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Energiewende:Welcher Auszubildende will schon in ein Kraftwerk mit Verfallsdatum

Auch für die Stadtwerke ist die Hängepartie ein Problem. Denn so lange nicht klar ist, ob der Kohleblock stillgelegt wird, muss das kommunale Unternehmen Parallelplanungen organisieren. Für die Stilllegung und den Weiterbetrieb. Das ist schon aktuell nicht mehr so einfach, berichtet Christoph Bieniek, der Leiter der Strom- und Wärmeerzeugung. Denn welcher Auszubildende und welcher junge Ingenieur will schon in ein Kraftwerk mit bevorstehendem Verfallsdatum.

Zusätzlich nutzen natürlich die vorhandenen Mitarbeiter jede sich bietende Gelegenheit für einen Arbeitsplatzwechsel. Und müssen dann ersetzt werden. Vor diesem Hintergrund dürfte es in den kommenden Jahren immer schwieriger werden, die Anlage am Laufen zu halten. Irgendwann, wenn die Probleme immer größer werden, könnten vielleicht auch die Stadtwerke kapitulieren. Und dann eben von sich aus die Stilllegung für 2025 oder ein bisschen später beantragen.

Eigentlich wollten die Mitarbeiter mit der Anlage in den Ruhestand gehen

Dass der Kohleblock noch bis 2027 oder 2029 läuft, wie vor dem Bürgerentscheid im Rathaus geplant, glaubt in Unterföhring keiner mehr. Systemrelevanz hin oder her. Viele Mitarbeiter sind seit der Inbetriebnahme des Meilers Anfang der Neunzigerjahre dabei. Ihr Traum, einfach mit der Anlage gemeinsam in den Ruhestand zu gehen, ist perdu.

Zwar versichert Geschäftsführer Braun, dass sich die Stadtwerke darum bemühen, die Kollegen an anderer Stelle unterzubringen. Einfach aber ist das nicht. Der Betrieb eines Kohlekraftwerks ist eine komplexe Angelegenheit, die Mitarbeiter haben in langen Jahren eine Spezialausbildung erhalten. In einem Gaskraftwerk geht es völlig anders zu, zudem werden dort viel weniger Leute benötigt.

Kohle, klar, gilt nicht gerade als Zukunftstechnologie. Das wissen sie auch in Unterföhring. Damit hätte man leben können, sagt der Datenverarbeitungsadministrator Christian Kraus. Ein geordneter Kohleausstieg auf Bundesebene - und schon wäre ausreichend Zeit auch für die persönliche Lebensplanung gewesen. Aber dann kam der 5. November.

© SZ vom 22.01.2018/tmh
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