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Engagiert gegen Rechts:Die Hartnäckige

Städtische Fachstelle für Demokratie in München feiert 10-jähriges Jubiläum, 2020

Micky Wenngatz hat es nach mehreren Anläufen geschafft und sitzt künftig für die SPD im Stadtrat.

(Foto: Stephan Rumpf)

Micky Wenngatz von "München ist bunt" stellte sich schon mehrmals zur Wahl

Von Dominik Hutter

Hartnäckigkeit zahlt sich aus, davon ist Micky Wenngatz ohnehin überzeugt. Und nun hat es ja wirklich geklappt, die 59-Jährige zieht für die SPD in den Münchner Stadtrat ein. Über mangelnde Kandidatenerfahrung kann sich die gebürtige Saarbrückerin, die dann ihre ersten Lebensjahre in Berlin verbrachte, nicht beklagen. 2008 kandidierte sie erstmals für den Stadtrat, allerdings von vornherein auf einem eher aussichtslosen Listenplatz. Dafür zog sie im gleichen Jahr in den Bezirksausschuss Thalkirchen-Obersendling-Fürstenried-Forstenried-Solln ein, wo sie inzwischen stellvertretende Vorsitzende ist. Aber Wenngatz wollte mehr: 2012 meldete sie erstmals Interesse an einer Landtagskandidatur an, konnte sich aber innerparteilich nicht durchsetzen. 2018 dann entschieden sich die Sozialdemokraten für Wenngatz und gegen den Konkurrenten Andreas Lotte. Ins Maximilianeum zog sie trotzdem nicht ein. Es war aber auch eine schwierige Kandidatur gewesen: Das rot-grün geprägte Westend war zuvor aus dem Stimmkreis Hadern ausgegliedert worden, ihr CSU-Mitbewerber war Staatsminister Georg Eisenreich. Und die Gesamtsituation der Bayern-SPD bei dieser Wahl war ohnehin - gelinde gesagt - suboptimal.

Im Rathaus bewegt sich Wenngatz, die 1984 der SPD beigetreten ist, auf vertrautem Terrain. Sie arbeitet seit 2012 im Bürgermeisterbüro von Christine Strobl (SPD), die nun jedoch ihren Posten räumt. Den Münchnern dürfte die Frau mit dem ungewöhnlichen Vornamen, den sie nach eigener Einschätzung der Amerikaliebe ihres Vaters verdankt, vor allem als Vorsitzende des Vereins "München ist bunt" bekannt sein, der sich seit Jahren gegen Rassismus und Ausgrenzung engagiert. "München ist bunt"-Schilder zählen längst zu den Standardaccessoires der Demonstranten bei diversen Anti-Rechts-Aktionen. Entstanden ist der Verein nach einer großen Demonstration vor zehn Jahren in Fürstenried, bei der "wir die Nazis aufgehalten haben", wie Wenngatz sagt, die allerdings auch vorher schon in Sachen Antifaschismus engagiert war. Seitdem bildet "München ist bunt" die Plattform für gemeinsame Aktionen verschiedener Initiativen und stellt auch die entsprechende Infrastruktur zur Verfügung. Allerdings hat der Verein nicht nur Demos organisiert, das ist Wenngatz wichtig. "München ist bunt" hat auch eine Studie über die AfD in München verfasst und Ausstellungen wie "Comics gegen rechts" konzipiert. Wenngatz, die früher in Innsbruck Medizin studiert hat, aber aus finanziellen Gründen aufgeben musste, sieht ihren Verein als "Schirm", unter dem sich die verschiedenen Gruppierungen treffen. Sie arbeitet ehrenamtlich.

Die Ziele dieses Vereins will Wenngatz, die am Münchner Käthe-Kollwitz-Gymnasium Abiturgemacht hat, auch im Stadtrat vertreten. Ihre Haltung ist: Wo Menschen ausgegrenzt werden, muss man aktiv werden. "Das ist eine Frage der Gerechtigkeit." Was auch zu einem weiteren Themenfeld passt, auf dem die frühere IT-Unternehmerin tätig ist: "Ich bin dezidierte Frauenpolitikerin." Ihr Engagement gilt der Gesellschaftspolitik.

Ansonsten interessiert sich Wenngatz im Stadtrat für den Planungsausschuss, den Gesundheitsausschuss, den Verwaltungs- und Personalausschuss sowie den IT-Ausschuss. Gerade die aktuelle Situation zeige, wie wichtig die Digitalisierung ist, findet die SPD-Politikerin, die ihr eigenes IT-Unternehmen 2004 verkauft hat. Beruflich hat Wenngatz schon sehr viel Verschiedenes erlebt: Sie hat neben ihrer Tätigkeit in der Computerbranche ein Abendstudium für Marketing und Werbung absolviert, das sie als Kommunikationsfachwirtin abschloss. Um anschließend Politik und Verwaltungswissenschaften mit dem Schwerpunkt Europa und Frauenpolitik zu studieren. Später, bevor sie ins Strobl-Büro wechselte, war sie Politikberaterin. Auf dem Stimmzettel zur Stadtratswahl las sich ihre Tätigkeit so: "Angestellte".

© SZ vom 20.03.2020
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