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Engagement gegen rechts:"Heucheleien" der Mächtigen

Es war dies die Zeit, in der Buschmüller politisiert wurde, es waren seine Jahre des "Sturm und Drang", des Ausprobierens, wie es Jugendliche nun mal tun, die sich Gedanken machen über die Welt und die Gerechtigkeit. Es ist die Zeit des Wettrüstens, des US-Präsidenten Reagan und des Kanzlers Kohl. Buschmüller nerven die "Heucheleien" der Mächtigen: "Die Gesellschaft ist nicht so, wie sie sein könnte."

Er schließt sich Antifa-Gruppen an, protestiert gegen die Startbahn West in Frankfurt, macht bei einer Hausbesetzung in München mit und zieht ins Hüttendorf nach Wackersdorf, wo sie die Wiederaufbereitungsanlage bauen wollen. Als Buschmüller dort Anfang 1986 vermummt am Baugelände unterwegs ist, nehmen Polizisten einen aus seiner Gruppe fest.

Es sei, erzählt Buschmüller, zu einer Rangelei gekommen, ohne Verletzungen, aber die Beamten nehmen Buschmüller mit, zwölf Tage bleibt er im Gefängnis. Später verurteilt ihn ein Richter wegen versuchter Gefangenenbefreiung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung zu 60 Tagessätzen, macht 600 Mark. Die U-Haft rechnen sie ihm an mit zehn Mark pro Tag.

15 Tagessätze, 300 Mark

Ein paar Jahre später, am Tag, als sich Deutschland vereinigt, gerät Buschmüller in München in eine linke "Spontandemonstration", wie er es nennt. Die Polizei findet in seiner Jackentasche CS-Gas. Er habe das Spray damals zum Selbstschutz vor Rechten immer bei sich gehabt, aber natürlich habe das auf einer Demo nichts verloren, "das war einfach blöd". Strafbefehl, 15 Tagessätze, 300 Mark.

Ins Führungszeugnis ist das nie hineingekommen, aus dem Bundeszentralregister müsste es nach fünf Jahren gestrichen worden sein - das Innenministerium aber bedient sich noch heute der Jugendsünden des Nazi-Gegners.

Buschmüller lernt Erzieher, beginnt dann im Touristik-Gewerbe, verkauft Flugtickets, ein sehr gewöhnlicher Job für einen Linken. 1989 dann gründet er mit ein paar Gleichgesinnten Aida. Schon lange haben sie Material über die Rechten gesammelt, es lag hier und da, in Tüten, in Kisten, im Keller, unterm Dach. Sie wollen es endlich sortieren, und so entsteht jenes heute so stattliche Archiv, dessen Adresse nur wenige Eingeweihte kennen.

Bloß nicht die Neonazis anlocken, man weiß ja nie. Aida ist noch immer ein kleiner Verein mit wenigen Aktiven. Erst die letzten fünf Jahre, sagt Buschmüller, seien sie professioneller geworden. Er hat seinen Job als Abteilungsleiter in seiner Firma aufgegeben, um mehr Zeit für Aida zu haben.

"Wir sind keine politische Aktionsgruppe", betont Buschmüller. Sie verzichten auf ein politisches Programm, "es geht uns rein um die Information über Rechtsextremisten". Aida wird mit diversen Preisen ausgezeichnet, und vor ein paar Jahren meldet sich der Verfassungsschutz, jener des Freistaats Sachsen, und bestellt, gegen Rechnung, eine Aida-Broschüre. "Sprengstoff in München" heißt sie und dokumentiert die Umtriebe jener Neonazi-Gruppe, die 2003 den Anschlag auf die Synagogen-Baustelle geplant hatte.

Im Februar 2009 dann faxen die Verfassungsschützer, diesmal die bayerischen, an den Bayerischen Jugendring, bei dem die Landeskoordinierungsstelle gegen Rechtsextremismus (LKS) angesiedelt ist: Man möge sich vor Aida in Acht nehmen. Die Geheimen werfen Aida vor, im Internet Links zu Extremisten gesetzt zu haben; sie führen ein Faltblatt auf und auch eine Veranstaltung über Rechte, bei der ein Verfassungsschützer zum Verlassen des Saales aufgefordert wurde.