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Energie sparen:Feiern für ein besseres Morgen

Rote Sonne

In der Roten Sonne wurde gestrampelt, um Energie zu erzeugen.

(Foto: Silke Lode)

Ein Club verbraucht im Jahr etwa so viel Energie wie sie für 20 Flüge nach Tokio benötigt wird. Eine Initiative klärt Partygänger und Clubbetreiber darüber auf, wie es weniger werden könnte.

Von Silke Lode

Fliegen, Kohlestrom, die Wohnung im Winter auf T-Shirt-Temperatur heizen - das sind bekannte Klimasünden. Aber feiern? In einem schönen Club? Wie viel sind überhaupt 67 Tonnen CO₂-Ausstoß pro Jahr - ein Wert, den die Münchner Initiative Clubmob als Durchschnittsverbrauch eines mittelgroßen Clubs angibt?

Das sind 20 Flüge nach Tokio und zurück, 238 000 gebackene Pizzen, 241 Tage dauerduschen oder schlicht mehr als das 50-fache dessen, was ein durchschnittlicher Haushalt in die Luft bläst, so die Rechnung von Clubmob. Musikclubs sind also eine ganz schöne Energieschleuder - aber deshalb nicht mehr feiern gehen? "Genau das wollen wir nicht", sagt Markus Mitterer vom Verein Rehab Republic, der hinter Clubmob steht. Ihr Motto lautet vielmehr: "Feiern, als gäbe es ein Morgen." Es geht darum, die Betreiber zu sensibilisieren - nicht um einen Boykott. Stattdessen machen Mitterer und seine Mitstreiter den Clubs ein Angebot: Sie vermitteln eine kostenlose Energieberatung, rühren kräftig die Werbetrommel für einen bestimmten Partyabend und die Betreiber verpflichten sich ihrerseits, den Gewinn des Abends so zu investieren, dass der Energieverbrauch und damit der CO₂-Ausstoß gesenkt wird.

Das Substanz hat schon mitgemacht, Milla und Pathos, die Glockenbachwerkstatt und das Harry Klein. Auch Peter Wacha von der Roten Sonne war angetan: "Wir verblasen viel Strom, da fand ich es eine gute Idee, den Club analysieren zu lassen." Im August waren die Energieberater da, das Ergebnis ist nicht schlecht. "Beim Licht sind wir schon relativ weit vorn, die Anlage hatten wir schon erneuert." Licht ist für einen Club ein heikles Thema. Auch die Rote Sonne könnte theoretisch mit weiteren LEDs noch mehr sparen. "Aber uns ist ein warmes Licht wichtig", sagt Wacha.

Große Energiefresser sind - wie in vielen Clubs - die Kühlschränke. Zwar gibt es längst effiziente Modelle, aber an einer Bar zählt auch Ästhetik. Da dürfen die Kühlschränke gerne Glastüren haben, dass man die Getränke sieht - aber Glas isoliert schlecht. Und natürlich sieht eine Beleuchtung von innen super aus, nur tragen die Neonröhren Wärme rein, es ist also mehr Strom für die Kühlung nötig. Ob Wacha seine sechs Geräte austauscht, weiß er noch nicht. "Die modernen Teile amortisieren sich erst nach einer Weile, dafür wirft man etwas Funktionierendes weg. Ich muss mal schauen, was wirklich nachhaltig ist." Trotzdem haben die Kühlsysteme für ihn oberste Priorität beim Sparen. "Wir überlegen, ob die Geräte durchlaufen müssen, auch wenn wir mal zwei Tage geschlossen haben." Unantastbar ist für ihn nur eines: die Musikanlage. "Die muss schon Wumms haben. Sonst braucht man keinen Club, wir wollen schließlich tanzen."

Die große Energiesparparty in der Roten Sonne ist am Samstag gestiegen, sie stand im Programm des derzeit stattfindenden sogenannten Klimaherbsts und lockte so auch Leute an, die sonst nicht in den Elektro-Club am Maximiliansplatz gehen würden. "Gleichzeitig erreichen wir mit dem Partyvolk ein ganz anderes Publikum als mit einer Podiumsdiskussion beim Klimaherbst", sagt Clubmobberin Mehtap von Stietencron.

Das geschieht ganz nebenbei, zum Beispiel auf der Toilette. Dort hängt die "Klozeitung", die aus Aufklebern auf den Fliesen mit Fakten zum CO₂-Verbrauch besteht. An der Bar steht auf der Karte, dass 460 verkaufte Flaschen Tegernseer an diesem Abend den Kauf einer neuen Hauptbeleuchtung finanzieren können. Und am Eingang können die Gäste auf einem Fahrrad ausprobieren, wie anstrengend es ist, LEDs zum Leuchten zu bringen oder ihr Handy zu laden. Wer es schafft, zwei Minuten Strom für eine 60-Watt-Birne zu erstrampeln, bekommt sogar eine CD geschenkt. "Aber das hat noch keiner geschafft", lacht Stietencron.

© SZ vom 10.10.2016

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