphaltfläche benötigen. Als denkbaren Eröffnungstermin nennt das Planungsreferat Mitte 2025.

Nach den bisherigen Planungen soll die neue Tramstrecke, die auch den Chinesischen Turm anfährt, eine parallel verlaufenden Radweg erhalten; nicht nur auf dem Park-Abschnitt, sondern auch in der Franz-Joseph-, Thieme- und Martiusstraße sind Verbesserungen für Velo-Fans angedacht. Die die Gleise kreuzenden Wege im Park bleiben erhalten. Damit dort niemand unter die Räder kommt, setzt die Verwaltung vor allem auf Übersichtlichkeit: Gitter oder andere Absperrungen soll es im Interesse des Landschaftsbildes nicht geben. Und auch keine Oberleitungen: Es ist weiterhin geplant, die Tramzüge auf den zwei Park-Kilometern über Akkus mit Strom zu versorgen. Entsprechende Tests sind seit Langem erfolgreich abgeschlossen, und ganz neu ist das Prinzip ohnehin nicht. In Nizza etwa queren die Straßenbahnen seit Jahren im Akkubetrieb die monumentale Place Masséna am Rande der Altstadt.

© SZ vom 06.12.2017
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